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Friedrich Kallmorgen „Im Hamburger Hafen“ (1920)

Berlin - Kaiser Wilhelm II. schätzte Kallmorgens Werke besonders; dieser war kein Avantgardist, doch ein Erneuerer der Konvention. Friedrich Kallmorgen gehört zu jenen Malern, die in überaus gekonnter Weise die damals bereits weitgehend etablierte impressionistische Malweise übernahmen und zwar weniger Experimentierfreude, dafür aber vor allem Geschmackssicherheit bewiesen.

Geboren 1856 in einer Hamburger Architektenfamilie, bewies er als kleines Kind bereits ein großes Interesse am Zeichnen und so sollte sein Onkel, der Porträt- und Landschaftsmaler Theodor Kuchel, ihm von 1862-63 bereits ersten Zeichenunterricht geben. 1875(74?) trat er in die Düsseldorfer Kunstakademie ein, wo er zuerst bei den Kirchen- und Historienmalern Andreas Müller und Ernst Deger sowie ab 1876 dem baltendeutschen Landschafter Eugen Dücker Unterricht hatte.

Eine Studienreise mit dem fast 50 Jahre älteren Romantiker Carl Friedrich Lessing führte ihn 1877 in die Fränkische Schweiz, anschließend schrieb er sich an der Großherzoglich Badischen Kunstakademie in Karlsruhe ein. Dort lernte er bei dem Historien- und Porträtmaler Ernst Hildebrand und schließlich bei Hans Fredrik Gude, dem bedeutenden norwegischen Landschafts- und Marinemaler, der unter anderem auch Anton von Werner und zahlreiche seiner Landsleute wie  Christian Krohg und Frits Thaulow unterrichtet hatte.

Studienaufenthalte führten ihn 1878 in den Harz und die Lüneburger Heide. Als sein Lehrer Gude 1880 auf Initiative Anton von Werners an die Berliner Akademie berufen wurde, um dort die Meisterklasse für Landschaftsmalerei zu übernehmen, folgte Kallmorgen ihm zunächst, ging jedoch 1881 wieder nach Karlsruhe, wo er sich Gustav Schönlebers Kreis anschloß und bei diesem sein Studium beendete.

Auch Schönleber war vorrangig Landschafter und orientierte sich an Barbizon. Mit diesem sowie dem gleichsam der Pleinairmalerei verschriebenen Hermann Baisch unternahm Kallmorgen mehrere Auslandsreisen, unter anderem nach Holland. Die dort enstandenen Studien zeigen bereits impressionistische Einschläge. 1882 ehelichte er Margarethe Hormuth, selbst Malerin, vor allem gediegener Stilleben und Blumenbilder. Ab 1886 unterstützte er Schönleber als Hilfslehrer in der Stillebenklasse.

Gegen 1889/90 wurde er mit seiner Frau zum Begründer der kurzzeitig in der Nähe von Karlsruhe existierenden Grötzinger Malerkolonie, welche sich nach dem Vorbild der Schule von Barbizon der Landschaftsmalerei widmete. 1891 wurde er vom badischen Großherzog zum Professor ernannt, zwischen 1896 und 1898 war er Präsident des aus der Kolonie in Grötzingen entstandenen Karlsruher Künstlerbundes. Auch das Reisen gehörte zu seinen Vorzugsbeschäftigungen, in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts ging es u.a. nach Frankreich, Holland und Italien, später sollten noch weitere Reisen, etwa nach Norwegen und Rußland, folgen.

Von 1901 bis 1918 war er an der Berliner Kunstakademie für die Landschaftsklasse zuständig, Fritz Wildhagen und Richard Duschek gehörten zu seinen Schülern. Auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1908 wurde ihm die Große Goldmedaille verliehen. Von 1911 bis 1918 leitete er die Genossenschaft bildender Künstler. Dann zog er nach Heidelberg, wo er bis zum Schluß als freischaffender Künstler hauptsächlich lebte. Er verstarb 1924 in Grötzingen, wo er auch begraben liegt.

Am Ende konnte Friedrich Kallmorgen also auf ein überaus erfolgreiches Leben als Künstler und Kunstlehrer zurückblicken. Er hatte zahlreiche Ausstellungen, nicht nur in Deutschland, seine Bilder erfreuten sich großer Beliebtheit. Stilistisch hatte er sich vom Realismus stärker zu einer impressionistischen Auffassung hin bewegt, thematisch befaßte er sich vorrangig mit Landschaften, Städtedarstellungen und Hafenbildern, welche er später aufgrund der hohen Nachfrage in großem Umfang produzierte.

Übrigens zeigt die Städtische Galerie Karlsruhe unter dem Titel „Friedrich Kallmorgen (1856-1924). Malerei zwischen Realismus und Impressionismus“ noch bis einschließlich 26.6.2016 eine Auswahl an Werken des Künstlers, zu großen Teilen aus privaten Sammlungen geliehen und sonst kaum zu sehen.

Verweise:
http://www.karlsruhe.de/b1/kultur/kunst_ausstellungen/museen/staedtische_galerie/ausstellungen/kallmorgen
http://www.kettererkunst.de/bio/friedrich-kallmorgen-1856.php
http://www.van-ham.com/datenbank-archiv/datenbank/friedrich-kallmorgen.html
http://www.kunstmarkt.com/pagesmag/kunst/_id359607-/ausstellungen_berichtdetail.html?_q=
http://www.karlsruhe.de/b4/stadtteile/osten/groetzingen/geschichte/malerdorf.de

Friedrich Kallmorgen, Landschaftsmaler zwischen Realismus und Impressionismus https://art-depesche.de/images/Kallmorgen_Im_Hamburger_Hafen_1920_gr_800px.jpg Ruedi Strese