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Donatello „Madonna Pazzi“ (Marmorrelief, ca. 1425-1430, Bode-Museum Berlin)

Berlin – Donatello gilt als bedeutendster Bildhauer der Frührenaissance. Viel zu wenig bekannt ist, daß das Berliner Bode-Museum wertvolle Stücke des Genies, seiner Mitarbeiter, Schüler und von ihm inspirierter Künstler sein eigen nennt und in einem Raum vereinigt. Die Art-Depesche war vor Ort und möchte ihre Leser ermuntern, selbst die Gelegenheit wahrzunehmen, um dort dem Meister zu huldigen.

Der Florentiner Donato di Niccolò di Betto Bardi (etwa 1386-1466) kann mit seinem Rückbezug auf die Antike und seinem genauen Naturstudium als eigentlicher Begründer der Renaissance in der Bildhauerei gelten. Er verband äußerstes Feingefühl mit dramatischer Kraft und wurde zum Vorbild sämtlicher Renaissance-Bildhauer bis hin zu Michelangelo.

Wilhelm von Bode (1845-1929, 1914 geadelt) war nicht nur wichtigster Erneuer der deutschen Museenwelt und Begründer des heute nach ihm benannten, damaligen Kaiser-Friedrich-Museums, sondern um 1900 auch der weltweit führende Kenner Donatellos. Dies befähigte ihn, bis dahin nicht als Arbeiten Donatellos erkannte Werke zu identifizieren und auch zu erwerben, was unter anderem für die beiden wichtigsten Stücke der Berliner Sammlung gilt, den „Putto mit Tamburin“ (derzeit in der Ausstellung „Unvergleichlich: Kunst aus Afrika im Bode-Museum“ untergebracht) und die „Madonna Pazzi“.

Dieses Marmorrelief (s. Bild zum Artikel), mehrfach gebrochen und gekittet, steht als einzigartiges Meisterstück in der Mitte des Raumes. Seinen Namen trägt die wohl zur privaten Andacht geschaffene Maria mit dem Jesusknaben von der Herkunft aus dem Florentiner Palazzo Pazzi della Congiura. Selten wurden gefühlvolle Zartheit und Monumentalität derart gekonnt verbunden, dabei ist der Verzicht auf jegliche überflüssige Ausschmückung festzustellen.

Neben Donatellos Originalen erwarb Bode für Berlin auch zahlreiche Werke von diesem in der einen oder anderen Weise inspirierter Künstler, dabei gleich eine ganze Reihe Madonnen mit Kind. Unbedingt zu erwähnen ist von diesen die direkt an die „Madonna Pazzi“ angelehnte „Orlandini Madonna“, gleichfalls ein Marmorrelief, zugeschrieben Donatellos Mitarbeiter Michelozzo.

Neben verschiedenen Formen der Bildhauerei werden einige Gemälde gezeigt, die ihre Inspiration aus der gleichen Quelle zogen. Der Karmelitermönch Fra Filippo Lippi (1406-1469) ist dort, mit seinem frühesten bekannten Werk, „Ein heiliger Karmeliter“ (1426). Mönch, allerdings Dominikaner, war auch Fra Angelico (zwischen 1386 und 1400 bis 1455), welcher als erster unmittelbar um eine Umsetzung der monumentalen Einfachheit Donatellos in Malerei bemüht war. Beeindruckend, wie alle Werke dieses Meisters, auch die hier gezeigte „Madonna mit Kind und den heiligen Dominikus und Petrus Martyr“.

Beachtlich auch eine „Madonna mit Kind“ Paolo Uccellos (1397-1475), eines engen Freundes Donatellos. Ebenfalls vertreten sind Giorgio Schavone (1433/36-1504) und Masaccio (1401-1428). Fazit: wohl der interessanteste Raum des Bode-Museums, eine einzigartige Zusammenstellung, die jeder Kunstfreund einmal gesehen haben sollte.

Das Bode-Museum befindet sich Am Kupfergraben in 10117 Berlin und ist über die Monbijou-Brücke zu erreichen. Es hat von Dienstag bis Sonntag von 10-18 bzw. am Donnerstag bis 20 Uhr geöffnet, der Montag ist Schließtag. Das Ticket kostet regulär 12,-, ermäßigt 6,- Euro.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/bode-museum/sammeln-forschen/highlights-der-sammlungen.html
https://www.smb.museum/nachrichten/detail/symposium-donatello-und-das-verschwundene-museum.html
https://blog.smb.museum/afrika-im-bode-museum-kunst-und-vorurteil/

Donatello im Bode-Museum https://art-depesche.de/images/Madonna_Pazzi.jpg Ruedi Strese