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Mariotto Albertinelli „Heimsuchung“ (1503)

Berlin - Mariotto Albertinelli, Maler der Florentiner Hochrenaissance, ist vor allem als Freund und Mitarbeiter des Baccio della Porta, bekannter unter seinem späteren Ordensnamen Fra Bartolommeo, in die Kunstgeschichte eingegangen.
1474 in Florenz geboren, lernte er die Malerei in der Werkstatt Cosimo Rossellis, wo Baccio sein Mitschüler war. Vasari zufolge soll Baccio damals bereits der erkennbar talentiertere gewesen sein, und Albertinelli zeichnete in den Gärten der Medici antike Skulpturen, um seine Fähigkeiten zu verbessern.

Die beiden verstanden sich allerdings so gut, daß sie 1494 eine gemeinsame Werkstatt eröffneten, wobei sie viele Bilder gemeinsam schufen, sogar ein gemeinsames Signum hatten. Baccio war dabei der hinsichtlich Komposition und Stil bestimmende Teil, denn zwischen seinen eigenen Werken und den Gemeinschaftsarbeiten mit Albertinelli bis 1500 besteht wenig Unterschied, wohingegen Albertinelli sich in seinen ganz eigenen Schöpfungen stärker an Raffael und einigen altniederländischen Meistern orientierte.
1500 allerdings änderte sich die Situation grundlegend, denn unter dem Einfluß des dominikanischen Bußpredigers Girolamo Savonarola beschloß Baccio, Mönch zu werden. Er vernichtete einen Teil seiner weltlichen Bilder und widmete sich, nun als Fra Bartolommeo, religiösen Dingen. Der Malerei entsagte er für einige Jahre.
Albertinelli führte die Werkstatt alleine fort und vollendete zuerst Baccios „Jüngstes Gericht“, 1503 malte er mit der „Heimsuchung“ (heute zu sehen in den Uffizien von Florenz) sein bedeutendstes eigenes Werk. 1506 begann er, Fra Bartolommeos Bruder zum Maler auszubilden. 
Als Fra Bartolommeo 1509 die Malerei wieder aufnahm, tat er sich, unterstützt vom Florentiner Dominikanerkloster San Marco,  wieder mit Albertinelli in einer neuen Werkstatt zusammen, diese erneute Kooperation, in welcher Albertinelli nun gleichberechtigter Partner war (wobei künstlerisch weiterhin Fra Bartolommeo dominierte), dauerte bis 1512, als Albertinelli aufgrund übler Nachrede das Malen aufgab und sich als Schankwirt verdingte.
Dies war jedoch nur eine kurze Phase, er ging bald nach Rom und schließlich Viterbo und versuchte sich erneut als Maler,  erkrankte jedoch bald schwer und wurde nach Florenz zurückgebracht, wo er 1515 verstarb. Sein letztes begonnenes Bild, eine Marienkrönung, wurde 1542 von Fra Paolini da Pistoia fertiggestellt.
Die Begabung Albertinellis gilt als unbestritten, allerdings waren die Jahre eigenständiger Tätigkeit wenige zu jenen, in welcher er als Partner Fra Bartolommeos in dessen Schatten stand. Die großen religiösen Bilder werden (außer der „Heimsuchung“) als wenig ausgereift angesehen, als besonders gelungen gelten hingegen seine kleinen Andachtsbilder, bei denen er sich an Raffael orientierte.

Mariotto Albertinelli - im Schatten Fra Bartolommeos https://art-depesche.de/images/Albertinelli_Visitation_1024px.jpg Ruedi Strese