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Giacomo Balla „Dynamismus eines Hundes an einer Leine“ (Öl auf Leinwand, 1912)

Berlin - 1871 in Turin geboren, wo er auch kurzzeitig studierte, zog es Giacomo Balla 1895 nach Rom, wo er als akademischer Maler, Karikaturist und Illustrator einige Erfolge erzielen konnte; 1899 waren seine Arbeiten auf der Biennale di Venezia zu sehen. Ein Aufenthalt in Paris 1900-1901 machte ihn mit dem Impressionismus und noch mehr dem Divisionismus, wie er von Georges Seurat, Paul Signac oder Henri-Edmond Cross vertreten wurde, vertraut, und er begann, sich gezielt mit Fragen der Farbwirkungen und des Lichtspiels zu befassen.

Zurück in Rom begegnete er Gino Severini und Umberto Boccioni, welche er in der divisionistischen Malweise unterrichtete. Er selbst geriet immer mehr unter den Einfluß des Dichters Filippo Tommaso Marinetti und lehnte sich an dessen Ideen der künstlerischen Umsetzung von Licht, Dynamik und Geschwindigkeit an. 1910 gehörte er mit Boccioni und Severini zu den Unterzeichnern des von Marinetti verfaßten futuristischen Manifests. 
Neben der Malerei entwarf er futuristische Möbel und Bekleidungsstücke. Sein Bild „Dynamismus eines Hundes an der Leine“ von 1912 war der Versuch einer futuristischen Bewegungsanalyse, es soll bei den Betrachtern zu großer Heiterkeit geführt haben. Ein kleiner Hund und die Beine einer Frau sind in aufeinanderfolgenden Bewegungsphasen zu sehen, um den Mechanismus des Gehens zu veranschaulichen. Weiterhin begleitete ihn zum Teil die divisionistische Malweise, die er zur Darstellung von Bewegung nutzte, etwa in „Bambina che corre sul balcone (Ein Mädchen läuft über den Balkon)“ von 1912.
Im Frühjahr 1913 nahm er an einer Ausstellung der Galerie „Der Sturm“ in Berlin teil, welche 1912 mit einer Wanderausstellung der Expressionisten-Gruppe „Blauer Reiter“ eröffnet hatte. Hiermit wurden die Futuristen erstmals einer großen Öffentlichkeit bekannt. Im selben Jahr beteiligte Balla sich an futuristischen Ausstellungen in Rom und Rotterdamm sowie an Herwarth Waldens erstem Berliner Herbstsalon. 

Ballas Werke zwischen 1913 und 1916 gehören mit ihrer systematischen Zerlegung von Farbe und Licht, wenn auch auf Naturbeobachtung beruhend, zum abstraktesten, was der Futurismus hervorgebracht hat. Ein „Merkurdurchgang vor der Sonne“ (1914) beispielsweise ist dabei ästhetisch als außerordentlich gelungen und stimmungsvoll zu bezeichnen. 
1914 begann er, zusätzlich Skulpturen anzufertigen, 1917 arbeitete er als Bühnenbildner für das damals in Paris ansässige russische Ballett eines Sergei Pawlowitsch Djagilew, welcher im Laufe seiner Arbeit unter anderem auch Pablo Picasso, Georges Braque und Henri Matisse beschäftigt hatte. Während des Ersten Weltkriegs wurde Ballas Studio Anlaufpunkt für zahlreiche junge Künstler, danach ging die Bedeutung des Futurismus und auch Ballas etwas zurück, allerdings stand er bei der nationalistisch orientierten zweiten futuristischen Welle wieder mehr im Vordergrund.
Ab etwa 1930 fand er zur Gegenständlichkeit zurück, 1935 wurde er Mitglied der römischen „Accademia di San Lucia“ und brach zwei Jahre später mit dem Futurismus. 1955 konnte er immerhin auf der documenta 1 in Kassel ausstellen. Giacomo Balla starb 1958 in Rom, die documenta 8 zeigte im Jahr 1987 ebenfalls einige seiner Arbeiten. Sein überaus originelles und vielschichtiges Oeuvre verdient sicherlich auch heute Beachtung.

Giacomo Balla – vom Futurismus zur Abstraktion https://art-depesche.de/images/Giacomo_Balla_1912_Dinamismo_di_un_Cane_al_Guinzaglio_Dynamism_of_a_Dog_on_a_Leash_Albright-Knox_Art_Gallery_1024px.jpg Ruedi Strese