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Innsbruck - Bekannt geworden ist der Merseburger Uwe Nolte, Jahrgang 1969, vor allem durch sein musikalisches Schaffen in der Neofolk- und Dark Wave-Szene. Projekte wie Sonnentau, Orplid und Barditus gehören für Eingeweihte nicht zu den geringsten Namen. Insbesondere in Rußland konnte er auch mit stimmungsvollen graphischen Arbeiten einige Erfolge erzielen. Zudem kann er jedoch auf ein umfassendes dichterisches Werk verweisen. Zwei Gedichtbände sind bereits erschienen, zuerst „Orplid, mein Land“ (2012) und im vergangenen Jahr „Wilder Kaiser“.

Der Dichter gibt sich darin ungeniert romantisch, die Natur als Spiegel der Seelenwelt ist dominierendes Thema. „Wilder Kaiser“ versteht er als „Bekenntnis einer wundersamen Gnade, die ihm in der Bergwelt Tirols widerfuhr“. „Landschaft und Liebe führen ihn zurück zu seinen Quellen, zum Glauben, der nun geschärft auf die Zeit und ihre Gottverlassenheit blickt. Das Buch macht Mut, sich von zeitgemäßen Blendungen zu lösen und die Offenkundigkeit des Heils wiederzuentdecken“ so die offizielle Ankündigung. 

Nolte hat zur Präsentation des Bandes eine multimediale Schau erstellt, welche er demnächst bei zwei Gelegenheiten darbieten wird. Die erste ist das allseits bekannte Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, wo er am 22. Mai im Riverboat lesen wird. Weitaus persönlicher dürfte es allerdings am 30. Mai im Silberwald bei Schwaz in Tirol werden.

Was wird von der multimedial erweiterten Lesung des eigenwilligen Schöngeistes zu erwarten sein? Gegenüber ART-DEPESCHE verrät er mehr: „Parallel zu meiner Klang-Lesung läuft ja ein Film, ein animiertes Video... voller Traum-Sequenzen, kaleidoskop-artig, voller Magie und Farbe... es ist wie eine Meditation, eine Reise zum verschütteten ICH... schwer zu beschreiben für Uneingeweihte - man muß die (Innen-) Schau erlebt haben. Die Performance ist jedenfalls eine Mischung aus meiner Lyrik, Videoaufnahmen und Klängen... alles aus eigener Herstellung...“ 

 

Bücher und Tonträger von Uwe Nolte sind unter www.noltex.de erhältlich; auch finden sich dort ausführliche Einblicke in sein vielseitiges Schaffen. Der Link zur Veranstaltung in Tirol ist am Ende dieses Artikels angegeben. Abschließend ein Beispiel seiner Dichtkunst:

 

 

GEH IN DIE BERGE UND SCHWEIGE, 

Lausche der Wolke, dem Gang 

Säuselnder Böen, verneige 

Dich vor des Windes Gesang. 

 

Nicht bloß sei hörig den Noten, 

Öffne dich frei der Nuance. 

Kolkraben, heitere Boten, 

Lehren dich Kühnheit und Tanz. 

 

Sieh auch das Kunstwerk der Spinne, 

Faden, der niemals zerrinnt, 

Webe im Wirrsal der Sinne, 

Pfad aus dem Hirn-Labyrinth. 

 

Lies aus den Wolfsspuren deine 

Künftige Richtung und spring 

Mit der Gams gipfelwärts, kleine 

Höhen sind dir zu gering. 

 

Lerne im Schatten von Bäumen 

Wieder zu beten und dann 

Lächelt aus atmenden Träumen 

Antlitz der Kindheit dich an. 

 

Wandle zurück zur Legende. 

Schicksal und Fluch dich erfreu - 

Märchen mit bitterem Ende 

Trennen den Weizen von Spreu. 

 

Finde die heilige Quelle 

Unter vergessenem Stein, 

Trinke das Blut und die Helle 

Aus einem früheren Sein. 

 

Durstig bleib! und dich bemühe 

Weiter um Fährnis, Essenz, 

Daß deinen Wegen erblühe 

Schritt um Schritt fruchtbarer Lenz. 

 

Grabe nach seltenen Samen 

Selbst in verworrenster Klamm, 

Meide geschiedener Namen 

Sterbende Fratzen im Schlamm. 

 

Schürfe die Erze der Zwerge, 

Unmutes Felsen zerbrich, 

Tief in den Adern der Berge 

Findest du, Wanderer, dich. 

 

Laß alte Bilder verschwimmen, 

Steig auf der Gipfel Altar, 

Sieh in den Schneewehen glimmen, 

Silbern, der Saligen Haar. 

 

Flechte daraus deine Freude, 

Dasein, von dauerndem Seil. 

Keine Sekunde vergeude, 

Fliege als lachender Pfeil 

 

In deines Himmels Vertrauen, 

Erster, im Sonnen-Spalier, 

Noch loht der Blume, der blauen, 

Elmsfeuer segnend in dir. 

 

Geh in die Berge und schweige, 

Schweige und höre nur zu, 

Geht auch der Tag bald zur Neige, 

Flüstert die Nacht: "Das bist du!"

 

Quelle:

http://www.noltex.de/tyrolis-aeterna.php#033124a4430c7fd02

Romantische Lyrik im Multimedia-Zeitalter - Uwe Nolte präsentiert seinen aktuellen Gedichtband https://art-depesche.de/images/Uwe-Nolte_1.jpg Ruedi Strese