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Hans von Marées „Selbstbildnis mit gelbem Hut“ (1874, Öl auf Leinwand, Alte Nationalgalerie Berlin)

Berlin - Hans von Marées dürfte zu den bedeutendsten deutschen Malern des 19. Jahrhunderts zählen. Mit einem romantisch geprägten Klassizismus, der das Experiment nicht scheute, und beeindruckenden Portraits hat er einen ganz eigenständigen Platz in der Kunstgeschichte erobern können.

Er wurde 1837 in Elberfeld (heute Teil von Wuppertal) als Abkömmling alten französisch-niederländischen Adels geboren, der Vater war preußischer Kammerpräsident. Schon in jungen Jahren war sein großes zeichnerisches Talent erkennbar und er begann bereits 1854 an der Berliner Kunstakademie zu studieren. Sein Lehrer war zunächst der auf Historienbilder und vor allem Tierdarstellungen spezialisierte Carl Steffeck, selbst Schüler des Pferdemalers Franz Krüger, von dem er sich jedoch bereits im Folgejahr wieder trennte.
1857 ging er nach München, wo er sich mit den in Folge vor allem als Landschafter bekannt gewordenen Anton Teichlein und Adolf Lier sowie dem späteren „Münchener Malerfürsten“ Franz von Lenbach anfreundete. Die vier einte eine Abwendung von der akademischen Münchener Malerei und eine Hinwendung zu den alten niederländischen Meistern, bevorzugt malte er Landschaften, Militärmotive und ausdrucksstarke Portraits.

1864 schickte ihn sein Mäzen Adolf Friedrich Graf von Schack gemeinsam mit von Lenbach zum Kopieren von Bildern nach Rom, es kam jedoch 1968 zum Bruch mit ersterem. Er lernte den Bildhauer Adolf von Hildebrand kennen, dieser schloß ihn besonders ins Herz und nahm ihn als Schüler an. Zudem fand sich nun mit dem Kunsttheoretiker Konrad Fiedler ein neuer Unterstützer. Mit diesem reiste er 1869 nach Holland, Spanien und Frankreich; beeinflußt von Eugène Delacroix kam er zu einer stärkeren Beachtung der Farben.
1870/71 diente er im Deutsch-Französischen Krieg, anschließend ging er mit Hildebrand nach Berlin und später allein nach Dresden. 1873 hatte er den größten Auftrag seines Lebens, als er, finanziert von Konrad Fiedler, die Wände der Bibliothek der Zoologischen Station in Neapel mit  beeindruckenden Fresken versah.

Darauf ging er nach Florenz, wo er sich mit den Deutschrömern Arnold Böcklin und Anselm Feuerbach anfreundete; deren von der Renaissance inspiriertem Idealismus hatte er sich früher bereits angenähert. Er trennte sich von Hildebrand und ging nach Rom, wo er bis zu seinem Tode 1887 zurückgezogen lebend, sich mit antiken und mythologischen Themen befaßte; Inspiration gaben ihm Werke Raffaels und antike Skulpturen. Die Arbeiten seiner letzten Jahre sind von einem Klassizismus höchster Ordnung geprägt, Vollkommenheitsstreben in Ausdruck und Technik verbinden sich mit einer beeindruckenden Farbkraft.
Hans von Marées ist auf dem protestantischen Friedhof in Rom bestattet. Sein Werk ist in den großen deutschen Museen gut vertreten, Fiedler vermachte eine ganze Anzahl der Neuen Pinakothek in München, aber auch die Alte Nationalgalerie in Berlin, die Staatliche Graphische Sammlung München und das Von der Heydt-Museum Wuppertal besitzen nennenswerte Bestände.

Hans von Marées – deutscher Idealismus im Bann der Renaissance https://art-depesche.de/images/1874_Marees_Selbstbildnis_mit_gelbem_Hut_anagoria_1024px.jpg Ruedi Strese