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Literatur

Sanddünen in der Wüste Sinai | Fast | CC BY-SA 3.0

Berlin - Endlos lag die Wüste vor mir, hinter mir das Zelt. Der Stoff war einst blau gewesen, nun war er verblaßt und zerschlissen. Ich saß auf meinem Hocker, der eigentlich ein mit Lumpen gefüllter Sack war. Gerade hatte ich meine Schüssel mit Hirsebrei umgekippt, ein Teil war auf meinem Mantel gelandet, der Rest im Sand. Ich knurrte, doch eher aus Gewohnheit, denn aus wirklichem Ärger. Derzeit hatte ich Nahrung genug, erst gestern war ein Händler vorbeigekommen und hatte mich mit allem Nötigen beliefert. 
Das waren vor allem Nahrungsmittel, natürlich. Außerdem ein neuer Eimer, um Wasser aus dem vor einer Felsformation hinter dem Zelt gelegenen Brunnen zu schöpfen; bislang hatte ich einen alten Stiefel dazu genutzt. Schließlich hatte der Händler mir einen Spielkameraden mitgebracht, einen feuerroten Gecko, wie es ihn wohl nur ein einziges Mal auf der Welt gab. Ich nannte ihn Persephones.
Persephones mußte gesehen haben, wie mir der Brei umgekippt war. Er kam gleich herbeigeeilt, denn er wußte bereits, daß sich in kurzer Zeit einige Insekten einfinden würden, und er leckte sich schon das Mäulchen. So war es dann auch, ein paar Fliegen später war er gesättigt.

Quelle: ART DEPESCHE

Berlin - Der Museumsdirektor lief im Mittelaltersaal hin und her wie ein hungriges Raubtier in seinem Käfig. Oft schon hatten seine Untergebenen dieses Schauspiel erlebt, doch heute war es ernst.

Quelle: PIXABAY.COM

Berlin - Ich saß am Badestrand, in der Hand hielt ich eine Limonadenflasche. Sie war leer. Es war jedoch heiß, und ich war durstig. Nun hätte ich wohl aufstehen und mir am Kiosk eine neue Flasche holen können, dafür jedoch war ich wiederum zu faul. Ich befand mich in einer Zwickmühle.

Quelle: ART DEPESCHE, Ruedi Strese

Berlin - Es war, wie üblich, noch sehr früh am Morgen, als der Bäcker sein Geschäft betrat. Das mußte er auch, damit die Backwaren rechtzeitig fertig wurden. Sechs Uhr sollte der Laden öffnen, und bis dahin mußten die Brötchen, Brote, Plätzchen, Blechkuchen in den Auslagen liegen. Dazu kam, daß er für heute noch einen besonderen Plan hatte.

"Sprotten" - Kurzgeschichte von Ruedi Strese (ART DEPESCHE)

Berlin - Der frisch eingestellte Hofnarr betrat gebeugt den Thronsaal, dessen Wände ganz aus spiegelglatt poliertem Metall bestanden, worüber er sich recht ausführlich wunderte und ging einige Schritte, von links nach rechts und von rechts nach links hin und her starrend, bis er nach unten blickte und von einem plötzlichen, kurzen, doch umso heftigerem Hauch von Entsetzen gepackt wurde, denn der Boden bestand aus Glas, in welches Millionen und Abermillionen winziger silbrig glänzender Fische eingelassen waren, darunter jedoch gähnte der alles verschlingende Abgrund.

Berlin - Die Mutter saß an der Straßenbahnhaltestelle, das matt quengelnde Kind in den Armen haltend. Ein anstrengender Tag war es gewesen. Die Arbeit, dann plötzlich der Anruf aus dem Kindergarten, die Diskussion mit dem Chef, der sie gerne noch eine Stunde da behalten hätte - aber sie mußte den Kleinen dringend abholen. Die Erzieherin hatte erzählt, er hätte hohes Fieber, erzählte wirre Geschichten und pfiffe sonderbare Melodien. Pfeifen? Woher sollte er das können? Die Warterei beim Arzt... nun war es genug.

Das Büro des Stellvertreters von Ruedi Strese | Quelle: ART DEPESCHE

Berlin - Ich hatte vor einiger Zeit bei einer Gebäudereinigungsfirma angeheuert und hing nun nicht das erste Mal an einem Seil in etwa 15 Metern Höhe und putzte Fenster eines Bürogebäudes. Die Fenster waren verspiegelt, ich war allerdings nah genug, um doch etwas hineinsehen zu können; nur, daß mich dies nicht sonderlich interessierte. Mit Genauigkeit, doch ohne großartigen Enthusiasmus ging ich meiner eher eintönigen Arbeit nach.

Rosen

Berlin - „Großmutter, du wirst 70 Jahre alt, und da wird die ganze Familie zusammengetrommelt und ordentlich gefeiert!“