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Jose Vicente Barrachina Sanchis „Tu imagen serena“ (2018, 150 cm x 150 cm)

Die Lichtmalerei ist nicht tot. Einige Male hat die ART DEPESCHE bereits Künstler der Gegenwart vorgestellt, welche in ihrem Werk, anknüpfend an Traditionen aus dem 19. Jahrhundert und doch auf ganz eigene Weise, sonnendurchflutete Landschaften festhalten, darunter Brunhild Schwertner aus Schweinfurt, Alexej Golovchenko aus Rußland, die Niederländer Margreet Boonstra und Edwin Grissen oder den Norweger Tore Hogstvedt. Auch in Spanien wird weiterhin Licht auf die Leinwand gebannt, und zwar von dem wunderbaren Jose Vicente Barrachina Sanchis. Lesen Sie hier den ersten Teil unseres Interviews ...

ART DEPESCHE: Als Kind bereits hat es Sie zur Malerei gezogen ... was war dafür ausschlaggebend?

BARRACHINA: Schon früh erregte die Begegnung mit bestimmten Veröffentlichungen, die künstlerische Werke abbildeten, meine Aufmerksamkeit, und später konnte ich sie in den verschiedenen Museen Valencias betrachten. Von grundlegender Bedeutung für meine Liebe zur Kunst war die Entschlossenheit eines bestimmten Verwandten, meines Onkels Rafael Ingresa, mich zu begleiten, als ich mit nur elf Jahren über fantastische Darbietungen nachdachte, die ichbegeistert bewunderte und die für immer in meinem Kopf blieben.

ART DEPESCHE: Berichten Sie uns über Ihr Studium an der Polytechnischen Universität in Valencia ... was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

BARRACHINA: Ich war neunzehn Jahre alt, als ich nach zweijähriger Vorbereitung und einer harten Auswahlprüfung, an der ich meine künstlerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen mußte, an die San Carlos School of Fine Arts in Valencia kam.

Meine Eltern konnten es sich nicht leisten, jemanden einzustellen, der die Aufgaben erledigte, die meine Aufgabe in der Bäckerei waren, und ich mußte während der fünf Jahre, die das Studium dauerte, sehr hart arbeiten. Ich stand um drei Uhr morgens auf, und fünf Stunden später, gegen acht Uhr, fuhr ich mit meinem kleinen Fahrzeug zur Schule, wo ich bis neun Uhr abends blieb.

Schlafen? Wenn ich könnte. Aufgrund meiner Jugend ertrug ich diese schweren Jahre jedoch mit Begeisterung, bis ich 1977 mein Studium beendete.

Kurz gesagt, Müdigkeit und Schlafmangel konnten alles, was mir Hoffnung gab, mein Leben der Kunst widmen zu können, nie schmälern. Ich habe den Unterricht kaum verpaßt, obwohl ich von Zeit zu Zeit in einem theoretischen Unterricht oder in einer Ecke des Klassenzimmers, in der ein bißchen Stille herrschte, eingeschlafen bin. Ich würde diese fabelhaften Jahre wiederholen.

ART DEPESCHE: Sie haben einen eigenen Stil der Lichtmalerei entwickelt, zumindest verwandt mit dem, was üblicherweise als „Impressionismus“ bezeichnet wird ... gab es künstlerische Vorbilder?

BARRACHINA: So ist es. Sehr früh durchdrang die Arbeit der französischen Impressionisten meinen Geist, und Licht und Farbe beeinflußten meine künstlerischen Kreationen stark. Manet, Degas, Monet, Pissarro u.a. hatten gleichsam Einfluß auf die impressionistische Schöpfung. Ich blickte gebannt auf die Bilder, die mir in die Augen kamen, und wünschte mir mit aller Kraft, ein Minimum des natürlichen Abdrucks zu haben, der diese großen Künstler dazu veranlaßte, solch wundervolle Werke zu schaffen. Ich war schockiert von dieser Entdeckung.

ART DEPESCHE: Würden Sie sagen, daß beim Reden über Künstler Begriffe wie eben z.B. „Impressionismus“ allgemein eher hilfreich sind, da sie eine ungefähre Vorstellung vermitteln können, oder nutzlos, vielleicht gar schädlich, da sie die Individualität des Künstlers unterschlagen?

BARRACHINA: Absolut hilfreich. Letztendlich geht es darum, die Arbeit eines Künstlers einer bestimmten Strömung zuzuordnen, ungeachtet der Tatsache, ob der Künstler im Vergleich mit anderen Künstlern der gleichen Strömung besser oder schlechter ist. Auf mich persönlich hatte die Tatsache, daß meine Arbeit mit den Impressionisten verglichen wurde, im Gegenteil nie einen negativen Einfluß. Meine Berufung war der Impressionismus, und ich habe zu keinem Zeitpunkt meine Überzeugungen in Bezug auf die Malerei aufgegeben. Die Zeit versetzt jeden an seinen Platz, und von diesem Moment an muß es der Künstler selbst sein, der beim Schaffen sein Zeichen setzt.

ART DEPESCHE: Sie sind ein Maler der Natur ... Küstenlandschaften, Flüsse und Felder sind die bevorzugten Motive. Malen Sie direkt unter freiem Himmel, und welche Gegenden sind das, die Sie in Ihren Bildern festhalten?

BARRACHINA: Ich genieße meine Landschaftskreationen. Die Landschaft gibt mir den notwendigen Anreiz, aus der Form zu erschaffen, und das Licht erhält die notwendige Festigkeit, um die Lichteffekte zu übertragen, die die Sinne von mir verlangen. Die Freiheit kennt in Form und Farbe keine kreativen Grenzen, und die Landschaft bietet mir die notwendigen Elemente für mein Schaffen.

Ich mag es, mich in Ecken zu verlieren, die mit Grün, Rot, Ocker ... Blau gefüllt sind, wo das Wasser durch bestimmte Räume wandert und auf meine eigene Weise alles einzufangen, was mir die Natur bietet.

Notizen sind wichtige Elemente bei der Suche nach einem Eindruck zu einem bestimmten Zeitpunkt. Vergessen wir nicht die Verfügbarkeit mechanischer Ressourcen wie der Fotografie, um bestimmte Bilder festzuhalten. Der Impressionismus benutzte sie von Anfang an zur Erschaffung seiner Gemälde.

Andererseits arbeite ich gerne an der menschlichen Figur und fange Situationen ein, in denen der Blickwinkel der Körper sowie die Geschichte, die sich auf der Leinwand abspielt, im Laufe der Zeit originelle und aktive Situationen annehmen. Ich mag die statische Figur nicht. Bewegung ist grundlegend beim Schaffen meiner Charaktere.

ART DEPESCHE: Ihre Landschaften sind stets lichtvoll. Könnten Sie sich vorstellen, auch dunkle Teile der Natur festzuhalten, etwa ein Gewitter, das Innere eines dichten Waldes oder eine Felsenhöhle?

BARRACHINA: Es gibt keine Regeln für die Interpretation einer Landschaft oder Naturgewalt, die einen daran hindern, sie neu zu erschaffen. Ohne Licht gibt es kein Bild, und es wird immer einen kleinen Lichtschimmer geben, der einen bei der Erreichung der Landschaft begleitet, die man einfangen möchte.

 

Verweise:

https://barrachinasanchis.com/
https://gellfineart.com/jose-vincente-barrachina-sanchis-information
https://www.singulart.com/de/künstler/jose-vicente-barrachina-sanchis-19189
https://www.facebook.com/bsanchis/
https://www.youtube.com/watch?v=CNW7K7Wvsnk

Die Farbe des Lichts - Jose Vicente Barrachina Sanchis im Interview, Teil 1 https://art-depesche.de/images/Tu_imagen_serena.jpg Ruedi Strese