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Fernand Khnopff „Die verlassene Stadt“ (Pastell und Stift, 1904)

Berlin - Neben dem morbiden James Ensor gilt der Maler, Graphiker, Bildhauer und Kunstschriftsteller Fernand Khnopff als bedeutendster Vertreter des Symbolismus in Belgien.
Khnopff wurde 1858 in Grembergen bei Dendermonde in Flandern geboren und wuchs in Brügge auf. Später zog er mit den Eltern nach Brüssel, wo er zunächst auf väterlichen Wunsch Jura studierte. Schließlich widmete er sich jedoch seinem eigentlichen Interesse, der Malerei und schrieb sich an der Brüsseler Kunstakademie ein.

Dort soll er auch Ensor kennengelernt haben, die beiden seien sich jedoch von Anbeginn unsympathisch gewesen. Khnopffs wichtigster Lehrer wurde Xavier Mellery (1845-1921), der sich u.a. mit Landschaften und Portraits befaßte und bereits als Vorläufer des Symbolismus gilt, die frühen eigenen Werke stehen jedoch unter starkem naturalistischem Einfluß.
Reisen nach Paris 1877 machte ihn mit dem prägenden Werk Eugène Delacroix’ und Gustave Moreaus vertraut. 1878 begann er dort eine Fortsetzung seines Studiums an der Pariser Académie Julian. In Folge lernte er die Werke der Präraffaeliten um Dante Gabriel Rossetti und Edward Burne-Jones kennen, deren mystischer Ansatz ihn stark beeindruckte. 
Später lernte er Moreau persönlich kennen und verschrieb sich zusehends selbst dem Symbolismus. Gemeinsam mit Ensor gehörte er 1883 zu den Begründern der Société des Vingt (Die Zwanzig), welcher zudem auch die Post- bzw. Neoimpressionisten Theo van Rysselberghe und Eugène Boch angehörten. 1884 durfte er erstmals auf dem Pariser Salon ausstellen, womit er als künstlerisch und gesellschaftlich arriviert gelten konnte.

1889 reiste er nach England, wo er nun gute persönliche Kontakte zu den führenden Präraffaeliten knüpfen konnte, es entstand eine enge Zusammenarbeit. 1898 war er auf der ersten Ausstellung der Wiener Secession mit ganzen 21 Werken vertreten und beeindruckte Gustav Klimt nachhaltig. Ein besonderer Bewunderer wurde Joséphin („Sâr“) Péladan, der französische Schriftsteller und Okkultist, welcher nicht zuletzt als Gründer des christlich-mystischen „Ordre de la Rose Croix Catholique et esthétique du Temple et du Graal“ in die Geschichte einging.

Seine bevorzugten Modelle waren seine Schwester Marguerite und eine junge Engländerin; gerne nutzte er Fotografien als Vorlage seiner Werke. Er versuchte sich an verschiedensten Medien; Kreide, Bleistift, Aquarell, Pastell und Öl benutzte er und kombinierte er auch nach Bedarf. Allgemein war Khnopff als Künstler hochangesehen, er befaßte sich mit Plastiken und Bühnendekorationen, entwarf dekorative Paneele, war als Kunstjournalist und -schriftsteller tätig. Er starb 1921 in Brüssel, wo sich auch seine letzte Ruhestätte befindet.
Khnopffs Arbeiten erzeugen eine mystische Atmosphäre voll geheimnisvollen Schweigens, insbesondere seine kalt-traumhaften und hintergründigen Frauengestalten und verzauberten Gebäude wissen bis heute zu faszinieren. Die von Vertretern des deutschen Symbolismus und Jugendstils wie Franz von Stuck, Fidus, Ludwig Fahrenkrog oder Karl Wilhelm Diefenbach erzeugten Atmosphären sind hier zum Teil schon vorweggenommen.

Mystisches Schweigen: Der Symbolismus des Fernand Khnopff https://art-depesche.de/images/Khnopff-verlorene-stad_gr_1024px.jpg Ruedi Strese