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Théodore Rousseau „Die Eichen von Apremont“ (Öl auf Leinwand, 1852)

Berlin - Théodore Rousseau ist als Vertreter des französischen Realismus vielleicht nicht ganz so bekannt wie Gustave Courbet oder Camille Corot. Als Begründer der Pleinairmalerei und der dieser gewidmeten „Schule von Barbizon“ hatte er jedoch einen ganz erheblichen Einfluß auf folgende Künstlergenerationen, namentlich die Impressionisten.
Rousseau wurde 1812 in Paris in einer bürgerlichen Familie geboren, sein Interesse an der Malerei zeigte sich früh, sein erster Lehrer wurde sein Cousin, der Landschaftsmaler Alexandre Pau de Saint-Martin. Der nächste Lehrer, auch noch in frühen Jugendjahren, war Jean-Charles-Joseph Rémond, gleichfalls Landschafter. Von 1828 bis 1829 lernte er bei dem Historienmaler Guillaume Guillon-Lethière, es folgten Studienreisen in die Auvergne und die Normandie.

1831 reichte er erstmals eine Arbeit in den Pariser Salon ein, das Landschaftsbild aus der Auvergne fand durchaus Anerkennung, jedoch wiederholte sich dieser Erfolg in den nächsten Ausstellungen des Salons nicht, von 1836 bis 1841 wurden sogar sämtliche seiner Werke abgewiesen, weshalb er (sogar bisweilen als „Der große Abgelehnte“ bezeichnet) bis 1849, als dann alle drei seiner Einsendungen angenommen wurden und er zudem die Medaille Erster Klasse bekam, von weiteren öffentlichen Ausstellungen absah. In diesen Jahren der Ablehnung durch de Salon entstanden allerdings einige seiner später geschätztesten Werke.
Bereits 1832/33 hatte er angefangen, in der freien Natur zu malen, im Winter 1836/37 kam er erstmals nach Barbizon, einer Gemeinde am Wald von Fontainebleau. Die Landschaft beeindruckte ihn, und er kehrte nun jährlich dorthin zurück, bis er sich 1848 mit seiner Frau dort endgültig niederließ. In Barbizon entwickelte er die als „Paysage intime“ bezeichnete Stilrichtung innerhalb der Landschaftsmalerei, wobei kleine Landschaftsausschnitte gezeigt werden, eine gewisse Nähe zum Biedermeier bzw. der späten Romantik ist feststellbar, zudem wurde der Ansatz später von den Impressionisten übernommen.

Rousseau war nun ein weithin anerkannter Maler, der seine Bilder gut verkaufen konnte und auch zunehmend Anhänger und Freunde um sich scharte, die sich bei Barbizon ebenfalls der Freilichtmalerei widmeten, darunter Camille Corot (der seinerseits mit Camille Pissarro einen der bedeutendsten Impressionisten zum Schüler hatte), Karl Bodmer, Jean-Francois Millet und Charles-Francois Daubigny.
1853 wurden in einer Ausstellung sämtliche der abgelehnten Bilder Rousseaus zusammen in einer Ausstellung gezeigt, allerdings folgten ab etwa 1860 unglückliche Jahre, seine Frau verfiel dem Wahnsinn, die Verkäufe seiner Bilder gingen stark zurück und seine eigene Gesundheit verschlechterte sich zusehends, so daß er 1867, im Alter von nur 55 Jahren, starb. Er ist auf dem Friedhof von Chailly-en-Bière neben seinem Freund Millet bestattet, der sich die letzten Jahre aufopferungsvoll um ihn gekümmert hatte.
Die von ihm gegründete Künstlerkolonie in Barbizon bestand nur wenige Zeit über seinen Tod hinaus, der Einfluß, nicht nur unmittelbar auf seine Schüler und Mistreiter, sondern auch mittelbar auf die Impressionisten war gewaltig. Rousseaus Stil war eine gewaltige Neuerung gewesen, die erst nach seinem Tod in ihrer Bedeutung erkannt wurde. Die Darstellung der kleinen Landschaften ist detailgenau und realistisch und dabei doch von einer melancholischen und poetischen Stimmung geprägt.

Théodore Rousseau: Pleinairmalerei am Wald von Fontainebleau https://art-depesche.de/images/Chnes_Apremont_by_Rousseau_Louvre_RF1447_n1.jpg Ruedi Strese