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Vincent van Gogh „Blühender Obstgarten mit Blick auf Arles“ (Öl auf Leinwand, 1889) | Quelle: http://en.wikipedia.org | Bild: Vincent van Gogh - repro from artbook

Berlin - Ab 1886 hatte sich Vincent van Gogh in Paris aufgehalten und sich mehr schlecht als recht durchgeschlagen. Ausstellungen seiner Bilder waren weitgehend erfolglos geblieben, trotz des künstlerischen Zusammenschlusses mit bereits vergleichsweise bekannten Zeitgenossen. Als prägend erwiesen sich allerdings die dortige Beschäftigung mit dem Impressionismus als seinerzeit vorherrschendem Stil sowie mit Ukiyo-e, japanischen Farbholzschnitten von Künstlern wie Katsushika Hokusai, die er zu sammeln begann: es entstand van Goghs ureigenster Stil, welcher behelfsweise dem Potpourri des „Post-Impressionismus" zugeordnet wird.

In der Großstadt fühlte er sich unwohl, Spannungen mit den Malerkollegen sowie das Verbot, auf der Straße zu malen, taten ihr Übriges, und der unglückliche van Gogh beschloß, Paris zu verlassen. Im Februar 1888 reiste der damals 34jährige nach Arles in Südfrankreich, um dem kalten Winter des Nordens zu entgehen und die „blauen Töne und heiteren Farben“ des Südens zu finden.
Der Plan war ursprünglich gewesen, nach Marseille weiterzureisen, wo er für seinen Bruder Theo als Kunsthändler arbeiten wollte, was jedoch nicht geschah. Die 16 Monate in Arles sollten sich als produktive Hochzeit des Künstlers erweisen, sagenhafte 187 Gemälde kamen in dieser Zeit zustande.

Die ersten Wochen lebte er dort in einer Pension, im März entstanden die blühenden Obstgärten. Ab April oder Mai konnte er ein Atelier im „Gelben Haus“ mieten, wo er später auch wohnen wollte. Im Mai schuf er „Die Brücke von Langlois“ sowie nach einem Ausflug die „Fischerboote am Strand von Les Saintes-Maries“. Im Juni unterbreitete er Paul Gauguin, den er bereits in Paris kennengelernt hatte, den Vorschlag, in Arles gemeinsam eine Künstlerkolonie zu gründen. Das „Gelbe Haus“ sollte zum „Atelier des Südens“ werden, wo Künstler gemeinsam lebten und arbeiteten.  Von mehreren gefragten Künstlern gab jedoch lediglich Gauguin sein Einverständnis, nachdem Theo van Gogh ihm die Übernahme der Reisekosten sowie eine monatliche Finanzhilfe zugesagt hatte.

Im August entstanden die zur Einrichtung des Gelben Hauses bestimmten Sonnenblumenbilder, ab September konnte van Gogh tatsächlich dort einziehen. Er schuf ohne Unterlaß, nicht zuletzt, um seinen Bruder für die großherzige Unterstützung zu entschädigen. Am 23. Oktober traf Gauguin in Arles ein, die beiden malten  zusammen unter anderem „Les Alyscamps“, allerdings kam es rasch zu immer stärkeren Spannungen, welche schließlich am 23. Dezember in dem berühmten Streit kulminierten, in dessen Folge van Gogh sich nach Darstellung Gauguins (der indes auch selbst als Täter in Frage kommt) einen Teil eines Ohrs abschnitt (ob des linken oder rechten ist gleichfalls umstritten). Van Gogh wurde jedenfalls am nächsten Morgen bewußtlos und durch Blutverlust stark geschwächt gefunden. Gauguin benachrichtigte Theo und reiste unverzüglich nach Paris ab.

Zwei Wochen verbrachte er wegen des Blutverlustes im Krankenhaus, die nächste Zeit war bereits von zunehmenden Wahnvorstellungen und Depressionen geprägt, und ein neuerlicher Anfall im Februar 1889 machte einen weiteren Krankenhausaufenthalt erforderlich. Unmittelbar nach der Entlassung forderten Bürger, die sich aufgrund seines „unheimlichen Verhaltens“ fürchteten, vom Bürgermeister von Arles seine Internierung, was dann zwangsweise auch geschah. Im April wurde er wiederum entlassen, ließ sich jedoch, da er fürchtete, alleine nicht zurechtzukommen und vielleicht auch, seinen Bruder zu sehr zu belasten, im Mai in Saint-Rémy-de-Provence in die Nervenheilanstalt einweisen, wo er einige weitere Monate seines kurzen Lebens zwischen brillianter Schöpferkraft und abgründiger Seelenqual verbringen sollte...

Heitere Farben und Seelenfinsternis - Vincent van Gogh in Arles https://art-depesche.de/images/Van_Gogh_-_Blhender_Obstgarten_mit_Blick_auf_Arles.jpeg Ruedi Strese