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Stephen Yau „The private cars and the red wall“ (Aquarell auf Papier, 2000, 56 x 76 cm)

Bremen - Ein äußerst vielseitiger Künstler, auf welchen wir in den Weiten des Netzes aufmerksam wurden, ist der aus Hongkong stammende, doch in Kanada wohnhafte Stephen Yau. Von zarten Aquarellen chinesischer Prägung bis zu von leuchtenden Farben geprägten, formreduzierten Acrylbildern geht sein Schaffen. Besonders beeindruckt hat uns jedoch eine Serie, welche sich mit Birkenwäldern beschäftigt, und wir fanden diese einen guten Grund, Stephen Yau einige Fragen zu senden. Wir freuen uns, unserer Leserschaft hier seine Antworten präsentieren zu können. Heute der erste Teil, der zweite folgt in Bälde.

ART DEPESCHE: Zuerst bitten wir Sie um einige biographische Informationen, insbesondere über Ihre künstlerische Ausbildung!

STEPHEN YAU: Erlauben Sie mir, hierzu einfach meine offizielle Biographie zu zitieren: „Stephen Yau wurde in Hongkong geboren, wo er in Grafikdesign und Aquarellmalerei ausgebildet wurde, bevor er 1994 nach Kanada auswanderte. Seit 1979 hatte er über 37 Einzelausstellungen in Hongkong, Taiwan, Malaysia, Singapur und Kanada, und über 200 Gruppenausstellungen in verschiedenen Ländern. Seine Bilder haben ihm zahlreiche internationale Auszeichnungen eingebracht. Neben seiner Tätigkeit als bildender Künstler ist Stephen Yau auch ein Autor und Lehrer, der Tausende von Künstlern in Asien und Kanada beeinflußt hat. Derzeit wohnt Stephen in Toronto, wo er private Kunststunden erteilt und seine Kunst an die internationale Front abliefert.

Stephen ist auch der Ehrenvorsitzende der Dynasty Watercolour Association in Toronto und der Art to Fly in Hongkong. Er ist außerdem Mitglied der Canadian Society of Painters in Water Colour (CSPWC) und vormaliger Präsident der Hong Kong Modern Art Society of Watercolors (1991-93). Stephens Arbeiten sind international anerkannt und werden von privaten und öffentlichen Institutionen weltweit eifrig gesammelt.“

ART DEPESCHE: Was hat Sie nach Kanada geführt?

STEPHEN YAU: Als Künstler möchte ich im Leben verschiedene Erfahrungen machen, welche mich oft mit neuen Inspirationen für meine künstlerische Arbeit versorgen. Das Ausmaß der Schönheit der Natur Kanadas und seine klar unterscheidbaren vier Jahreszeiten machen es zu einem idealen Ort für meine Kunsterkundung. Ich kann mich hier eines angenehmen Lebens erfreuen, während ich meinen Lebensunterhalt als Künstler an einem zunehmend reifen Kunstmarkt verdiene.

ART DEPESCHE: Da wir vermuten, Sie haben einen Einblick darin: was sind die Hauptunterschiede in der Kunstausbildung und der Kunstszene zwischen Kanada und Hongkong?

STEPHEN YAU: Hongkong ist eine Metropole, in welcher die meisten Menschen auf Kunstausbildung keinen großen Wert legen. Deshalb ist es nicht leicht, ein vollberuflicher Künstler zu sein. Normalerweise hat ein Künstler eine andere Vollzeitstelle, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, und er kann nur seine Freizeit zum Malen nutzen. In Kanada ist die Situation hingegen viel besser, und es gibt weit mehr Vollzeitkünstler. Die Kunstausbildung an der Schule legt weit mehr Wert auf bildende Künste, es wird den Schülern beigebracht, Kunst zu schätzen und Künstler zu achten. Kunstwerke werden so zu ihrer geistigen Nahrung, Schmuck des Heimes und Sammlerstücke, wenn sie erwachsen werden.

ART DEPESCHE: Ihre Arbeit unterteilt sich in Acrylarbeiten und Aquarelle. Ein paar Gedanken zu diesen Medien, bitte!

STEPHEN YAU: Das Aquarell ist mein bevorzugtes Medium, auf welches ich spezialisiert bin. Es hat eine besondere Literati-Qualität [„Literati“ bezeichnet die expressive südliche Schule der chinesischen Tuschemalerei - Anm. d. Red.], lebendig und fließend. Aquarellfarbe ist durchscheinend und leuchtend. Im Gegensatz dazu hat Acryl eine ähnliche Textur und Dicke wir Ölfarbe. Es läßt sich damit gleichfalls ein Effekt vieler Schichten erzielen. Auf dem Kunstmarkt ist Acryl beliebter als Wasserfarbe. Die Techniken und Gefühle beim Nutzen dieser beiden Medien der Malerei sind recht verschieden, doch sie erfüllen meine schöpferischen Bedürfnisse, den Denkprozeß und die Emotionen beim Malen.

 

Von Stephen Yau auf Chinesisch beantwortet. Übersetzung aus dem Chinesischen ins Englische von Travena Law. Aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Ruedi Strese. Fortsetzung folgt.

 

Verweise:

http://www.stephenyau.com/
https://cspwc.ca/
https://www.comuseum.com/painting/schools/literati-painting/

Die Gnade der Kunst - Stephen Yau im Interview, Teil 1 https://art-depesche.de/images/The_private_cars_and_the_red_wall.jpg Ruedi Strese