static-aside-menu-toggler
gkSearch
Ilja Repin „Sommerlandschaft – Vera Aleksejewna Repina auf einer Brücke in Abramzewo“ (1879)

Berlin - Ilja Jefimowitsch Repin gilt als wichtigster russischer Maler des 19. Jahrhunderts und als bedeutendster Vertreter des russischen Realismus. Seine Liebe zu Licht und Farbe zeigt jedoch unverkennbar impressionistische Einflüsse.
Repin wurde 1844 in Tschugujew im Gouvernement Charkow geboren (heute Teil der Ukraine), er entstammte einer Familie von Militärs. Zunächst besuchte er ab 1854 die Militärschule, ab 1856 oder 1857 ließ er sich in traditioneller Ikonenmalerei ausbilden und beschäftigte sich bis 1863 vor allem mit Ikonen und Wandgemälden. Ab 1864 studierte er an der bereits 1757 gegründeten Kaiserlichen Kunstakademie in St. Petersburg (heute: Russische Kunstakademie).

1869 erhielt er bereits eine kleine Goldmedaille für „Hiob und seine Freunde“, 1870 bereiste er mit Freunden die Wolga und widmete sich vorrangig landschaftlichen Studien, sein bekanntes Werk „Die Wolgatreidler“ geht auf diese Reise zurück. Im folgenden Jahr schloß er sein Studium hervorragend ab und erhielt ein fünfjähriges Auslandsstipendium.

Er schloß sich 1872 der russischen Realistengruppe Peredwischniki („Die Wanderer“) an, 1873 führte ihn sein Stipendium über Wien und Italien nach Paris, wo er sich mit dem Impressionismus beschäftigte und Manet kennenlernte. Repins Beitrag für den Pariser Salon 1875 blieb jedoch unbeachtet, ebenso jener im Folgejahr, worauf Repin sein Stipendium frühzeitig verwarf und sich, zurück in Rußland, dezidiert mit Themen der russischen Geschichte befaßte.
Neben den historischen Themen malte er von da an auch gerne Porträts seiner Landsleute, darunter waren Modest Mussorgski, Michail Glinka, Iwan Turgenew, Maxim Gorki und mehrfach Leo Tolstoi, der ihn im folgenden auch in seiner Weltsicht entscheidend beeinflußte (u.a. lebte Repin ab 1891 als Vegetarier).
Zwischen 1882 und 1899 pflegte er eine intensive Reisetätigkeit nach Europa, in den Orient und nach Sibirien. Als bedeutendster Maler seiner Zeit wurde er von Zar Alexander III. mit der Reformierung der Petersburger Akademie beauftragt, wo er seit 1892 eine Professur hatte.

1903 malte er in Kooperation mit seinen Schülern Boris Kustodijew und Iwan Kulikow das Historiengemälde „Festsitzung des Staatsrates am 7. Mai 1901, dem hundertsten Jahrestag seiner Gründung“. Bei der Herstellung dieses staatlichen Auftragswerkes litt er bereits an Rheuma, wodurch seine rechte Hand weitgehend gelähmt war. Er betonte, den ganzen Staatsrat mit links gemalt zu haben.
Nach der Niederlage im russisch-japanischen Krieg 1905 kam es zu sozialen Unruhen, und Repin widmete sich stärker sozialkritischen Themen. 1907 zog er sich von der Kunstakademie zurück, 1908 engagierte er sich öffentlich gegen die Todesstrafe. 1911 reiste er erneut nach Rom, anschließend verfaßte er in Kuokkola seine Lebenserinnerungen. Sein malerisches Spätwerk beschäftigt sich wieder stärker mit biblischen Themen. In Folge des Ersten Weltkrieges und der bolschewistischen Revolution wurde Kuokkola 1918 Teil Finnlands (ab 1940 erst wieder der Sowjetunion), somit starb er 1930 als finnischer Staatsbürger.

Repin gilt mit seiner Detailtreue und psychologischen Schärfe bzw. Kenntnis des Menschenantlitzes (man beachte u.a. das Mussorgski-Porträt von 1881 oder „Jude im Gebet“ von 1875) unbestritten als größter russischer Realist, in der Sowjetunion wurde ihm insbesondere wegen seiner zum Teil sozialen Themen als Vorreiter des staatlich verordneten „Sozialistischen Realismus“ Anerkennung gezollt, wobei dessen Vertreter kaum Repins Höhe erreichten. Andererseits bringt er insbesondere in den Abbildungen von Laub und Wasser impressionistisches Lichtspiel herein („Sommerlandschaft“ von 1879, „Mondlicht“) - ein spezifisch russischer Ansatz, dessen sich auch zeitgenössische russische Künstler zunehmend erinnern.

Verweise:

http://www.ilyarepin.org

Ilja Repin – ein spezifisch russischer Realismus https://art-depesche.de/images/Bridge_in_Abramtsevo_by_Repin_1024px.jpg Ruedi Strese