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Jan Mankes „Selbstporträt mit Eule“ (1911)

Berlin - In seiner kurzen Lebensspanne von nur 30 Jahren hat der Holländer Jan Mankes ein bemerkenswertes Oeuvre geschaffen, welches für gewöhnlich zwischen Symbolismus und Realismus eingeordnet wird und durch außergewöhnliche Zartheit heraussticht.

Geboren wurde er 1889 in Meppel, mit 15 Jahren zog er nach Delft, wo er von 1905 bis 1908 in einer Glasfabrik lernte. Des Weiteren besuchte er Kurse an der Akademie der Bildenden Künste in Den Haag. Die Arbeiten seines Landsmannes, des Radierers Antoon Derkzen van Angeren (1878-1961), beeindruckten ihn stark, und er beschloß, selbst freischaffender Künstler zu werden. 
Ab 1909 förderte der Tabakhändler und Kunstsammler A.A.M. Pauwels sein Schaffen. Mankes' umfangreiche Briefe, in denen er sich für Geld und zugesandtes Material bedankt, sind erhalten und wurden in Holland als Buch veröffentlicht.

Mankes selbst war Protestant, er heiratete 1915 die Mennonitin Anne Zernike, welche es zur ersten Ministerin des Landes mit Doktorwürde brachte. Mankes' Gesundheit war um diese Zeit schon stark angeschlagen, er litt an Tuberkulose, und 1916 zog das Paar nach Eerbeek in der Provinz Gelderland, sie hofften, diese Umgebung wäre seiner Gesundheit zuträglicher. In den Phasen, wo sein Zustand es zuließ, war er sehr schöpferisch. 1918 gebar seine Frau ihm einen Sohn, doch zu dieser Zeit war er bereits weitgehend an das Bett gebunden, und 1920 erlag er der Krankheit.

Sein Werk ist, gemessen am kurzen Entstehungszeitraum, recht umfangreich, es gibt rund 200 Gemälde, 100 Zeichnungen und 50 Drucke. Ähnlichkeiten zu Symbolismus und Jugendstil sind augenscheinlich, beeinflussen ließ er sich zudem von alten Meistern wie Vermeer und Holbein sowie (wie auch Gauguin, van Gogh, Klimt, Schiele u.a.) von japanischen Farbholzschnitten von Katsushika Hokusai.

Der Kunsthistoriker Roland Hollovest bezeichnete ihn 1923 als den „sensibelsten holländischen Künstler“, tatsächlich sind seine Arbeiten von unvergleichlicher Zurückhaltung und Zartheit. Die Bilder sind ruhig, von blassen, schüchternen Farben und unvergleichlichem Feingefühl, außergewöhnlich liebevoll sind die Darstellungen von Tieren. Die Stimmung ist oft mystisch, weltentrückt. Sein Mäzen Pauwels hatte ihm eine Eule geschenkt, welche er besonders liebte und als Haustier hielt, ein Selbstporträt mit dem Tier zeigt einen blassen jungen Mann, durch dessen Augen uns eine uralte Seele entgegenzublicken scheint.

Die fragile Kunst des Jan Mankes https://art-depesche.de/images/Self-portrait-with-owl.-1911.-Dutch-painter-Jan-Mankes_1024px.jpg Ruedi Strese