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Petrus Christus „Bildnis eines jungen Mädchens“ (ca. 1470, Gemäldegalerie Berlin)

Berlin - Der flämische Maler Petrus Christus, Träger eines uns heute recht sonderbar anmutenden Namens, nannte sich gelegentlich auch Petrus Christophorus und gehörte zu den bedeutenderen Vertretern des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit, von der späten Gotik zur frühen Renaissance.

Er wurde irgendwann zwischen 1400 und 1420 in Baarle (Brabant) geboren. Später ging er nach Brügge (Westflandern), wo er vermutlich Schüler des gewaltigen Jan van Eyck wurde, der ihn auch stilistisch prägte. Bisweilen heißt es, er habe ab 1444 in Brügge gelebt, zudem soll er nach van Eycks Tod dessen Atelier übernommen haben. Van Eyck war aber bereits 1441 gestorben. Somit bezog sich also das Jahr 1444 wohl nur auf die Verleihung des Bürgerrechts.

Neben van Eyck stellte Rogier van der Weyden einen bedeutenden Einfluß dar, er selbst wiederum wirkte prägend auf die nächste Generation Brügger Maler, darunter Dierick Bouts und Geertgen tot Sint Jans.

Seine Biographie ist nur sehr lückenhaft bekannt, wie bei den meisten Künstlern jener Zeit. Umstritten ist auch, ob er sich zwischenzeitlich in Italien aufhielt, um von dortigen Meistern zu lernen und zu lehren. Die Möglichkeit, er habe dort Antonello da Messina getroffen, wird immerhin erwogen. Messina war neben Giovanni Bellini der erste Italiener, welcher sich der bis dahin nur in Holland verbreiteten Ölfarben bediente, wohingegen ein Bild Christus' („Jungfrau und Kind inthronisiert mit den Heiligen Franz und Jerome“) aus den 1450er Jahren als erstes nordeuropäisches Bild gilt, welches sich der bis dahin nur den Italienern bekannten Linearperspektive bediente.

Als wahrscheinlich gilt, daß Petrus Christus in Brügge starb, und zwar 1472 oder 73. Nur sechs seiner etwa 30 als sicher von ihm geltenden Bilder sind mit seiner Signatur „Petrus XRI“ versehen, die übrigen sind ihm erst durch Kunsthistoriker zugeordnet worden. Oft wurden sie früher fälschlich van Eyck zugerechnet. Christus gilt als besonders akribischer Techniker. Neben religiösen Bildern malte er Porträts, wobei das „Bildnis eines jungen Mädchens“ von ca. 1470, zu sehen in der Berliner Gemäldegalerie, als das bedeutendste und schönste gilt.

Petrus Christus - zwischen Spätgotik und Frührenaissance https://art-depesche.de/images/Petrus_Christus_Portrait_of_a_young_girl_1024px.jpg Ruedi Strese