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Alexej Golovchenko „Guten Morgen“ (Öl auf Leinwand, 2016)

Bremen - Die aktuelle Ausstellung in der Berliner Galerie Ars Pro Dono zeigt Arbeiten des russischen Landschaftsmalers Alexej Golovchenko. Eine außergewöhnliche Liebe zur Natur spricht aus dessen Kunst. Wir hatten einige Fragen an ihn und freuen uns, unseren Lesern hier einen Einblick in die Welt dieses Künstlers geben zu können.

ART DEPESCHE: Herr Golovchenko, erlauben Sie mir, zuerst nach Ihrer Ausbildung als Maler zu fragen ... wo haben Sie gelernt, und was ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

GOLOVCHENKO: In meiner Kindheit erhielt ich eine spezielle Ausbildung. Meine Mutter, Natalya Vladimirovna Golovchenko, brachte mich - einen siebenjährigen Jungen - zur Kunstschule für Kinder, wo ich die Grundlagen des Zeichnens lernte. Dort wurden Grundkenntnisse auf sehr professionellem Niveau vermittelt. Vor allem aber erinnere ich mich an die sommerlichen Ausflüge für die Freilichtmalerei. Wir trafen uns früh am Morgen, und die ganze Klasse ging zum Fluß oder auf die Felder. Unser Lehrer war mit dabei, er hat auch gezeichnet und uns damit ein Beispiel gegeben, aber er hat uns nie eingleisige Themengegeben - das hat mir gefallen. Wir konnten zeichnen, was wir wollten, Büsche skizzieren, mit Pastell- oder Wasserfarben malen. Wir arbeiteten auf der Lichtung verstreut und danach zeigten wir gleich im Gras oder an Baumstämme gelehntunsere Zeichnungen, als eine Art Vernissage, bei welcher der Lehrer Verbesserungsvorschläge machte, wo irgendwelche Mängel bestanden, oder umgekehrt diejenigen lobte, denen es gelungen war, etwas einzufangen und durch Farbe oder Linienspiel zu übermitteln. Es sollte angemerkt werden, daß wir einen sehr guten Lehrer hatten, der uns durch sein eigenes Beispiel eine Liebe zur Kunst einflößte. Nach der sommerlichen Freilichtmalerei wurden alle Arbeiten durchgesehen und die Ergebnisse bewertet. Doch mir blieb der Prozeß der Arbeit in der Natur in Erinnerung, für mich begannen dort Kreativität und ein Gefühl einer gewissen Freiheit, die schwer zu spüren ist, wenn man im Saal sitzt und an inszenierten Kompositionen arbeitet. Und jene Durchsichten unserer Arbeiten damals sind mir als kleine Ausstellungen in Erinnerungen geblieben - wahrscheinlich die ersten echten in meinem Leben …

Nach meinem Abschluß an der Kunstschule für Kinder und einem Schulabschluß entschloß ich mich, mein Leben der Kunst zu widmen, und trat in die Staatliche Pädagogische Universität Penza ein, benannt nach Wissarion G. Belinski, mit dem Schwerpunkt „Bildende Kunst“. Während meines Studiums fuhr ich fort, rauszugehen und zu malen. So arbeitete ich zu meinem eigenen Vergnügen, malte einfach, weil ich wollte. In der Ausbildung lag der Schwerpunkt auf der Staffelei-Komposition und der klassischen Schule. Zugegebenermaßen reichte mir das nicht, mich zog es zur Freilichtmalerei. Am Ende des Schuljahres fand es endlich doch statt - wir gingen zum Malen in die Wälder und Wiesen, aber bereits gründlicher vorbereitet. Viele hatten bereits Skizzenbücher und malten Skizzen in Öl. Für mich war es wie ein Festtag, ich arbeitete mit großer Freude und sehr produktiv. Die Ergebnisse dieser Skizzen wurden durchgesehen und bewertet, und nebenbei sammelte ich so eine ganze Reihe von guten eigenen Arbeiten für eine kleine Ausstellung. Die erste auf meinemSchaffensweg.

ART DEPESCHE: Woher kam der Wunsch, Maler zu werden?

GOLOVCHENKO: Ich wurde in Zentralrußland (Wolga-Region), Penza-Region, Serdobsk geboren.

Wir haben eine sehr schöne Natur, alle Jahreszeiten zeigen sich sehr kontrastreich. Winter mit flauschigem Schnee, daß man Schlitten fahren und Schlösser aus Schnee bauen oder Schlittschuh laufen kann. Genauso hat man unendliche Ideen in Erwartung der Wärme nach der Kälte, des Frühlings in all seinen Erscheinungsformen vom Eisbrechen auf dem Fluß bis zu den Frühlingsfluten, den Spielen auf den Feldern und auf den Hügeln in der ersten Wärme. Das Anzünden der Feuer, die Mühen im Gemüsegarten, das Brot säen, Setzlinge pflanzen, das Land pflügen. Im Sommer gibt es überhaupt solch eine Vielfalt, die man gar nicht aufzählen kann. Aber diese einfache Schönheit ist ohne Schnörkel – anders als beispielsweise in den südlichen Regionen des Landes, wo ich später auch weilte. Ich mochte auch unseren Herbst schon immer, denn nach der Hitze und dem schwülen Sommer ist es angenehm, die Kühle zu spüren, Pilze zu sammeln und im farbenprächtigen Herbstwald umherzustreifen, der sich so dramatisch verändert, daß man manchmal nicht einmal die vertrauten Orte erkennt. Für viele kommt die Liebe zu solcher Schönheit mit dem Alter oder wird in der Schule oder an Universitäten, beim Lesen von Büchern usw. vermittelt. Ich habe sie schon als Kind geliebt, und wahrscheinlich wollte ich deshalb lernen, wie man sie wahrheitsgetreu und ohne unnötige Zusätze wiedergibt, damit der Winter wie der Winter aussieht und der Sommer so strahlend ist, daß man sich an die Hitze im Juli erinnert.

ART DEPESCHE: Gibt es Künstler, die Ihr Schaffen besonders geprägt haben?

GOLOVCHENKO: Es gibt viele von ihnen, ohne Zweifel ist dies das Werk von Ilja Jefimowitsch Repin (Repin), Isaak Iljitsch Lewitan und Konstantin Alexejewitsch Korowin.

ART DEPESCHE: Ihr Lieblingsthema ist unbestreitbar die Natur ... woher diese besondere Liebe?

GOLOVCHENKO: Aus der Kindheit und der Kinderkunstschule. Außerdem sollte ich wahrscheinlich auch meine Eltern erwähnen, die oft aus der Stadt rausgefahren sind. Und meinen Großvater - er angelte gern und manchmal nahm er mich noch vor der Morgendämmerung mit, wo wir auf dem Chopjor-Fluß fischten, die Morgendämmerung begrüßten. Und manchmal blieben wir auch über Nacht - dann konnte man den Sonnenuntergang genießen, die Sterne zählen, während man im Gras am Feuer lag ...

ART DEPESCHE: Sie bevorzugen in der Regel die kleinen Landschaftsausschnitte statt der großen Ansichten ...

GOLOVCHENKO: Das kann man einfach erklären: Meistens arbeite ich in der Natur, weit weg von Menschen, fahre irgendwohin und streife umher - auf der Suche nach einem interessanteren Ort. Natürlich ist es bequemer, wenn ich nicht mit großen Taschen belastet bin. Ich habe bereits eine Box für Leinwände, die für solche Reisen geeignet und bequem ist. Aber selbst wenn der Ort bekannt ist und es nicht schwierig ist, dorthin zu gelangen - das große Format erfordert auch eine lange Arbeit daran. Und ich arbeite meistens aus der Natur, an Skizzen, und die Natur ändert sich so schnell! Es kann nicht einmal fünf Minuten dauern, und die Wolken haben bereits ihre Form und Farbe geändert ... Bei Tagesanbruch oder Sonnenuntergang sinkt die Zeit auf Momente, die für das Auge kaum wahrnehmbar sind. Hier muß man bereits die nächste Farbbewegung in die eine oder andere Richtung vorausahnen - und der Sonnenaufgang kommt gleichzeitig mit der Geburt eines neuen Bildes!

Solche Arbeiten sind für mich am wertvollsten.

Die Fortsetzung folgt in den nächsten Tagen.

 

kleine Anmerkung:

Die korrekte deutsche Umschrift des Namens unseres Künstlers wäre Alexej Wladimirowitsch Golowtschenko. Wir haben uns jedoch aus pragmatischen Gründen für die Schreibweise entschieden, welche die ihn in Deutschland vertretende Galerie Ars Pro Dono verwendet.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/668-der-zauber-des-augenblicks-alexey-golovchenko-in-berlin.html
https://www.arsprodono.de/?language=de&cPath=77_117&cat=c117_Alexej-Golovchenko-alexej-golovchenko.html
http://www.picture-russia.com/en/painter/2026
https://artnow.ru/en/artist-Golovchenko-Alexey-artworks-3-14898.html

Kunst und Natur: Alexej Golovchenko im Interview, Teil 1 https://art-depesche.de/images/Guten_Morgen.jpeg Ruedi Strese