static-aside-menu-toggler
gkSearch
Charles Angrand „Pfad auf dem Land“ (Öl auf Leinwand, etwa 1886)

Berlin - Charles Théophile Angrand, Jahrgang 1854, aus der Normandie, lernte das Handwerk zunächst in Rouen. 1875 ging er erstmalig nach Paris, um an der École des Beaux Arts Werke Corots zu betrachten, welcher auf seine frühen Arbeiten einen entscheidenden Einfluß hatte. Er selbst bewarb sich zum Studium an dieser Akademie, wurde jedoch abgewiesen.

1882 zog er allerdings nach Paris, wo er zunächst als Mathematiklehrer arbeitete. Er freundete sich mit verschiedenen Künstlern der damaligen Avantgarde an, darunter Henri-Edmond Cross, Paul Signac und Georges Seurat. 1884 gehörte er dann auch zu den Mitbegründern der bis heute bestehenden „Société des Artistes Indépendantes“. Diese Vereinigung stellte im „Salon der Unabhängigen“ zuerst regelmäßig Gemälde von Künstlern aus, die vom Pariser Salon zurückgewiesen wurden.
In den frühen 1880er Jahren orientierte er sich mit seinen meist ländlichen Szenen an der lichtvollen Malerei Monets und Pissarros, durch die Kontakte mit Signac und Seurat wandte er sich dem Neo-Impressionismus zu. 1887 traf er van Gogh, der einen künstlerischen Austausch vorschlug und sich durch Angrands kräftigen Pinselstrich beeinflussen ließ. 
Im Vergleich zu Seurat und Signac nutzte Angrands Variante des Neo-Impressionismus deutlich zurückhaltendere Farben, oft Grün- und Brauntöne, der Wiedergabe von Licht und Schatten durch verschiedenfarbige Punkte galt sein besonderes Augenmerk. Signac selbst verehrte Angrand: „...seine Zeichnungen sind Meisterwerke. Es wäre unmöglich, sich eine bessere Nutzung von Weiß und Schwarz vorzustellen... Es sind die schönsten Zeichnungen, Dichtungen des Lichts, von feiner Komposition und Ausführung.“
In den frühen 1890er Jahren wandte er sich von der Ölmalerei ab, stattdessen wurden Zeichnungen und Pastelle sein Schwerpunkt. Wie Signac, Théo van Rysselberghe und andere Neo-Impressionisten arbeitete er auch für anarchistische Publikationen. Um 1906 fand er zur Malerei zurück, diesmal nutzte er kräftigere Farben, entwickelte jedoch auch hierbei eine eigene Technik mit größeren Pinselstrichen. In den letzten Jahren lebte er eher zurückgezogen in Rouen, wo er 1926 starb.

Der Neo-Impressionist Charles Angrand https://art-depesche.de/images/Charles_Angrand_Path_in_the_Country_1024px.jpg Ruedi Strese