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Katsushika Hokusai „Die große Welle vor Kanagawa“ (Farbholzschnitt, entstanden zwischen 1823-29)

Berlin - Vom Anfang des 17. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, als der US-amerikanische Commodore Matthew Perry im Auftrag seines Präsidenten Millard Fillmore die Öffnung Japans gegenüber dem Westen erzwang, war Japan weitgehend von der Außenwelt abgeschlossen. Nur niederländischen Händlern war der Handel mit dem Inselreich in beschränktem Umfang gestattet. Diese Händler brachten auch japanische Farbholzschnitte mit nach Europa, die hier entschieden zum Japonismus, der Übernahme japanischer Elemente in die westliche Kunst, beitrugen und zahlreiche namhafte Künstler beeinflußten. Der bedeutendste dieser für Europa entdeckten Japaner dürfte Katsushika Hokusai gewesen sein.

Dieser wurde 1760 in Edo (dem heutigen Tokio) geboren, wurde mit drei Jahren von einem Spiegelmacher am Hof des Shogun adoptiert und begann als 18jähriger, nachdem er schon Erfahrungen als Holzschneider gesammelt hatte, in der Werkstatt des Katsukawa Shunsho, eines Meisters der Malerei und Farbholzschnittzeichnung zu arbeiten. 
1779 veröffentlichte er seine ersten eigenen Arbeiten unter dem Namen Katsukawa Shunro, es handelte sich um Schauspielerporträts. Die Werkstatt seines Meisters verließ er erst nach dessen Tod 1793, als dessen leitender Schüler ihn aus der Schule ausschloß. In dieser Zeit befaßte er sich bereits mit europäischer Kunst, insbesondere französischen und holländischen Kupferstichen, die er erstanden hatte. Danach zog er durch Japan, lernte bei verschiedenen Lehrern und änderte über 30 mal seinen Namen. Nebenbei war er auch als Schriftsteller tätig.

1798 hatte er seine Kunst soweit perfektioniert, daß er eigene Schüler annahm, seitdem verwendete er auch den heute bekannten Namen Hokusai – dies sollte jedoch nicht die letzte Namensänderung sein. Eine Neuerung, die weitgehend auf ihn zurückgeht, ist die Abkehr vom Schwerpunkt der Abbildung von Schauspielern und Kurtisanen; er beschäftigte sich mit Themen des täglichen Lebens in Japan und Landschaftsdarstellungen.
Mit seinen Malereien und Farbholzschnitten, die sich am etablierten Ukiyo-e-Stil orientierten, doch ihre eigene Note hatten, erreichte er eine gewaltige Popularität. Sein Schaffen umfaßte gewaltige Großgemälde, erotische Shunga-Darstellungen wie zahlreiche eher minimalistische, doch meisterliche skizzenhafte Holzschnitte, die als „Hokusai Manga“ bekannt wurden. In den 1820er Jahren war er in ganz Japan hochangesehen, seine berühmtesten Arbeiten, die Farbholzschnittserie „36 Ansichten des Berges Fuji“ einschließlich „Die große Welle vor Kanagawa“ entstanden in dieser  Zeit. Dieses Bild beeinflußte unter anderem Rainer Maria Rilke bei seinem Gedicht „Der Berg“ sowie Debussys sinfonische Dichtung „La mer“.
Die letzten Jahre seines Lebens waren von eher unglücklichen Entwicklungen geprägt. 1839 vernichtete ein Feuer sein Atelier und einen Großteil seiner Werke, aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage war er zunehmend auf Straßenverkäufe wie Auftragsarbeiten reicher Gönner angewiesen, zudem begann der Erfolg jüngerer Künstler sein Wirken zu überschatten. Er hörte jedoch nie auf, zu malen. 1849 soll er auf seinem Sterbelager ausgerufen haben: „Wenn der Himmel mir nur zehn weitere Jahre geben würde... nur fünf weitere Jahre, dann könnte ich ein richtiger Maler werden!“

Für die europäische Kunst bedeutend wurde er jedoch vor allem durch den Eindruck, den später seine Arbeiten sowie die einiger seiner Landsleute auf hiesige Künstler machten. Zu seinen Bewunderern (und oft auch Sammlern seiner Kunst) zählten Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Egon Schiele, Gustav Klimt, James McNeill Whistler, Edgar Degas, Franz Marc, August Macke und Édouard Manet. Gauguin übernahm die einfarbigen Flächen, van Gogh ließ sich direkt von Hokusai und Hiroshige inspirieren. In einem Brief an seinen Bruder Theo schrieb er über sein Bild „Rhonebarken“ (1888), es sei „ein reiner Hokusai“. Schließlich wäre der gesamte Jugendstil ohne den japanischen Einfluß so wohl kaum denkbar gewesen.

Verweise:

http://www.rp-online.de/kultur/vincent-van-gogh-kommt-uns-japanisch-vor-aid-1.4563502
http://www.wa.de/kultur/monet-gauguin-gogh-inspiration-japan-museum-folkwang-hokusai-hiroshige-utamaro-3944984.html

Katsushika Hokusai, Meister der Farbholzschnitte https://art-depesche.de/images/The_Great_Wave_off_Kanagawa_1024px.jpg Ruedi Strese