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Eva Gonzalès „Morgendliches Erwachen“ (Öl auf Leinwand, 1876)

Berlin - Eva Gonzalès ist sicher nicht zu den bekanntesten Vertretern des Impressionismus zu zählen und taucht oft nur als Fußnote zu Manet auf. Dabei schuf sie in ihrem kurzen Leben ein reizvolles und durchaus eigenständiges Werk.

Sie wurde 1847 oder 1849 (hier sind sich die Biographen uneinig) in Paris geboren, entstammte einer künstlerisch interessierten Familie. Ihr spanischstämmiger Vater war Schriftsteller, die belgische Mutter Musikerin. Eva fühlte sich früh zur Malerei hingezogen und lernte ab 1865 im Atelier von Charles Chaplin, einem seinerzeit recht populären Maler, der sich stark am Barock und Rokoko (Rubens, Watteau, Boucher) orientierte. Chaplin unterrichtete ausschließlich Frauen, welche damals noch keinen Zugang zu den staatlichen Kunstakademien hatten.
1869 bezog sie ihr eigenes Artelier und (hier sind sich die Biographen einig) lernte Édouard Manet kennen, dessen Modell und, auf Bitte von Berthe Morisot, Schülerin sie wurde. Manets „Porträt Eva Gonzalès“, in welchem sie amüsanterweise ein Bild Manets malt, entstand in dieser Zeit, ihre eigenen Werke standen in ihrer eher dunklen Farbgebung damals noch stark unter Manets Einfluß. 1870 durfte sie ihr Gemälde „Der Hornist“ im Pariser Salon ausstellen, der eben entgegen der Legende doch dann und wann auch Werke der Impressionisten zuließ. Es blieb auch nicht ihr einziges Mal. Wie Manet nahm sie hingegen an keiner der Gruppenausstellungen der Impressionisten teil.
Ab 1872 wandte sie sich vermehrt den Pastellen zu, worin sie einen eigenen, eher farbenfrohen Stil entwickelte. Ihre bevorzugten Motive waren Alltagsszenen, Interieurs, wobei ihr Mitglieder ihrer Familie, insbesondere ihre Schwester, als Modelle dienten. 
Auch auf dem Pariser Salon von 1874 war sie vertreten, und zwar mit einem Pastell „Das Nestchen oder der rosarote Morgen“, während das Ölgemälde „Die Loge der Italiener“ abgelehnt wurde. Später fanden beide Werke ihren Weg in den Louvre. 
1879 heiratete sie den Graphiker Henri Guérard, der ihr auch desöfteren als Modell diente; Ausstellungen ihrer durchaus beachteten Arbeiten versprachen eine erfolgreiche Künstlerkarriere. Allerdings starb sie sehr früh, 1883, kurz nach der Geburt ihres Sohnes im Kindbett an einer Embolie – Manet war ihr wenige Tage vorausgegangen.

Eva Gonzalès, Schülerin Manets https://art-depesche.de/images/Eva_Gonzals_-_Morning_Awakening_1024px.jpg Ruedi Strese