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„Architectura navalis - Schwimmender Barock“ (Ausstellungsansicht)

Berlin - Noch bis zum 13. Oktober ist im Deutschen Technikmuseum eine Ausstellung zu betrachten, welche ein für die Art-Depesche recht ungewöhnliches Thema behandelt, nämlich die kunstvolle architektonische Gestaltung repräsentativer Schiffe zur Zeit des Barock und Rokoko. Anhand von Modellen, Architekturfragmenten und Zeichnungen wird die Nähe zu herrschaftlicher Gebäudearchitektur aufgezeigt. Weit über die funktionale Lösungen hinaus gab es einen bedeutenden künstlerischen Anspruch.

„Architectura navalis - Schwimmender Barock“ lautet entsprechend der Titel der auf einer Fläche von 250m² präsentierten Schau. Begrüßt wird der Besucher passenderweise durch barocke Klänge, und eine kurze Einleitung, bevor es zur Sache selbst geht.

So wird zunächst anhand von fotografierten Modellen die Entwicklung vom noch wenig gestalteten schwimmenden Untersatz über verschiedene Stufen der Erweiterung durch Kastelle bis zum Beginn der als architektonisch bezeichneten Stilperiode, welche um 1530 mit der spanischen Galeone begann und mit der barocken Schiffsbaukunst im absolutistischen Frankreich ab 1620 ihren Höhepunkt fand, nachvollziehbar gemacht. Das Schiffsheck war dabei Schwerpunkt der repräsentativen Gestaltung.

„Es scheint mir angebracht, die Größe des Königs und seine Macht den entlegensten Ländern nicht nur durch die Anzahl und Stärke seiner Schiffe, sondern ebenfalls durch die Schönheit ihrer Ornamente zu vermitteln.“ Dies schrieb 1669 Jean-Baptiste Colbert, seines Zeichens Begründer des Merkantilismus und der französischen Kolonialpolitik sowie Finanzminister unter dem Sonnenkönig Ludwig XIV.

Zu diesem Zweck wurden professionelle Maler und Architekten für den Schiffsbau verpflichtet, darunter der königliche Hofmaler Charles le Brun, welcher bereits die künstlerische Ausgestaltung des Schlosses von Versailles geleitet hatte. Schließlich gab es sogar ein eigenes Amt, den „Dessinateur de Vaisseaux du Roi“, „Gestalter der königlichen Schiffe“. Erster Inhaber dieses Amtes war Jean Bérain (1640-1711), sein Nachfolger François Antoine Vassé (1681-1736). Von diesen beiden sind mehrere Zeichnungen in Reproduktionen zu sehen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die detailreiche Erklärung des Ursprungs des für das spätere Rokoko namensgebende und typische Ornamentmotiv der Rocaille, welches ohne die Arbeit der Schiffsarchitekten undenkbar gewesen wäre.

Daß die gezeigten Arbeiten fast durchweg Reproduktionen sind, kann als Mangel betrachtet werden, aber natürlich ist das Deutsche Technikmuseum kein Kunstmuseum, und das, was uns hier geboten wird, keine wirkliche Kunstausstellung, sondern ein kleiner, aber hübsch gestalteter kunsthistorischer Ausflug, der sich im Rahmen eines Besuchs des sonst sehr gut bestückten Museums durchaus lohnt.

Das Deutsche Technikmuseum befindet sich in der Trebbiner Straße 9 in 10963 Berlin-Kreuzberg. Es hat von Dienstag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet, an Sonnabenden, Sonntagen und Feiertagen von 10.00 bis 18.00 Uhr. Der Eintritt kostet normal 8,-, ermäßigt 4,- Euro. Kinder unter 6 Jahren haben freien Eintritt, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre bzw. bis zum Abschluß der Schulausbildung haben ab 15.00 Uhr freien Eintritt.

 

Verweise:

https://sdtb.de/technikmuseum/ausstellungen/architectura-navalis/
https://data.bnf.fr/fr/14957820/francois_antoine_vasse/

Schiffsarchitektur des Barock - Sonderausstellung im Deutschen Technikmuseum https://art-depesche.de/images/IMG_0272.jpg Ruedi Strese