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Maurice Denis „L'Échelle dans le feuillage“ (1892)

Berlin - Innerhalb der verschiedenen damals avantgardistischen Strömungen in Frankreich, welche dem Postimpressionismus im weiteren Sinne zugezählt werden, waren die Nabis um Paul Sérusier sicher ein wichtiger Kristallisationspunkt. Bemerkenswerterweise suchte ausgerechnet deren Vordenker Maurice Denis seine Bezüge schließlich in der Vergangenheit; stilistisch bei der Renaissance, inhaltlich im Katholizismus.

Denis wurde 1870 in Granville an der Küste der Normandie geboren, der Vater war Eisenbahnbeamter. Im Folgejahr zog die Familie nach Saint-Germain-en-Laye bei Paris, wo er fast sein gesamtes Leben verbringen sollte.

Er begann 1888 mit dem Studium der Malerei an der Académie Julian in Paris, wo er Paul Sérusier kennenlernte. Dieser war ein großer Anhänger Gauguins und konnte Denis vom Stil der um Gauguin gebildeten „Schule von Pont-Aven“ überzeugen, wo damals der Cloisonismus und später der Synthetismus entwickelt wurden. Beide Richtungen stellten, unter starkem Einfluß japanischer Farbholzschnitte, die abgegrenzte Farbfläche dem vom Impressionismus bekannten Verschwimmen der Konturen und der Tüpfeltechnik des Pointillismus bzw. Neo-Impressionismus entgegen.

Unter diesem Eindruck wird er an der Académie Julian zum Gründungsmitglied der Künstlergruppe der Nabis, welcher neben Sérusier und ihm auch Pierre Bonnard und Édouard Vuillard angehörten. Mit den beiden letztgenannten teilte er sich ein Atelier. 1891 nahm er an der Ausstellung der Gruppe teil.

Denis wurde zum bedeutendsten Theoretiker der Nabis, sein Satz aus der Zeitschrift Art et Critique von 1890 „Man bedenke, daß ein Bild, ehe es ein Schlachtroß, eine nackte Frau oder irgendeine Anekdote wiedergibt, seinem Wesen nach eine plane, in einer bestimmten Ordnung mit Farben bedeckte Fläche ist“ wurde zu einem Kerngedanken der Malerei der Moderne.

Bemerkenswerterweise gerieten Denis' eigene Schöpfungen weitaus weniger „revolutionär“, als es derartige Gedanken vermuten ließen. Bei seinen Italienreisen in den 1890er Jahren (zu den genauen Jahren finden sich in der Literatur verschiedene Angaben) ließ er sich von der italienischen Frührenaissance, insbesondere Fra Angelico und Piero della Francesca beeinflussen – auch hinsichtlich der Themenwahl.

Für den tiefgläubigen Katholiken spielten religiöse Motive eine wichtige Rolle, er setzte sie in einer eigenen Spielart des Symbolismus um, bei dem sanft geschwungene Linien und zurückhaltend-pastellene Farbflächen zu einem überaus dekorativen Ganzen zusammenwirken, welches den Schöpfungen des Jugendstils gar nicht fern ist. Neben Wandmalereien, Tafelbildern und Graphiken schuf Denis einige Buchillustrationen. Einige Monate vor dessen Tod besuchte Denis den ihm gewogenen Paul Cézanne; über diese Gespräche verfaßte er später einen Aufsatz. Nur am Rande sei vermerkt, daß Cézanne selbst in seinen späteren Jahren immer mehr im katholischen Glauben Halt fand, es ließe sich spekulieren, ob dies vielleicht einer der Gründe war, weshalb sich die beiden so gut verstanden.

Ab 1919 bemühte sich Denis gezielter um eine Wiedergeburt der katholischen Kunst und gründete mit Georges Desvallières die „Ateliers d'art sacré“ („Werkstätten für religiöse Kunst“). Das Jahr darauf schuf er das Altarmosaik für die Basilika der Abtei Saint-Maurice im hauptsächlich frankophonen Schweizer Kanton Wallis. 1832 wurde er in die Pariser Académie des Beaux-Arts aufgenommen, er starb 1943 an den Folgen eines Autounfalls. Seit 1980 gibt es ein Musée Maurice Denis im ehemaligen Wohnhaus des Künstlers in Saint-Germain-en-Laye.

Verweise:

Der katholische Symbolismus des Maurice Denis https://art-depesche.de/images/MauriceDenis-LEchelleDansLeFeuillage_1024px.jpg Ruedi Strese