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Anna Boch „Falaise - Côte de Bretagne“, Öl auf Leinwand, 1900/1902

Berlin - Über Vincent van Gogh (1853-1890) geht die Legende um, er habe zu Lebzeiten lediglich ein einziges seiner Werke verkauft. Ein paar mehr dürften es vermutlich gewesen sein, was aber am wahren Kern der Geschichte vom verkannten Genie wenig ändert. Tatsächlich ist aber nur ein Verkauf sicher dokumentiert, und zwar der des 1888 in Arles entstandenen Gemäldes „Roter Weinberg“ an Anna Boch.

Anna Boch war allerdings selbst eine begabte Malerin. Sie wurde 1848 in der wallonischen Provinz Hennegau geboren. Ihr Vater war der erfolgreiche Steingutfabrikant Victor Boch (Villeroy & Boch); ihr Bruder Eugène Boch (1855-1941) sollte ebenfalls als Maler einige Bekanntheit erlangen.

Ihre ersten Zeichenstunden gab ihr der Maler Isidore Verheyden (1846-1905), welcher sich mit lebhaften Landschaftsbildern, Porträts und Stilleben hervorgetan hatte. Er hielt sie für talentiert genug, ihr ein Kunststudium in Paris nahezulegen. Dorthin ging sie 1868 in Begleitung ihrer Mutter und lernte bei dem Historienmaler Tony Robert-Fleury an der angesehenen privaten Académie Julian, wo sie ihren Lehrern durch besondere zeichnerische Begabung auffiel.

Durch die avantgardistische Künstlervereinigung „Société des Vingt“ bzw. „Les Vingt" („Die Zwanzig“) lernte sie gegen 1885 Théo van Rysselberghe (1862-1962) kennen, der als bedeutendster flämischer Pointillist ihr Frühwerk stark beeinflußte. Der Pointillismus, eine Spielart des Post-Impressionismus, bediente sich impressionistischer Elemente, setzte jedoch auf durchdachte Kompositionen, geschaffen aus unzähligen Farbtupfern, statt auf flüchtige Momentaufnahmen. Bekannt wurde Anna Boch jedoch mehr durch ihre stimmungsvollen, mehr am „klassischen" Impressionismus angelehnten Arbeiten.

1890 organisierten Les Vingt eine Ausstellung in Brüssel, bei welcher auch ihre sowie ihres Bruders Werke zu betrachten waren. Bei dieser Gelegenheit erstand sie auch das erwähnte Bild van Goghs - für 400 Francs, möglicherweise auf Rat ihres Bruders, der den bereits schwer erkrankten Künstler unterstützen wollte. Auch den in Not geratenen Paul Gauguin unterstützte sie 1890 mit einer Benefizaktion.

Anna Boch malte und sammelte, ihre Sammlung galt seinerzeit als eine der bedeutendsten Kollektionen impressionistischer Gemälde und wurde nach dem Tod der Malerin 1936 verkauft. In ihrem Testament hatte diese verfügt, daß der Erlös zur Unterstützung ihrer in Armut geratenen Künstlerfreunde einzusetzen sei. 140 ihrer eigenen Bilder überließ sie ihrer Patentochter, viele von diesen zeigen das Mädchen beim Spielen im Garten. Sie gingen später wieder in Familienbesitz über und sind seit 2011 mit Werken ihres Bruders zusammen in einer Dauerausstellung zu besichtigen. Weitere Bilder wurden ihrem letzten Willen entsprechend diversen Museen gespendet.

 

Verweise:

http://www.annaboch.com
http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/anna-boch/auktionsresultate

Malerin und Mäzenin - Die Neoimpressionistin Anna Boch https://art-depesche.de/images/Anna_boch_Falaise_-_Cte_de_Bretagne.jpg Ruedi Strese