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August Gaul „Löwin“ (Bronze, 1899, Kunstmuseum Bern, Leihgabe der Zwillenberg-Stiftung)

Berlin - Der steinerne „Ruhende Löwe“ des Tierbildhauers August Gaul (hier ließe sich trefflich kalauern) ist seit kurzem im Foyer der James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel zu betrachten, und bei dieser Gelegenheit fiel auch auf seinen Schöpfer wieder etwas mediale Aufmerksamkeit. Das Käthe-Kollwitz-Museum nimmt nun den 150. Geburtstag des Künstlers zum Anlaß für eine bis zum 26. Januar 2020 angesetzte Sonderausstellung, welche sich ausschließlich aus einer vormals in Berlin beheimateten Privatsammlung speist.

August Gaul (1869–1921) war Meisterschüler Reinhold Begas’ gewesen und hatte seine Wurzeln in einem dramatisch-gewaltigen neobarocken Historismus; zwei der vier ursprünglich für Begas’ Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal vor dem Stadtschloß geschaffenen Löwen, die sich nun vor dem Raubtierhaus des Tierparks Friedrichsfelde befinden, stammen von ihm.

Bald jedoch wandte er sich ruhigeren, klareren Formen zu und wurde somit einer der Väter der bildhauerischen Moderne in Deutschland, auch fand er sich neben Persönlichkeiten wie Walter Leistikow und Max Liebermann 1898 unter den Gründungsmitgliedern der Berliner Secession. Zum persönlichen Umfeld Gauls gehörten die Maler Benno Berneis und Heinrich Zille, der Schriftsteller Gerhart Hauptmann sowie die Bildhauer Bernhard Heising und Ernst Barlach. Gut befreundet war er auch mit Käthe Kollwitz sowie dem Galeristen Paul Cassirer, welcher ihn wie Kollwitz vertrat.

Die bedeutendsten Sammler seiner Zeit, wie Rudolf Mosse, Oscar Schmitz, Eduard Arnhold, Franz Oppenheim, Alber Ballin oder Leo Lewin besaßen Werke Gauls. Der Kunsterzieher und -historiker Alfred Lichtwark erwarb zudem mehrere Skulpturen für die Hamburger Kunsthalle.

Die nun im Kuppelsaal des Käthe-Kollwitz-Museums gezeigten knapp 40 Arbeiten stammen samt und sonders aus der Sammlung von Dr. Hugo Zwillenberg, seinerzeit Justiziar des Kaufhauskonzerns Hermann Tietz, welcher den Anspruch eines repräsentativen Überblicks über das Gesamtwerk Gauls hatte. 291 Plastiken Gauls sind bekannt, die Sammlung Zwillenberg, welche von der Zwillenberg-Stiftung in Bern verwaltet und als Dauerleihgabe im Berner Kunstmuseum verwahrt wird, umfaßt 125 Arbeiten.

Der Hauptteil der Schöpfungen sind Bronzen, viele sind mit interessanten kleinen Geschichten verbunden, welche dem Betrachter bei der Einordnung in den Kontext helfen. Oft handelt es sich um Vorstudien zu oder Nachauflagen von bedeutenden Auftragswerken. Reproduktionen von Fotos zeigen den ursprünglichen Zusammenhang.

Das früheste Werk sind zwei Ziegen von 1898, geschaffen während Gauls Italienaufenthaltes, der in seiner Lebensgeschichte das entscheidende Ereignis war, welches ihn vom Monumentalismus zu seinem eigenen, leichteren Stil führte. Gezeigt wurde die Gruppe bereits 1900 auf der Pariser Weltausstellung, mehrere Museen kauften sie schon zu Gauls Lebzeiten. Zur großen „Löwin“ von 1900 gibt es eine Studie aus dem Vorjahr.

Zwei Rehe von 1918 waren zuerst für das Walter-Leistikow-Denkmal im Grunewald geschaffen worden, und ein Fischotter mit Fisch von 1902 fand sich in einer späteren Fassung auf einem Brunnen vor der Villa Max Liebermanns am Wannsee. Von den Bärenkindern des Wertheim-Brunnens findet sich ein späterer Nachguß. Für einen Brunnen der Stadt Münster entwarf Gaul Seelöwen; dieser Entwurf wurde zwar abgelehnt, doch gab es nach dem Tod des Künstlers eine Auflage in Meißener Porzellan; auch diese ist Teil der Werkschau.

Insgesamt eine durchaus lohnende Ausstellung, welche einen guten Überblick über das Werk eines bedeutenden Plastikers der frühen deutschen Moderne gibt. Das Käthe-Kollwitz-Museum befindet sich in der Fasanenstraße 24 in 10719 Berlin-Charlottenburg, geöffnet ist es täglich von 11-18 Uhr (Schließtage sind lediglich Heiligabend und Silvester), der Eintritt kostet regulär 7,- und ermäßigt 4,- Euro, unter 18jährige bezahlen nichts.

 

Verweise:

https://www.kaethe-kollwitz.de/aktuelles/august-gaul-zum-150-geburtstag/
http://www.artnet.de/künstler/august-gaul/
https://www.smb.museum/nachrichten/detail/august-gauls-liegender-loewe-aus-der-sammlung-rudolf-mosse-kuenftig-in-der-james-simon-galerie.html

Gedenkausstellung für August Gaul im Käthe-Kollwitz-Museum https://art-depesche.de/images/4DE87602-D22E-4F50-8C6D-35CB56F33CDB.jpg Ruedi Strese