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Julia Strittmatter „Someone else’s windows“ (Öl auf Leinwand, 2020, 60 cm x 60 cm)

Heute die Fortsetzung unseres Interviews mit der russisch-amerikanischen Freilichtmalerin Julia Strittmatter. Hier geht es zum ersten Teil: https://art-depesche.de/interview/825-leuchtende-farben-–-julia-strittmatter-im-interview,-teil-1.html

ART DEPESCHE: Ich würde sagen, die Sonne ist nun der Hauptprotagonist vieler Ihrer Gemälde ...

STRITTMATTER: Ich würde sagen, es ist das Licht. Licht, einschließlich des Sonnenlichts, ist der Hauptprotagonist meiner Kunstwerke. Ich mag es auch, nächtliche Szenen mit künstlichem Licht zu malen. Licht und Schatten faszinieren mich, und ich betone sie in meiner Arbeit.

ART DEPESCHE: Sie haben in Kalifornien studiert, welches, neben Boston, ein Zentrum des amerikanischen Impressionismus war, man denke an großartige Künstler wie Guy Rose, Edgar Payne oder William Wendt. Sind diese Maler eher vergessen oder immer noch Idole für amerikanische Freilichtmaler?

STRITTMATTER: Immer noch Idole, zu einem gewissen Grad. Wir haben an der Schule Einiges ihrer Kunst studiert. Alles mit Pleinair war an unserer Schule heilig, wir hatten einen Pleinair-Kult.

ART DEPESCHE: Haben Sie, auf der anderen Seite, noch Kontakte nach Rußland und zu seiner Kunstszene? Gibt es große Unterschiede zwischen Kunst und Künstlern in Rußland und den USA?

STRITTMATTER: Meine Eltern leben immer noch in Jekaterinburg, Rußland, und ich versuche, sie zumindest einmal im Jahr zu besuchen. Ich verbringe nicht genug Zeit in Rußland um alle Vor- und Nachteile zu verstehen, aber ich kann die Unterschiede benennen, die mir gleich ins Auge gesprungen sind.

Erstens hat Rußland eine starke Kunstschule. Es gibt einige Kunstuniversitäten im Land, welche als führende Institutionen, die Künstler und Architekten ausbilden, international anerkannt sind. Eine dieser Schulen ist in meiner Heimatstadt. Somit gibt es dort eine Menge extrem talentierter und fähiger Künstler. Ich habe Kunstmessen und Ausstellungen in meinem Jekaterinburg besucht, und ich war beeindruckt von der Premium-Qualität der Arbeiten, der Vielheit von Stilen und der Kreativität, die mit nichts zu vergleichen ist. Rußland ist ein Produzent erstaunlicher Kunst.

Zweitens ist Kunst ein integraler Bestandteil der russischen Kultur, denn das Schulsystem erzieht die Kinder von sehr jungem Alter dazu, Kunst zu schätzen und zu lieben, usw. Im Ergebnis ist die russische Bevölkerung sehr kunstverständig. In meiner Heimatstadt ist es zum Beispiel schwer, einen Haushalt zu finden, der nicht wenigstens ein Kunstwerk oder eine Reproduktion an der Wand hat. Es gibt einen großen Markt von Kunstkonsumenten; jedoch haben viele nicht ausreichend verfügbares Einkommen, weshalb die Preise auf dem Kunstmarkt relativ niedrig sind.

Zuletzt ist es nicht einfach, russische Kunst an ausländische Sammler zu verkaufen, aufgrund einiger Regulierungen in Rußland, welche den Versand von Kunstwerken ins Ausland zu einer umständlichen und kostspieligen Angelegenheit machen. Man benötigt eine Erlaubnis vom Kunstministerium, bevor man seine Bilder aus dem Land senden darf. Ich habe das einmal gemacht. Ich hatte meine Eltern besucht, ein Bild gemalt, und jemand in Europa hat es gekauft. Es kostete ich einige Tage, bis ich die Erlaubnis hatte. Sie war nicht schwer zu bekommen, aber es war umständlich genug, um Verkäufer ins Ausland zu entmutigen. Dies ist der Grund, warum viele russische Künstler es bevorzugen, ihre Bilder national zu verkaufen. Dies muß einen Einfluß auf die Verfügbarkeit russischer Kunst auf dem internationalen Markt haben.

In den USA war es hingegen sehr einfach, Kunst zu verkaufen, im Land oder ins Ausland. Die größte Herausforderung ist, daß die Kultur in den USA im Allgemeinen weniger kunstsinnig ist als in Rußland, und viele Menschen halten Kunst für ein überflüssiges Produkt, welches nicht wert ist, dafür etwas zu zahlen. Somit ist die Hauptschwierigkeit für jeden Künstler der Nichtkauf.

ART DEPESCHE: Gibt es in den USA eine bedeutende Kunstgalerie, die sich ganz gegenwärtiger Freilichtmalerei widmet?

STRITTMATTER: Es gibt viele solcher Galerien, insbesondere im nördlichen Kalifornien und im Gebiet von Los Angeles. Manche wechseln ihre Ausstellungen, und zu bestimmten Zeiten zeigen sie Pleinairarbeiten, und dann ändert sich das Thema vielleicht wieder.

ART DEPESCHE: Unsere absolute Standardfrage: Wer sind Ihre Lieblingskünstler aus Geschichte und Gegenwart?

STRITTMATTER: Historisch Monet, Van Gogh, Dalí, Klimt, Hopper, Schischkin, Lewitan, da wir ähnliche Stile teilen.

Gegenwärtig: Dmitry Kustanovich, Vladimir Volegov, Peter Barker, Dmitry Sirenko, Hashim Akib, Mark Lague, Jeremy Mann, Lindsey Kustusch, Dmitry Danish, Milly Martionou.

Sie sind alle verschieden und einzigartig auf eigene Weise, ich erfreue mich sehr an ihrer Kunst.

ART DEPESCHE: Zuletzt: Zukunftspläne, letzte Worte an unsere Leser?

STRITTMATTER: Ich möchte Ihrem Magazin dafür danken, mir die Möglichkeit für diese Publikation zu geben, und den Lesern dieses Artikels dafür, daß ich mich vorstellen durfte und einige Informationen teilen. Vielen Dank für Ihre Zeit und das Interesse, mich kennenzulernen.

ART DEPESCHE: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen und die besten Wünsche!

 

Verweise:

https://www.facebook.com/JuliaStrittmatterArt/
https://juliastrittmatter.com
https://artsartistsartwork.com/vendor/julia-strittmatter/
https://fineartamerica.com/profiles/julia-strittmatter

Leuchtende Farben – Julia Strittmatter im Interview, Teil 2 https://art-depesche.de/images/Someone_elses_windows.jpg Ruedi Strese