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Julia Strittmatter „The vibrant colors of Zurich“ (Öl auf Leinwand, 2021, 40 cm x 50 cm)

Der Lichtmalerei der Gegenwart gilt ein besonderes Augenmerk unserer kleinen Kunstseite, und wenn wir die Gelegenheit haben, unseren Lesern einen Künstler vorzustellen, welcher in dieser Zeit die Tradition desImpressionismus aufnimmt, so ist es uns jedes Mal eine besondere Freude. Auch die russisch-amerikanische Künstlerin Julia Strittmatter hat die Liebe zu lichtdurchfluteter Pleinairmalerei entdeckt, und dabei ihren eigenen Stil gefunden. Schauen wir also, was sie uns zu ihrer Arbeit verraten möchte ...

ART DEPESCHE: Liebe Frau Strittmatter, zuerst würden wir gerne ein wenig über Ihre Biografie erfahren, insbesondere, wie Sie von Rußland in die USA gekommen sind, und über Ihre künstlerische Ausbildung.

STRITTMATTER: Ich bin in Rußland aufgewachsen, und ich habe mit dem Zeichnen und Malen in einem sehr frühen Alter begonnen, doch als die Zeit kam, über meine Berufswahl nachzudenken, beeinflußten meine Eltern, welche damals Professoren der Finanzen waren, meine Entscheidung dahingehend, eine Ausbildung in der Geschäftswelt zu suchen. Ich schrieb mich an der Wirtschaftsuniversität meiner Stadt ein und machte meinen Abschluß in Ökonomie.

Während ich noch studierte, begann ich, für eine kleine Bank zu arbeiten, doch bald bemerkte ich, daß ich größere Ambitionen hatte, als sie mein Job erfüllen konnte, so bewarb ich mich für ein MBA-Programm an der Washington-Universität in St. Louis und wurde angenommen. Ich zog in meinen Zwanzigern in die USA. Nachdem ich meinen Abschluß an der Washington-Universität gemacht hatte, arbeitete ich in den USA als strategische Analystin für eine Einzelhandelsfirma, und später für ein Solarenergieunternehmen.

Es gab eine Phase in meinem Leben, wo ich mit schweren chronischen Schmerzen zu kämpfen hatte, welche mich für eine sehr ausgedehnte Zeit von der Arbeit abhielten. Ich überlebte diese Erfahrung, da ich zeichnete und malte. Kunstwerke zu schaffen hielt mich mit dem Leben verbunden und führte zur Erkenntnis, daß ich eine Begabung hatte. So wurde die Idee, meine Karriere zu ändern, geboren. Ich schrieb mich für das Master-of-Fine-Arts-Studium an der „Academy of Art University“ in San Francisco ein, wo ich im Verlauf von drei Jahren die wichtigsten Klassen in Zeichnung und Malerei besuchte. Da ich bereits zwei Wirtschaftsabschlüsse hatte, entschied ich mich, mein Geld zu sparen, indem ich auf den MfA verzichtete. Ich habe also keinen offiziellen Kunstabschluß, aber studierte doch lang genug an dieser Schule, um sie als meine weitere Alma Mater zu bezeichnen.

ART DEPESCHE: Sie selbst bezeichnen Ihren Stil als Impressionismus, und Ihre jüngsten Arbeiten passen klar in diese Tradition. Es scheint mir, daß in den letzten Jahren mehr und mehr Künstler weltweit diesem Weg folgen. Was macht den Impressionismus etwa 150 Jahre nach seinem Auftauchen so lebendig?

STRITTMATTER: Ich denke, was wir Künstler anbieten, spiegelt wider, was Kunstliebhaber wünschen und suchen. Menschen lieben leuchtende Farben, Pointillismus, Halbabstraktion und Abstraktion, Veranstaltungen in der darstellenden Kunst. Es ist derzeit einfach angesagt.

Indes war die Kundenvorliebe nicht der einzige Grund, warum ich mich für den Impressionismus entschied. Während meiner Schuljahre erhielt ich oft die Einschätzung, ich würde die Farben zu sehr mischen, bevor ich sie auf die Leinwand auftrug. Ich versuchte, mich zu verbessern, aber mein Muster zu ändern war eine Herausforderung, so begann ich, die Werke der Impressionisten und Pointillisten zu studieren. Ich übte, indem ich den Pinselstrich anderer kopierte, bis ich verfeinerte Methoden des Auftragens der Farbe auf die Leinwand lernte und meinen eigenen Strich entwickelte. Nunmehr ist der impressionistische Stil Teil meiner Natur geworden.

ART DEPESCHE: In früheren Jahren haben Sie in verschiedenen Stilen gearbeitet, von Realismus bis Abstraktion ...

STRITTMATTER: Ja, erstens kann man nur lernen, was der eigene Stil ist und für welche Themen man eine Leidenschaft hegt, indem man verschiedene Dinge ausprobiert. Zweitens hilft der Stilwechsel, den Geist zu erfrischen und die schöpferische Flamme neu zu entfachen. Und drittens hilft das Üben von Zweitstilen, die Fertigkeiten im Hauptstil zu verbessern. Könnte ich keine harmonische Komposition, die sich aus Formen und Farben zusammensetzt, organisieren, wie sollte ich eine Komposition aus Gebäuden und Bäumen schaffen können?!

ART DEPESCHE: Und vor allem einige Bilder von 2017-19 scheinen den Arbeiten Edward Hoppers sehr nahe ...

STRITTMATTER: Sie haben Recht. Mein früher Stil erinnert viele Menschen an Hopper, und mir kam dies absolut anstrengungslos. Ich habe nie versucht, Hopper zu imitieren. Manche meiner Mentoren dachten, dieser meinige Stil sei ein Juwel, und schlugen vor, ich sollte mich üben, um noch mehr wie Hopper zu werden. Letztlich hat dieser Künstler mit seinem Stil noch zu Lebzeiten ein Vermögen gemacht und Anerkennung bekommen. Ich war hingegen gewillt, meinen eigenen Strich zu entwickeln, und wenn ich ein oder zwei Dinge von Hoppers Kunst lernte, etwa, wie er das Licht malte, war er in einem weiteren Sinne nur einer von vielen Malern, deren Werk ich studierte, und von denen ich nur einige Elemente imitierte.

ART DEPESCHE: Es scheint auch, Ihr Schwerpunkt habe sich in letzter Zeit von Stadtbildern und Menschen auf Landschaften und Blumen verlegt. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Motiv und Stil?

STRITTMATTER: Ich liebe Stadtbilder, ungeachtet meines Stils sind sie mein Lieblingsmotiv, allerdings muß ich mich manchmal erfrischen. Meine Motivwahl hängt von der Zeit, Energie und Größe der Leinwand, die ich habe, ab.

Einfache Landschaften, Blumen, Tiere und Stilleben sind auf einer kleinen Leinwand leichter zu malen als Stadtbilder und Panoramalandschaften. Es wäre beispielsweise schwierig, einen New York Times Square auf einer 12x16-Inch-Leinwand unterzubringen. Ich bevorzuge für Stadtbilder größere Oberflächen, die mehr Details erlauben.

Auch ist das Stadtbild das Thema, welches einer kolossalen Menge geistiger Energie und eines enormen intellektuellen Prozesses bedarf. Man plant und trifft Entscheidungen, wie man die Szene vereinfacht, wie man die Komposition arrangiert, ohne an topografischer Genauigkeit einzubüßen, welche Elemente bleiben und welche gehen sollten. Die Perspektive, die ganze Geometrie und Proportionen sollten tadellos genau sein, ansonsten werden die Betrachter den Mangel sofort entdecken. Dieser Prozeß ist auch zeitintensiv. Ich mag es nicht, unterbrochen zu werden, also lasse ich mich auf Stadtbild-Projekte nur ein, wenn ich genug Zeit habe, um mich darin zu vertiefen.

Das Schöne an einfachen Landschaften andererseits ist, daß sie einem mehr Spielraum geben, wie sie zu malen sind, und daß sie einem Fehler verzeihen. Es ist leichter, irgendwelche Fantasieelemente einzuarbeiten, etwa einen roten Himmel oder Fantasiekreaturen. Selbst wenn man die Proportionen eines Baumes vermasselt, ist es immer noch ein Baum. Und vor allem dauert es nicht allzu lange, sie zu malen.

Da ich kürzlich nach Deutschland gezogen bin, habe ich einen intensiven Deutschkurs besucht, der anderthalb Jahre ging. Ich hatte jeden Tag nur wenige Stunden für meine Malerei. Das ist der Grund, warum ich während dieser Zeit einfachere Motive und kleinere Leinwände wählte.

Fortsetzung folgt.

 

Verweise:

https://www.facebook.com/JuliaStrittmatterArt/
https://juliastrittmatter.com
https://artsartistsartwork.com/vendor/julia-strittmatter/
https://fineartamerica.com/profiles/julia-strittmatter

Leuchtende Farben – Julia Strittmatter im Interview, Teil 1 https://art-depesche.de/images/The_vibrant_colors_of_Zurich.jpg Ruedi Strese