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Emile Bernard „Bretonische Bauern auf einer Wiese“ (Öl auf Karton, 1892)

Berlin - Emile Bernard, geboren 1868 in Lille, verstorben 1941 in Paris, wird heutzutage gerne als einer der wenigen echten Freunde und Verteidiger van Goghs zu dessen Lebzeiten lobend erwähnt, ebenso als Unterstützer von Gauguin und früher Bewunderer Cézannes und Bretons. Dabei verdient auch sein malerisches Werk selbst durchaus Beachtung.

1884 war er in die Schule des akademischen Realisten Ferdinand Cormon eingetreten, wo er Louis Anquetin und Henri de Toulouse-Lautrec kennenlernte, wurde jedoch 1886 wegen zu stark von denen Cormons abweichenden künstlerischen Ansichten ausgeschlossen. In Folge reiste er nach Pont-Aven, wo sich eine Malerschule um Gauguin gebildet hatte, mit dem Bernard jedoch zunächst wenig Kontakt hatte. Im folgenden Winter freundete er sich mit van Gogh an, mit dem er in regelmäßigen Austausch trat, seine Werke in dieser Zeit waren stark am Pointillismus (auch bekannt als Divisionismus oder Neoimpressionismus) orientiert.
Allerdings begeisterte er sich, wie nicht wenige Künstler seiner Zeit, zunehmend für japanische Farbholzschnitte, und gemeinsam mit seinem Freund Louis Anquetin entwickelte er 1887/88 im Rahmen der Schule von Pont-Aven einen von diesen inspirierten neuartigen Stil, der, anders als der Impressionismus und später der Pointillismus,  nicht Entgrenzung und Auflösung des Gegenstands suchte, sondern im Gegenteil Begrenzung durch abgeschlossene Farbflächen.
Der französische Kunstkritiker Édouard Dujardin prägte dafür den passenden Namen: Cloisonismus, abgeleitet vom französischen Wort „cloison“ („Scheidewand“). Wie die japanischen Vorbilder lehnte er die Zentralperspektive ab, der Bildinhalt wurde deutlich reduziert, Flächen wurden stark abgegrenzt und mit meist kräftigen Farben gleichmäßig ausgefüllt. Dazu verfaßte Bernard die entsprechenden kunsttheoretischen Schriften.
Diese Ansätze machten einen starken Eindruck auf Gauguin, der sich davon beeinflussen ließ und in Folge mit Bernard, Anquetin und anderen der Schüler von Pont-Aven den Cloisonismus unter Zunahme symbolistischer Elemente zum Synthetismus weiterentwickelte. In einer Synthese von Wahrnehmungs- und Vorstellungswelt sollten die äußerliche Erscheinung der Natur, die Gefühle des Künstlers darüber und ästhetische Gesichtspunkte von Linie, Farbe und Form gleichsam Beachtung finden. Allerdings hat Gauguin den Einfluß Bernards kaum gewürdigt, was dieser ihm durchaus übel nahm. 
Diesem Stil des Synthetismus blieb Bernard auch in Folge treu, wobei er sich jedoch zunehmend katholischer Mystik zuwandte, bisweilen wurde ihm auch Verflachung vorgeworfen. Unbestritten ist jedoch sein nachhaltiger Einfluß auf andere Künstler. Vor allem die Werke Gauguins ab Ende der 1880er Jahre zeigen deutlich die Spuren der bernardschen Ideen, stellvertretend genannt seien „Vision nach der Predigt“ (1888) oder „Der gelbe Christus“ (1889). Auch Paul Sérusier und verschiedene Mitglieder seiner Gruppe der Nabis, einschließlich Henri Matisse ließen sich vom Cloisonismus beeinflussen, ebenso wie später einige Expressionisten.

Emile Bernard und der Cloisonismus https://art-depesche.de/images/Emile_Bernard_Breton_Peasants_in_a_Meadow_1892_1024px.jpg Ruedi Strese