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Berlin - Emil Hünten (1827-1902) gehörte seinerzeit zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Historienmalerei. Insbesondere mit Darstellungen aus der Zeit Friedrichs des Großen hatte er sich 1850-60 einen Namen gemacht. Im Schleswig-Holstein-Feldzug 1864 hatte er bei der kämpfenden Truppe gedient, im Preußisch-Deutschen Krieg 1866 war er Landwehroffizier gewesen, und auch in der Zeit des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 hatte er mehrfach Heerlager und Schlachtfelder besucht, was zu einem außergewöhnlichen Maß an Realismus in seinen Schlachtgemälden führte. 1878 war er der Berliner Akademie beigetreten, um im Folgejahr zum Professor berufen zu werden.

Dem konstanten Aufstieg folgte 1881 die Fertigstellung eines Großauftrags. Das „Panorama des Sturmes auf St. Privat“ war von Februar 1881 bis Dezember 1883 in der Berliner Panoramarotunde „Nationalpanorama“ in der Herwarthstraße in Tiergarten zu sehen. Eine Besucherbroschüre erklärte den historischen Kontext: „Die französische Hauptarmee nahm […] am 17. August 1870 eine Stellung auf dem westlich von Metz gelegenen Hochplateau von Gravelotte bis Roncourt ein. In dieser […] starken […] Stellung wurde sie am 18. August von den vereinten Korps der 1. und 2. deutschen Armee, unter der persönlichen Leitung Sr. Majestät des Königs Wilhelm, angegriffen und in zwölfstündigem heißen Ringen geschlagen.“

Das Werk fand bei den Betrachtern großen Anklang. Ludwig Pietsch schrieb in der Vossischen Zeitung: „Über dieser Weite wölbt sich der lichte, theils von hellem Gewölk leicht umflorte Sommerhimmel. Auf große Strecken hin durchbricht die Nachmittagssonne diesen Schleier und beleuchtet scharf das Feld vor dem Dorf, die trockene feste Pappelchaussee zunächst vor seinem Eingange und die Häuser tiefer im Hintergrund. […] Die Kugeln fegen die belaubten Zweige von den […] Pappeln der Landstraße und strecken noch manches junge preußische Blut auf den helleuchtenden weißlichen Boden und in die grasigen Chausseegräben. […] Ruhig reitet in der Mitte des Weges den Abhang hinan Graf Kanitz. […] Tiefer in der Talsenke sieht man auf der Chaussee General von Pape mit seinem Stabe langsam heranreiten.“

Theodor Fontane notierte im März 1881 in sein Tagebuch: „Nach dem großen Hünten-’schen Panorama von St. Privat; – eine ganz brillante Leistung. Einzelnes wirkt erschütternd. Ich blieb über eine Stunde.“ Er verarbeitete die Eindrücke später in Effi Briest. Es folgten in dem Gebäude fünf weitere Panoramaausstellungen, bis es kurz vor der Jahrhundertwende abgerissen wurde. Von Hüntens Werk ist keine einzige Abbildung erhalten geblieben.

Aufgrund des großen Erfolgs des Hüntenschen Panoramas wurde auch Anton von Werner (1843-1915) mit der Erstellung eines Historienpanoramas beauftragt. Anton von Werner war insbesondere als Maler historischer Szenen und Portraits namhafter Persönlichkeiten erfolgreich geworden. Als Chronist seiner Zeit hatte er, beauftragt vom preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, 1871 der Proklamation des Deutschen Kaiserreiches in Versailles beigewohnt und dieses Ereignis in einem seiner bedeutendsten Großgemälde festgehalten. „Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches 18. Januar 1871“ existierte in mehreren Fassungen, von denen allerdings lediglich eine einzige erhalten geblieben ist, sie kann in Friedrichsruh betrachtet werden.

Friedrich Wilhelm hatte Anton von Werner auch den Kontakt zu Reichskanzler Otto von Bismarck vermittelt, zum Generalstabschef Helmut von Moltke und zu Kaiser Wilhelm I selbst, wo er als favorisierter Berater in Kunstfragen einen nicht unerheblichen Einfluß auf das Kunstverständnis seiner Zeit gewinnen konnte. Der nationalliberale Kunstpolitiker und Professor sah den Auftrag der Kunst in der verantwortlichen Unterstützung des Staatsauftrags, sie sollte unterhalten und eine sittliche Hebung bewirken.

1883 wurde also neben dem Bahnhof Alexanderplatz nach Plänen von Wilhelm Böckmann und Hermann Ende ein Rundbau mit einem Durchmesser von 39 Metern errichtet. Das darin unter der künstlerischen Leitung von Werners entstandene Rundbild war etwa 15 Meter hoch und 120 Meter lang, es war das aufwendigste und teuerste der Panoramen seiner Zeit. Zu sehen war eine entscheidende Szene der Schlacht von Sedan am 1. September 1870; die Eröffnung erfolgte am 1.September 1883, genau 13 Jahre nach dem historischen Geschehen. Später wurde es um die Kapitulationsszene ergänzt.

Im Jahr 1908 sollte am Alexanderplatz ein neues Kaufhaus errichtet werden. Der kleine Rundbau, welcher das Kunstwerk beherbergt, mußte dem Kommerz weichen und wurde abgerissen. Erhalten sind lediglich schwarzweiße Abbildungen in Büchern. Ein kleines Stück Straße erinnert aber heute noch an eine Zeit, in der wohlhabende Mäzene noch anspruchsvolle Großkunst zur allgemeinen Erbauung stifteten: die Panoramastraße verbindet den Bahnhof Alexanderplatz und den Fernsehturm. So finden sich allerorten kleine Spuren von Geschichte, derer sich bewußt zu werden, die Welt noch um einiges interessanter macht.

 

Quellen:

http://www.anderes-berlin.de/html/das_sedan-panorama.html

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Panorama_des_Sturmes_auf_St._Privat

Zwei Panoramen, zwei Verluste - Malerei des Kaiserreichs https://art-depesche.de/ Ruedi Strese