Mariusz Lewandowski „Gravitation“ (Öl auf Leinwand 2014, 50 cm x 60 cm)

Mit Zdzisław Beksiński hat unser östliches Nachbarland einen der bedeutendsten Surrealisten hervorgebracht. Ein Künstler unserer Tage, der dieses Erbe weiterträgt und doch einen ganz eigenen Stil entwickelt hat, ist Mariusz Lewandowski. Einem breiteren Publikum bekannt wurde er in den letzten Jahren durch seine Coverartworks für Metal-Alben. Wir sind glücklich, daß wir ihn dafür gewinnen konnten, unseren Lesern einen Einblick in seine Welt zu geben.

ART DEPESCHE: Herr Lewandowski, bitte geben Sie uns doch zunächst einige grundlegende biographische Informationen!

LEWANDOWSKI: Ich wurde 1960 in der kleinen Stadt Dzialdowo geboren. Als ich zwei Jahre alt war, zog ich mit meinen Eltern und drei Geschwistern in den Norden Polens, nach Górowo Iławeckie, wo ich seither lebe und arbeite. Wegen der Entfernung zu größeren Städten, hatte ich keinen Zugang zu kulturellen Zentren und war auf lokale kleine Künstlergemeinschaften angewiesen. Ich habe das schon in mehreren früheren Interviews erwähnt, ich werde es für Sie auch wiederholen. Die Situation, in der ich mich befand, verschloß nicht den Weg zu meiner künstlerischen Entwicklung – wenn man liebt, was man tut, kann man mehr schaffen, als einem die gegenwärtige Situation erlaubt. Ich habe mein Tun geliebt und liebe es immer noch. Für mich als Autodidakten war es in der 70er Jahren nicht einfach – in Polen gab es ein Problem mit der Verfügbarkeit solcher Materialien wie Farben, Leinwand, den einfachsten Hilfsmitteln. Aber wenn man etwas sehr will, kann selbst eine solche Barriere überwunden werden.

ART DEPESCHE: Wir würden gerne noch mehr über Ihren Weg als Künstler erfahren! Wie haben Sie die Malerei entdeckt? Wie und wo haben Sie gelernt?

LEWANDOWSKI: Wie gesagt, bin ich Autodidakt. Zeichnen und Malen, die Kunst der Schöpfung, sind faktisch in meine DNA geschrieben. Ich habe nicht in Begriffen daran gedacht, Maler zu werden, ich habe geschaffen, seit ich mich erinnern kann und tue es eher aus dem Verlangen meines Herzens.

Die Kunst als Lebensweg kam viel später. Es geschah eher natürlich als Ableitung meiner vorherigen Aktivitäten in der bildenden Kunst. Während meiner Jahre als Teenager habe ich an mehreren Kursen in Freilichtmalerei für Laienkünstler teilgenommen. Der Rest meiner Erziehung in diesem Feld bestand aus schlaflosen Nächten, in denen ich meine Technik entwickelt habe, die Gemälde alter Meister studiert, gefallen und wieder aufgestanden bin und, am wichtigsten, allen Widrigkeiten zum Trotz nie aufgegeben habe.

ART DEPESCHE: Sie bezeichnen sich selbst als surrealistischen Künstler. Was bedeutet Surrealismus für Sie?

LEWANDOWSKI: Ich möchte den Menschen eine unwirkliche Welt zeigen. Etwas, das nicht photographiert werden kann. Manchmal ist es eine Vision eines Verfallszustandes, ein scheinbarer Mangel an Hoffnung, aber ich versuche, in die Bilder die Notwendigkeit für eigene Deutungen hineinzuschmuggeln. Und ob man das Surrealismus, magischer Realismus oder anders nennt, ist, so denke ich, von zweitrangiger Bedeutung.

ART DEPESCHE: Ihre Arbeit ist von jener Dalís, Magrittes usw. recht weit entfernt, aber ich sehe Ähnlichkeiten zu jener Ihres Landsmannes Zdzisław Beksiński. Gibt es in Ihrem Werk Bezüge zu jenem legendären Künstler?

LEWANDOWSKI: Natürlich ist Zdzisław Beksiński für mich der Gegenwartskünstler Nummer Eins, der einen Einfluß auf mein Werk hatte.

ART DEPESCHE: Ist Fantasyliteratur eine Inspiration für Sie? Wenn ja, welche Autoren?

LEWANDOWSKI: Ich bin ein Augenmensch, und der Film spricht mich mehr an als das Buch, obgleich die Beschreibungen der Szenerie dabei der Vorstellungskraft mehr Raum lassen, ist es doch der Film und eher Science Fiction, ohne diese lächerlichen, feuerspeienden fliegenden Drachen. Ich bin mehr von der Weite des Weltraums angezogen, in der sich das Mysterium verbirgt. Und was Literatur angeht, bevorzuge ich Philosophie. Ich mag es, tief in mich hineinzublicken, und das ist, weshalb ich „moralische Landschaften“ von Sam Harris, Daniel Dennett und Jan Woleński lese.

ART DEPESCHE: Ihr Werk besteht vor allem aus Ölbildern auf Leinwand. Versuchen Sie sich auch in anderen Techniken?

LEWANDOWSKI: Manchmal denke ich darüber nach, etwas Räumliches zu schaffen, aber ich möchte nichts zwangsweise tun, es muß von selbst kommen. Genauso, wie ich nicht geplant hatte, ein Maler zu werden, dessen Kunst sich so gut für die Cover von Musikalben eignet.

ART DEPESCHE: Die Art, in der Sie Licht und Schatten in der Landschaft verwenden, und insgesamt die dunkle und traumhafte Atmosphäre in vielen Ihrer Werke weist auf die Romantik zurück ...

LEWANDOWSKI: Weil ich Romantiker bin. Es ist eine Art von Sehnsucht nach diesen grenzenlosen Räumen, nach dem Licht, welches das Leben uns gibt, und nach dem Mysterium, welches sich unter der Kapuze einer scheinbar boshaften Figur oder hinter der Spalte in einem nahen Felsen verbirgt.

 

Fortsetzung folgt.

 

Verweise:

https://www.lewandowski.art/
https://www.facebook.com/MariuszLewandowskiART
https://www.pinterest.de/lewandowski_art/
https://www.instagram.com/mariusz_lewandowskiart/
https://www.discogs.com/de/artist/6086649-Mariusz-Lewandowski-4
https://www.stormbringer.at/storys/885/mariusz-lewandowski-die-metal-artworks-des-kuenstlers-teil-i.html
https://www.decibelmagazine.com/2019/12/02/a-guide-to-mariusz-lewandowskis-2019-album-covers/

Surreale Visionen: Mariusz Lewandowski im Interview, Teil 1 https://art-depesche.de/images/2022/0228/Gravitation_Mariusz_Lewandowski.jpg Ruedi Strese
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