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Uwe M. Schneede „Paula Modersohn-Becker. Die Malerin, die in die Moderne aufbrach“ (C.H. Beck. München 2021)

Berlin – Paula Modersohn-Becker ist eine der herausragendsten und ungewöhnlichsten Künstlerinnen der deutschen Kunstgeschichte. Der Kunsthistoriker Uwe M. Schneede hat sich wie kaum ein anderer mit Leben und Werk der Ausnahmekünstlerin beschäftigt. Erst kürzlich legte er nun eine liebevoll gestaltete Monographie vor.

Uwe M. Schneede, Jahrgang 1939, war von 1991 bis 2006 Direktor der Hamburger Kunsthalle. In vorherigen Veröffentlichungen hatte er sich unter anderem mit Edvard Munch und Vincent van Gogh bschäftigt, zu Paula Modersohn-Becker hatte er 2017 eine Ausstellung im Hamburger Bucerius-Kunst-Forum kuratiert; diese scheint den Auslöser für die aktuelle Veröffentlichung gegeben zu haben.

Wenden wir uns also dieser zu. Der vollständige Titel lautet „Paula Modersohn-Becker. Die Malerin, die in die Moderne aufbrach“. Sogleich springt die sehr gelungene Aufmachung ins Auge, das mit einem Selbstporträt bedruckte Leinen. Das Buch ist schwer, die weit über 200 Seiten sind reich und hochwertig illustriert.

Die Gliederung in sieben wiederum mehrfach unterteilte Kapitel folgt einer Mischung aus Zeitstrahl und thematischen Aspekten. 1876 war Minna Hermine Paula Becker in Dresden in eine gutbürgerliche und kunstsinnige Familie geboren worden, und ihre Bestimmung stand wohl früh fest. Nach ersten Gehversuchen in Berlin entdeckte sie 1897 im Rahmen eines Familienurlaubs das Dorf Worpswede im Teufelsmoor bei Bremen für sich.

In Worpswede hatte sich bereits eine seit ihrer Ausstellungsbeteiligung im Münchner Glaspalast 1895 ziemlich erfolgreiche Freilichtmalerkolonie etabliert, und die junge Frau fand den Anschluß an diese Kreise, blieb weitgehend unverstanden, doch ging ihren Weg. Schneede beschreibt, wie sie ihre Motive fand, wie sie den Weg von der Abbildung der Natur zum ganz Malerischen, nahezu Abstrakten ging, zeigt die persönlichen Beziehungen zu Rainer Maria Rilke, dessen Frau Clara Westhoff und den Worpsweder Malern.

Selbstverständlich lernen wir auch über ihre wenig erfüllende Liebesbeziehung und Ehe zu Otto Modersohn, ihren Versuch, in Paris auf eigene Beine zu kommen, ihren frühen Tod im Kindbett 1907. Besonderes Augenmerk legt Schneede jedoch auf die künstlerische Entwicklung. Ein eigenes Kapitel ist den Selbstbildnissen gewidmet, an denen sich besonders anschaulich die höchst eigenständige Erkundung neuer Möglichkeiten der Malerei, die gerade vor ihrem Worpsweder Hintergrund noch bemerkenswerter erscheint.

Uwe M. Schneedes Monographie zu Paula Modersohn-Becker bietet Kunstliebhabern eine faszinierende, bewegende Lektüre und optisch einen Hochgenuß. Uwe M. Schneede „Paula Modersohn-Becker. Die Malerin, die in die Moderne aufbrach“ (C.H. Beck. München 2021, 240 Seiten mit 120 Abbildungen, ISBN 978-3-406-78544-3, 29,95 €).

 

Verweise:

http://www.uwe-schneede.de/
https://www.beck-shop.de/schneede-m-paula-modersohn-becker/product/33515974

Gelesen: Uwe M. Schneedes Monographie zu Paula Modersohn-Becker https://art-depesche.de/images/2022/0215/Paula_Modersohn-Becker.jpg Ruedi Strese