"Der Tiger" - Expressionismus: Zum 100. Todestag Franz Marcs

Franz Marc „Der Tiger“ (1912, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München)

Berlin - Vor 100 Jahren, am 4. März 2016, kehrte der Kriegsfreiwillige Franz Marc, Leutnant der Landwehr, von einem Erkundungsritt östlich von Verdun nicht zurück, er war von einem Granatsplitter getroffen worden. 36jährig war damit der zweite der beiden größten deutschen Expressionisten gestorben, bereits im September 1914 war sein naher Freund August Macke gefallen. Ob diese beiden Großen nun Frühvollendete waren oder Unvollendete blieben? Es deutet eher auf letzteres hin.

Franz Marc, Jahrgang 1880, hatte sich zunächst an der akademischen Malerei seiner Zeit orientiert, dann eher am Impressionismus, fand jedoch, parallel zu August Macke, den er 1910 kennenlernte, zu einem eigenen Stil, in dem Einschläge von Cézanne, Gauguin, van Gogh und den Fauves zu finden sind; berühmt sind seine Tierdarstellungen, in denen sich klare Flächen von großer Farbigkeit begegnen (u.a. „Blaue Pferde“, 1911).

1911 war er gemeinsam mit Wassily Kandinsky Mitbegründer der Redaktionsgemeinschaft des „Blauen Reiters“, einer Secession von der Neuen Münchener Künstlervereinigung. Der „Blaue Reiter“, eher ein loses Netzwerk denn eine programmatisch zusammenhängende Künstlergruppe, gab erstmals 1912 ein Almanach heraus und veranstaltete mehrere Ausstellungen, an denen neben Marc und Kandinsky u.a. auch August Macke, Henri Rousseau und Robert Delaunay vertreten waren. Insgesamt war dieses Projekt Marcs vielleicht die wichtigste Keimzelle der anbrechenden Modernen Kunst in Deutschland.

Unter dem Eindruck des orphischen Kubismus und des Futurismus begann er, seine Bilder in geometrisch klare Fläche zu zerlegen („Der Tiger“, 1912) und wandte sich schließlich vollständig vom Gegenständlichen ab („Kämpfende Formen“, 1914)  – wie sein Werk sich weiter entwickelt hätte, muß wohl Spekulation bleiben.

Legendär blieb die Naturliebe dieses empfindsamen Künstlers. Auf seinem Hof hielt er ein Reh, einen Hund und Katzen. Es heißt, die Verbundenheit zu diesen sei so stark gewesen, daß, nicht lange, nachdem er gefallen war, auch alle seine Tiere starben. Marc war zuerst im Park des Schlosses Gussainville bei Braquis beigesetzt worden; später ließ sein Witwe Maria Marc seinen Leichnam nach Kochel am See überführen, wo das Paar nun gemeinsam bestattet liegt.