static-aside-menu-toggler
gkSearch
© Cornelius Waldner

Berlin - Ein schmales Gedichtbändchen flatterte der Redaktion ins Haus. Verfasser ist ein gewisser Cornelius Waldner, bekannt eher als Musiker, insbesondere durch das neoklassisch-dunkelromantischen Klängen verpflichtete Projekt Sagittarius.

 

Desweiteren ist er Inhaber des Verlags „Die Neue Runde“, welcher sich selbst mit folgenden Worten vorstellt: „Wir sind kein Orden oder Geheimbund, sondern ein Kreis von Freunden, der vereint ist in seinem Streben nach einer neuen Form der Geistigen Kunst. Wir stehen jenseits der grässlichen Fratze einer modernen Welt, die von uns als falsch und mürbe empfunden wird. Europäisch mag man uns nennen, denn wir sind verwurzelt in den Eindrücken und Einflüssen, welche uns die alten und neuen Meister unseres Erdteils mitgaben, doch lehnen wir in unserer Kunst jegliche Form von profanem und plebejischem Politikastertum ab.“ Leichte Reminiszenzen an den George-Kreis mögen hier beabsichtigt sein. Als Dichter ist Cornelius Waldner indes bislang weniger aufgefallen - nun, warum nicht.

Positiv fällt zunächst die schlichte und vornehme Gestaltung auf - das Auge liest mit, könnte man sagen, würde es dies nicht eh tun. Eine Widmung gilt Mishima und Satoko - den beiden Katzen des Autors. Unterteilt ist das Buch in sechs Abschnitte, welche je einige recht kurze Gedichte (meist zwei Strophen zu je fünf Versen) umfassen.

I - Traumpfade: Der Dichter bedient sich, wie von George bekannt, einer durchgängigen Kleinschreibung, was auch für die übrigen Gedichte des Buches gilt. Auf Reime wird verzichtet, dennoch wirkt die Form alles andere als zufällig. Man wähnt sich in der Welt der Trolle und Elfen. Zerbrechlichkeit und Spannung scheinen hinter einem Schleier aus Nebel hindurch.

II - Rausch und Fall: beschreibt sinnierend den unglücklichen Weg einer Liebe. Die Worte sind einfach und lassen wenig Fragen offen, zu einfach ? - andererseits geschickt gesetzt, insbesondere durch die sich ergebenden Pausen; man meint, leises Atmen hören zu können.

III - Diaspora: Einsamkeit und Vereinzelung, das Gefühl, allein zu sein im Universum, lediglich flüchtig sind die Berührungen...

IV - Abschiede: die Trennung zweier Liebender und die bereits in „Diaspora“ behandelte Entfremdung bilden den thematischen Kern. Auch hier auffällig die Mischung aus einfachen  Worten und starkem Eindruck.  Eine Seele scheint auf dem Seziertisch zu liegen, und die Art der Wirkung auf den Betrachter wird ganz verschieden sein - ein Spiegel, der jedem Einzelnen dargeboten wird.

V - Leipziger Nacht: zwei Gedichte, welche die Betrachtung der Außenwelt als Innenschau verdichten. Die Stimmung, die der Blick des Einsamen in den nächtlichen Himmel über der Stadt zu erzeugen vermag, dürfte jedem vertraut sein, und sie ist hervorragend eingefangen.

VI - An Wolfskehl: dem von Waldner sehr verehrten, zur Zeit des Nationalsozialismus ins Exil gegangenen jüdischstämmigen Mitglied des George-Kreises gewidmet. Die Gedichte umfassen je drei Strophen zu fünf Versen. Die Qualität ist hoch, anders als in den übrigen Gedichten klingt hier aber weniger die Innenwelt des lyrischen Ich (des Verfassers?) durch, sondern ein äußerer Gegenstand hat selbst und durch sich Bedeutung.

Den Abschluß bilden noch drei weitere, ganz verschiedenartige Gedichte, die für sich stehen und mir persönlich, neben „Traumpfade“ am stärksten zusagen. Waldner hat mit „Spuren aus Blei“ eine sehr gefühlvolle Sprache gefunden, und jedem Liebhaber zarter Lyrik kann das Bändchen nur ans Herz gelegt werden. Erschienen ist das Buch im Eigenverlag und kann über die Kontaktseite der Neuen Runde geordert werden.

 

Verweise:

http://www.die-neue-runde.de
http://www.die-neue-runde.de/Freundeskreis/Sagittarius/sagittarius.html
https://www.facebook.com/spurenausblei
https://corneliuswaldner.wordpress.com/2015/05/05/spuren-aus-blei-diaspora-i-german-english

„Spuren aus Blei“ - der erste Gedichtband Cornelius Waldners https://art-depesche.de/images/bleicover2.jpg Ruedi Strese