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Achille Empéraire „Das Duell“ (1895)

Berlin - Achille Empéraire ist heutzutage als Maler kaum bekannt. Eine interessante Figur für die Kunstgeschichte ist er dennoch, nicht zuletzt durch seine Freundschaft mit Paul Cézanne.

Empéraire wurde 1829 in Aix-en-Province geboren, dem selben Ort, in welchem zehn Jahre später Cézanne das Licht der Welt erblickte. Der Vater des körperlichen Zwerges war Beamter. Von 1844 bis 1856 nahm Achille Zeichenunterricht in Aix. 1857 ging er nach Paris an die Malschule des Historienmalers Thomas Couture (weitere von dessen Schülern waren u.a. Anselm Feuerbach und Édouard Manet). Cézanne, der 1858 erst die Schulzeit abschloß, lernte er aber erst 1861 an der Académie Suisse in Paris kennen.

Es heißt, am Abend vor seiner ersten Ausstellung in Paris habe er eines seiner Bilder mit einem Firnis behandelt, dieser habe das Bild jedoch zerstört. In Folge dessen habe Empéraire von der Verwendung von Firnis abgesehen, wodurch heute nur äußerst wenige seiner Werke erhalten sind. Daß es überhaupt ein paar sind, ist wohl dem Sohn des Landschaftsmalers Joseph Ravaisou zu verdanken.

1873 traf er in Aix den Schriftsteller und Kunstkritiker Joachim Gasquet, dessen Vater Henri ein Schulfreund Cézannes gewesen war. Der deutlich jüngere Joachim Gasquet wurde der beste Freund Empéraires und blieb es bis dessen Tode.

Gasquet erinnerte sich an Empéraire: „Ein Zwerg, aber mit einem prächtigen van-dyckhaften Kavalierskopf, eine flammende Seele, Nerven von Stahl, eiserner Hochmut in einem mißgestalteten Körper, Flamme des Genius in einem zerkrümmten Gehäuse, halb Don Quichotte, halb Prometheus. - Wie Cézanne, von dem er mir oft erzählte und dessen Aussprüche er mir wiedergab, ist er nach Aix gekommen, um dort zu sterben. Er war sehr alt, aber immer noch beseelt von dem Glauben an die Schönheit der Welt, an sein Genie, an seine Kunst. Mit 70 Jahren, bettelarm, wie er war, hing er täglich in seiner Dachstube eine Stunde am Reck, in der hartnäckig eigensinnigen Hoffnung, seinen Körper zu 'strecken' und sein Leben zu verlängern.“

Die Freundschaft mit dem menschlich im Grunde gutherzigen, doch jähzornigen und verbitterten Cézanne war allerdings nicht ungetrübt, sie währte immerhin zumindest zehn Jahre. 1872 hatte Empéraire kurz bei Cézanne in Paris gewohnt, vier Wochen später quittierte er und schrieb: „Ich ziehe von Cézanne weg. Es muß sein. In diesem Punkte konnte ich dem Schicksal anderer nicht entgehen. Ich fand ihn verlassen vor. Er hat keinen einzigen intelligenten oder anhänglichen Freund mehr. Alle die Zolas, die Solaris und die andern alle, von denen ist keine Rede mehr. Er ist das erstaunlichste Fabrikat, das man sich nur vorstellen kann, ein echtes Ungeheuer, wenn es je eins gab, im wissenschaftlichen Sinn des Wortes.“ Allerdings haben sich die beiden später auch wieder versöhnt, 1878 nannte Cézanne ihn (so wird angenommen) in einem Brief an Zola einen „kreuzbraven Freund“.

Seit 1873 verließ er Aix kaum noch; 1881 und 1882 ging er allerdings nach Paris, wo er mit einer Mitgliedschaft in der „Société libre des Artistes français“ geehrt wurde. Er starb 1898 in Aix-en-Provence. Ein von Cézanne 1867/68 gemaltes Portrait ist uns überliefert, dieses ist im Musée d'Orsay in Paris zu sehen.

Über Empéraires Kunst urteilte Cézanne im Rückblick: „Er war ein äußerst begabter Junge, der mit der Kunst der Venezianer sehr vertraut war. Seine Kunst stand der ihren in nichts nach!“ Auch soll er gesagt haben: „Nun, er hat es nicht geschafft. Dennoch war er weitaus mehr ein Maler als all diese, die von Medaillen und Ehren tropften.“ Joachim Gasquet schrieb, Empéraire habe „sehr schöne Rötelzeichnungen hinterlassen.“ Trotz der engen Freundschaft mit Cézanne ließ er sich von dessen Stil nicht oder kaum beeinflussen; eine besondere Vorliebe soll er hingegen für Tizian und Manet gehabt haben. Der Kunsthistoriker John Rewald urteilte, er sei fähig gewesen, den Einfluß Cézannes auszuschließen („loop out“), und seine Arbeit zeige „eine überraschende Persönlichkeit und einen höchst eigentümlichen Strang“. Das Musée Granet in Aix zeigt einige seiner Werke.

Verweise:
http://artistesprovencaux.free.fr/maitres/emperaire.htm
http://www.musee-orsay.fr/de/kollektionen/werkbeschreibungen/gemaelde/commentaire_id/achille-emperaire-93.html?tx_commentaire_pi1[pidLi]=509&tx_commentaire_pi1[from]=841&cHash=bc354a3f0f

Achille Empéraire und seine Freundschaft mit Paul Cézanne https://art-depesche.de/images/Le_Duel_Achille_Emperaire_1024px.jpg Ruedi Strese