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Johan Jongkind „Die Seine und Notre-Dame in Paris“ (1864)

Berlin - Der Niederländer Johan Barthold Jongkind ist heutzutage vor allem als „Vorläufer des Impressionismus“ bekannt. Dies trifft sicherlich in gewisser Weise zu, wird ihm aber keineswegs gerecht, denn sein überaus eigenständiges Werk hat auch in sich selbst eine große Bedeutung.

Er wurde 1819 in Lattrop geboren, nahe zur deutschen Grenze, als Sohn eines Steuereintreibers. Er studierte zuerst in Den Haag und zog 1846 nach Paris, wo der ganz der Romantik verschriebene Eugène Isabey (1803-1886) und der Historienmaler Francois-Édouard Picot (1796-1868) zu seinen Lehrern gehörten, zudem ließ er sich vom Realismus eines Corot beeinflussen. Zwei Jahre darauf konnte er im Pariser Salon ausstellen; Baudelaire zeigte sich begeistert, allerdings wollte sich der Erfolg nicht einstellen, und Jongkind versank in Alkoholismus und Depressionen.

1855 ging er nach Rotterdam, 1860 jedoch wieder nach Paris, wo er im Folgejahr ein Studio mietete. Die Bilder dieser Zeit zeigten bereits proto-impressionistische Züge. 1862 lernte er in der Normandie Alfred Sisley, Eugène Boudin und Claude Monet kennen, die sich von ihm beeinflussen ließen. Ein Jahr später gehörte er neben Édouard Manet, Camille Pissarro, James McNeill Whistler oder Gustave Courbet mit zu den Ausstellern des ersten „Salons der Zurückgewiesenen“; eine Einladung zur Teilnahme an der ersten impressionistischen Gruppenausstellung 1874 nahm er jedoch nicht an. 1878 zog er in eine Kleinstadt bei Grenoble, wo er 1891 auch starb – in einem Irrenhaus, wie es heißt.

Große Erfolge waren Jongkind Zeit seines Lebens nicht beschieden, er kann als ein Paradebeispiel des zu Lebzeiten verkannten, unglücklichen Künstlers gelten. Seine lichtvolle Kunst steht dazu in scharfem Gegensatz. Er malte mit kräftigem Strich atmosphärische, kontrastreiche Landschaften, dabei spielte das Wasser eine große Rolle. Wie später die Impressionisten legte er dabei besonderen Wert auf die Wirkung des Lichts. Oft malte er im Freien Vorlagen mit Wasserfarben, die später als Vorlagen für im Studio gefertigte Ölgemälde dienten, wobei jedoch nach Einschätzung mancher Kunsthistoriker die Aquarelle von höherem Rang sind.

Johan Jongkinds Proto-Impressionismus https://art-depesche.de/images/Johan_Barthold_Jongkind_The_Seine_and_Notre-Dame_in_Paris_1024px.jpg Ruedi Strese