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Berlin - Am 07. Mai 1840, vor 175 Jahren, starb Caspar David Friedrich, der wohl als bedeutendster Maler der deutschen Romantik gelten kann. Niemals kann einem Großen wie ihm ein kleiner Artikel auch bloß in Ansätzen gerecht werden, nur ein paar Gedanken seien deshalb hier lose zusammengetragen, ohne auch nur den Versuch einer weitgehenden Abdeckung des Wesentlichen.

Sein Werk war durch Sehnsucht nach Transzendenz geprägt, durch einen tiefen Mystizismus, bei dem das Dargestellte nicht allein für sich stand, sondern auf auf eine Welt dahinter verwies. Selten sonst wurde Natur so herrlich und ehrfurchtsvoll wie ehrfurchtgebietend wiedergegeben, gesehen mit dem Auge eines Gläubigen, der den gewaltigen Schöpfergott hinter ihr am Werke sah, selbst im kleinsten Sandkorn, und dem die Darstellung der Natur Gottesdienst war.

Bisweilen wurde sein christlicher Hintergrund trotz dieses Pantheismus bzw. Enthetismus (diesen Begriff benutzte Friedrichs Freund Carl Gustav Carus, Arzt und gleichfalls Maler, für dessen  Naturverhältnis) evident, etwa bei „Das Kreuz im Gebirge“ (1822).

Caspar David Friedrich war zudem ein glühender Patriot, der im Kontext der deutschen Auflehnung gegen die napoleonische Fremdherrschaft enge Kontakte zu stark politisch geprägten Künstlern wie Heinrich von Kleist, Theodor Körner und Ernst Moritz Arndt pflegte, seinem Freund, dem Maler Georg Friedrich Kersting („Die Stickerin“), half er bei der Finanzierung seiner Ausrüstung, als dieser sich 1813 dem Lützowschen Freikorps gegen Napoleon anschloß.

Viele seiner Bilder, etwa Winterlandschaft (1811) oder „Grabmale alter Helden“ (1812) enthielten politische Botschaften - zum Teil offen, zum Teil versteckt, nicht zuletzt, um den drohenden französischen Repressalien zu entgehen. Ab 1815 stellte er immer wieder Männer in typisch altdeutscher Tracht dar, was als patriotisches Bekenntnis galt und 1819 mit den Demagogenverfolgungen und Karlsbader Beschlüssen im Deutschen Bund verboten wurde. Sein Bild „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“ von 1819 soll Friedrich mit „Die machen demagogische Umtriebe“ kommentiert haben. Parallelen zu heute drängen sich auf...

Als exemplarisch kann auch „Das Eismeer“ (1823/24) gelten. Es zeigt eine arktische Landschaft mit den Resten eines gekenterten Segelschiffs. Dieses wird als Gleichnis für das Scheitern der deutschen Nationalbewegung nach dem Wiener Kongreß 1815 betrachtet. Gleichzeitig läßt sich hier eine für den Maler typische Vorgehensweise in der Umsetzung feststellen: der Vordergrund bedient sich vergleichsweise kräftiger Farben einschließlich eines Rotanteils, er wirkt bewegt und lebendig. Der Hintergrund hingegen wirkt kühler, mit Blautönen und durch die Suggestion dazwischen liegender Luftschichten blaß und fern.

Caspar David Friedrich kann als DER Maler der deutschen Seele bezeichnet werden. Nirgends sonst in der Malerei hat eine solche Mischung aus Naturnähe, tiefer, unverfälschter Frömmigkeit und Weltschmerz einen erhabeneren Ausdruck gefunden.

„Die einzig wahre Quelle ist unser Herz, die Sprache des reinen kindlichen Gemütes. Ein Gebilde, so nicht aus diesem Borne entsprungen, kann nur Künstelei sein. Jedes echte Kunstwerk wird in geweihter Stunde empfangen und in glücklicher geboren, oft dem Künstler unbewußt aus innerem Drange des Herzens.“

Maler der deutschen Seele - Zum 175. Todestag von Caspar David Friedrich https://art-depesche.de/ Ruedi Strese