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Alexej Golovchenko „Das kann nicht sein“ (Öl auf Leinwand, 2020)

Bremen - Die Arbeiten des russischen Natur- und Landschaftsmaler Alexej Golovchenko (korrekte deutsche Umschrift eigentlich: Alexej Wladimirowitsch Golowtschenko) haben es uns besonders angetan. Glücklicherweise konnten wir ihn für ein kleines Interview gewinnen. 

Hier geht es zum ersten Teil: art-depesche.de/interview/674-kunst-und-natur-alexej-golovchenko-im-interview,-teil-1.html

ART DEPESCHE: Tiere malen Sie ebenfalls gerne. Menschen kommen in Ihren Bildern hingegen kaum vor, zumindest nicht als erkennbare Individuen ...

GOLOVCHENKO: Ja, ich male wirklich nicht gerne Porträts, obwohl auch sie ab und an in meiner Arbeit vorkommen. Ich male sie, wenn ich es möchte - nie auf Bestellung! Hier gibt es eine Tendenz - wir sehen uns alle ein bißchen schöner und wollen so oder so sein. Beim Porträtieren muß man sich also entweder verstellen und beschönigen oder so arbeiten, wie es die Wirklichkeit zeigt ... Die Natur ist ehrlicher und reiner. Obwohl - am ehrlichsten und reinsten in ihren Emotionen sind unsere Kinder!

ART DEPESCHE: Wären Pilze auch ein malenswerter Gegenstand für Sie?

GOLOVCHENKO: Waren sie schon! Ich malte und male sehr viele Pilze. Bei uns wächst eine große Vielfalt von ihnen, vom Steinpilz bis zum leuchtend roten Fliegenpilz. Vielleicht kann ichschon in der nächsten Ausstellung dem Betrachter eine Vielzahl dieser Arbeiten und Studien präsentieren.

ART DEPESCHE: Sie sind ein sehr produktiver Künstler, eine russische Internetseite verzeichnet über 2.000 Ihrer Bilder. Wie haben wir uns die Entstehung eines Gemäldes von Alexej Golovchenko vorzustellen?

GOLOVCHENKO: Diejenigen, die auf der Website vorgestellt werden, sind die, welche ich ausführen möchte. In Wirklichkeit gibt es viel mehr. Es gibt sehr kleine, die ich wie Skizzen in ein Reisealbum male, und die ich später bei der Arbeit an Gemälden benutze. Ich sehe keinen Grund, sie zu verkaufen und bewahre sie in einer Kiste in meiner Werkstatt auf. Andere verkaufe ich einfach nicht, ich behalte sie - um wiederum Bilder nach ihnen zu malen und veröffentliche sie nicht, damit ich nicht vergleichen muß, was besser ist – das Gemälde oder die Studie. Daher kann ich Ihnen versichern, dass 2000 nicht viel ist!

Bei uns ist sehr schön – daher möchte man auch immer malen. Manchmal bringe ich nach einem fruchtbaren Tag mehr als fünf Studien nach Hause. Natürlich kann man nicht alle als vollständige Werke betrachten, manchmal kann mit frischer Erinnerung auch noch etwas nachgebessert werden. Aber es ist fast unmöglich, etwas ganz genau zu wiederholen - so wie es keinen identischen Sonnenaufgang gibt, können Bilder, die nach der Natur gemalt wurden, beim erneuten Malen nicht ganz gleich sein. Und manchmal geht auch etwas verloren, wenn man im stillen Atelier ein Gewitter malt, oder es kommt im Gegenteil noch etwas Atmosphärisches hinzu, wenn man versucht, die Leinwand noch vor den ersten Regentropfen fertigzubekommen!

ART DEPESCHE: In neueren Gemälden nutzen Sie zum einen hellere, kräftigere Farben (z. B. in „Planet der Kamillen“), zum anderen ist Ihr Farbauftrag bisweilen feiner und weniger pastos (z. B. „Strolch“ und „Lang erwartet“) . Wie kam es zu dieser Entwicklung?

GOLOVCHENKO: Manchmal ist es in unserer Seele leicht und freudig - wie in der Kindheit - und wir wollen schaffen! Warum also zurückhalten? So kommt es auch zustande: Man arbeitet und die Farben folgen der Stimmung, und dann sind da sogar noch Wiesenblumen vor einem! Wissen Sie, ich denke, die Bilder sind auch unsere Porträts, Porträts derer, die sie malen ...

Die Bilder, die Sie erwähnt haben, „Strolch“ oder „Lang erwartet“, sind philosophischer, sie geben Zeit zum Nachdenken: wie oft blüht ein Kaktus? Wieviel kostet es, auf dieses Wunder zu warten? Der Strolch hat schon alles geschafft - den Fisch stibitzt und von der sauren Sahne gekostet - es besteht also kein Grund zur Eile, weder für ihn noch für den Autor. Male einfach ...

ART DEPESCHE: Haben Sie bereits Schüler? Wenn ja, was ist typisch für Ihren Unterricht?

GOLOVCHENKO: GOLOVCHENKO: Es gibt keine Schüler. Für mich war es immer interessanter, schöpferisch zu arbeiten und mich zu entwickeln. Wohl deshalb bin ich nicht meiner eigentlichen pädagogischen Fachrichtung gefolgt, sondern fing an, mich auf schöpferischem Wege zu suchen. Und ich denke, ich selbst muß noch so viel von der Natur lernen, denn sie schafft wirklich wundervolle und einzigartige Bilder!

Vielleicht werden wir mal in Zukunft in großer Gesellschaft losziehen und Studien machen. Und darunter werden auch diejenigen sein, die etwas lernen wollen.

ART DEPESCHE: Welche russischen Gegenwartskünstler schätzen Sie besonders?

GOLOVCHENKO: Ich denke, ein Mensch, der durch das Leben gegangen ist, ohne sich selbst und seinen Weg zu verlieren, verdient bereits Respekt, weil es einfacher ist, etwas Leichteres zu tun. Ich denke, von denen, die ich persönlich kenne, ist es der bereits 1929 geborene Maler Anatoli Petrowitsch Afanasjew. Er malt und schreibt Gedichte bis zum heutigen Tag. Er inspiriert junge Menschen und ist mir ein Vorbild.

ART DEPESCHE: Gibt es bereits Kataloge Ihrer Werke, oder ist dergleichen vorgesehen?

GOLOVCHENKO: Ein vollständiger großer Katalog wurde noch nicht veröffentlicht. Es gibt viele Veröffentlichungen der letzten Jahre, in denen meine Werke abgedruckt wurden. Es gab auch kleine Kataloge für Ausstellungen. Ein großes Album ist eine große Aufgabe, die ich in naher Zukunft beginnen möchte.

ART DEPESCHE: Herr Golovchenko, wir danken für die Beantwortung unserer Fragen. Haben Sie noch abschließende Worte an unsere Leser?

GOLOVCHENKO: Kunst sollte Gutes transportieren. Es wäre schön, wenn meine Bilder Freude brächten, und die Menschen in Deutschland die Natur meiner kleinen Heimatsehen könnten, so wie ich sie sehe!

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/668-der-zauber-des-augenblicks-alexey-golovchenko-in-berlin.html
https://www.arsprodono.de/?language=de&cPath=77_117&cat=c117_Alexej-Golovchenko-alexej-golovchenko.html
http://www.picture-russia.com/en/painter/2026
https://artnow.ru/en/artist-Golovchenko-Alexey-artworks-3-14898.html

Kunst und Natur: Alexej Golovchenko im Interview, Teil 2 https://art-depesche.de/images/Alexej_Golovchenko_Das_kann_nicht_sein_4050_Oel_LW2020.jpg Ruedi Strese