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Das James-Simon-Kabinett im Bode-Museum (Ausstellungsansicht)

Berlin – Der Industrielle James Simon gehörte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den reichsten Männern Berlins. Allerdings setzte er seine finanziellen Mittel nicht allein zum eigenen Vorteil ein; er unterstützte Projekte für Arme und Kranke ebenso wie Grabungen deutscher Archäologen. Auch war er ein großer Kunstliebhaber und Sammler, welcher den Berliner Museen Bedeutendes schenkte. Im Bode-Museum erinnert nun ein nach historischem Vorbild eingerichtetes Kabinett an diesen Mäzen.

Kurz erwähnt sei an dieser Stelle auch die ebenfalls neu eröffnete James-Simon-Galerie, eine Konstruktion des Stararchitekten David Chipperfield. Ob das als Eingangsforum zur Museumsinsel am Kupfergraben fungierende Bauwerk das historische Ensemble eher ergänzt oder stört, sei dahingestellt. Jedenfalls führt dies zu der Frage, wer nun dieser Mann war, dessen Name im Zusammenhang mit der Museumsinsel so prominent auftaucht.

Einer wohlhabenden jüdischen Familie entstammend, konnte sich Simon (1851-1932) vor allem durch die Weiterführung des väterlichen Textilhandels etablieren. Als Unternehmer war er von sozialem Verantwortungsbewußtsein erfüllt, richtete unter anderem eine Pensionskasse für seine Mitarbeiter ein und finanzierte Hilfsprojekte für kranke und in Armut lebende Kinder.

Politisch war er sozialliberal gesinnt, konnte dennoch die Achtung konservativer Kreise des Kaiserreiches und selbst Wilhelms II. gewinnen. Dessen Wertschätzung ging soweit, daß er den von Chaim Weizmann als „Kaiserjuden“ geschmähten Simon regelmäßig konsultierte, insbesondere zu Fragen, welche die jüdische Gemeinde betrafen, und der Kontakt auch nach seiner Abdankung als Kaiser bestehen blieb; auf Simons Grab ließ er einen Kranz niederlegen.

Für die Art-Depesche wichtig ist natürlich vor allem der Freund der Musen und Museen. Auch hierdürfte ein wesentlicher Grund für die gute Beziehung zum Kaiser gelegen haben; die beiden Männer teilten die Begeisterung für die Antike. Simon spendete der „Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften“ die beträchtliche Summe von 100.000 Reichsmark und war Spiritus rector der 1898 gegründeten und seit 1901 unter Protektion des Kaisers stehenden „Deutschen Orient-Gesellschaft“, deren Grabungen (und Simons Schenkungen) Berlin unter anderem die Nofretete-Büste und das rekonstruierte Ischtar-Tor verdankt.

Als besonders fruchtbar erwies sich die Zusammenarbeit mit Wilhelm Bode seit Mitte der 1880er Jahre, der zentralen Persönlichkeit bei der Begründung des modernen Museumswesens in Berlin. Bode beriet mehrere private Sammler, darunter auch Simon, bei ihren Ankäufen. Simon entdeckte als Schwerpunkt seiner Sammlung die italienische Renaissance.

Mindestens zweimal ließ er sich inmitten seiner Sammlung porträtieren, einmal von Ernst Oppler („James Simon in seinem Arbeitszimmer“, 1904) und einmal von Willi Döring („Bildnis James Simon am Schreibtisch seines Zimmers“, 1901), dieses findet sich übrigens im restaurierten Kabinett im Bode-Museum.

Hintergrund von dessen Entstehung ist Simons erste große Schenkung von 1904 von rund 450 Stücken aus seiner Renaissance-Sammlung an das damalige Kaiser-Friedrich-Museum, welches heute Bode-Museum heißt. Der Schenkungsvertrag enthielt die Bedingung, dem Stifter 100 Jahre lang ein eigenes Kabinett zu widmen, welches sich in seiner Gestaltung an der vormaligen privaten Sammlungspräsentation orientierte. Der Vertrag fand seine Unterbrechung durch die Nationalsozialisten, welchen das Gedenken an einen jüdischen Mäzen ein Dorn im Auge war und die 1938 zunächst dessen Namen entfernten und 1939 schließlich das Kabinett auflösten und die Objekte an verschiedene Orte verteilten.

Die Rekonstruktion ist Ausdruck des Ansinnens, den Schenkungsvertrag den Bestimmungen des Stifters gemäß doch noch zu erfüllen. Zu sehen ist im Raum 216 des Bode-Museums nun also eine hübsche Zusammenstellung von verschiedenen Werken wie Gemälden, Kleinbronzen und Möbeln. Das bedeutendste Gemälde ist zweifelsohne Andrea Mantegnas „Maria mit dem Kind“ (etwa 1465/70), welches Simon damals auf Anraten Bodes erstand. Bis vor kurzem war dieses Bild, vielleicht eines der schönsten der Renaissance überhaupt, in der Mantegna- und Bellini-Ausstellung in der Gemäldegalerie zu sehen.

Ein wunderbares Bild auch das „Bildnis eines Jünglings“, datiert um 1560, von Bronzino, einem der wichtigsten Vertreter des Manierismus. Auch ein Giovanni Bellini findet sich, ein „Bildnis eines Mannes“ (1485/90). Weitere vertretene Maler sind Antoniazzo Romano, Andrea Previtali und Bartholomäus Bruyn der Ältere. Zwei Stücke sind Kriegsverluste und nur durch Abbildungen repräsentiert, andere befinden sich noch in Restauration. Wegen der seinerzeit üblichen dichten Hängung gibt es keine Wandschilder, stattdessen wird laminiertes Informationsmaterial bereitgestellt.

Auch außerhalb des Kabinetts finden sich Werke aus den Simonschen Schenkungen, etwa ein faszinierendes Sandsteinrelief (vermutlich aus Augsburg, um 1530) „Bathseba im Bade“, es wird jeweils explizit auf den Ursprung hingewiesen.

Insbesondere das Mantegna-Gemälde lohnt einen Besuch des kleinen Raumes, und überdies verfügt das Bode-Museum über eine beachtliche Sammlung von Kunst und Kunsthandwerk vor allem aus Romanik, Gotik, Renaissance und Barock. Es befindet sich Am Kupfergraben in 10117 Berlin und ist über die Monbijou-Brücke zu erreichen. Es hat von Dienstag bis Sonntagvon 10-18 bzw. am Donnerstag bs 20 Uhr geöffnet, der Montag ist Schließtag. Das Ticket kostet regulär 12,-, ermäßigt 6,- Euro.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/bode-museum/ueber-uns/nachrichten/detail/die-wiedereinrichtung-des-james-simon-kabinetts-im-bode-museum.html
https://blog.smb.museum/james-simon-kabinett-eine-berliner-geschichte-des-20-jahrhunderts/
https://blog.smb.museum/wilhelm-von-bode-kunsthistoriker-und-sammler-aus-leidenschaft/
https://blog.smb.museum/der-maezen-james-simon-ein-geschenk-fuer-die-museen/
https://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/james-simon-galerie/ueber-uns/james-simon.html
https://art-depesche.de/malerei/539-„schilder-einer-ausstellung“-ein-randthema-in-der-gemäldegalerie.html

Die Wiedereröffnung des James-Simon-Kabinetts im Bode-Museum https://art-depesche.de/images/James-Simon-Kabinett.jpg Ruedi Strese