static-aside-menu-toggler
gkSearch
Aleksander Gierymski „Der Bauernsarg“ (1894-95)

München - Aleksander Gierymski zählt zu den bedeutendsten polnischen Malern des 19. Jahrhunderts. Er begann als Vertreter der Münchener akademischen Malerei und entwickelte schließlich, von den Franzosen weitgehend unabhängig, eine eigene Spielart des Impressionismus. Der wichtigste Teil seines Schaffens ist jedoch dem Realismus zuzuordnen, hierin erlangte er seine Meisterschaft.

Geboren wurde er 1850 als Ignacy Aleksander Gierymski. Sein vier Jahre älterer Bruder war Maksymilian Gierymski, der bereits vor ihm Ruhm als Maler erwerben sollte. 1867 machte er sein Abitur in Warschau (im selben Jahr begann Maksymilian sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München) und nahm dort (wie zuvor bereits der Bruder) Zeichenunterricht bei dem Historien- und Ikonenmaler Rafał Hadziewicz. 
Ein Jahr später folgte er dem Bruder nach München und schrieb sich zuerst in der Antikenklasse von Alexander Strähuber ein, anschließend studierte er bei den Historienmalern Hermann Anschütz und Johann Georg Hiltensperger. 1870 wechselte er in die Meisterklasse Carl von Piloty. Bei ihm legte er 1872 seine Diplomarbeit „Der Kaufmann von Venedig“ vor, welche mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde.

Im selben Jahr erkrankte Maksymilian an Tuberkulose und ging 1873 in der Hoffnung auf Heilung nach Rom, wohin ihn Aleksander begleitete. Er blieb dort bis 1874, als Maksymilian nach Deutschland ging, wo er bald verstarb. Aleksanders Gemälde aus dieser Zeit („Römisches Gasthaus“, „Moraspieler“) sind in einwandfreier akademischer Malweise ausgeführt und konnten mit einigem Erfolg in Warschau gezeigt werden.

Von 1875-1879 ging er erneut nach Rom. Die in jener Periode entstandenen Bilder arbeiten stark mit Lichteffekten, ganz im Sinne der französischen Impressionisten, wobei eine unmittelbare Beeinflussung bislang als nicht erwiesen gilt, deren Werke seien Gierymski damals nicht bekannt gewesen.

Von 1879 bis 1888 lebte er in Warschau und widmete sich in zum Teil als gesellschaftskritisch eingestuften Bildern dem Leben der Unterschicht sowie der Juden („Die Jüdin mit den Orangen“, „Das Fest der Trompeten“). Die ausgereiften und originellen Arbeiten fanden wenig Anklang, gelten heutzutage jedoch als seine bedeutendsten, stilistisch ging es in eine realistische bis naturalistische Richtung, ohne dabei die Erfahrungen der lichtdurchfluteten Pleinairmalerei außer Acht zu lassen. Auch divisionistische Elemente ließ er in einige Werke einfließen.

Von 1888 bis 1893 lebte er in Deutschland und Frankreich. Seine Themenpalette wurde weniger persönlich, er malte vorrangig Landschaften und Stadtansichten. 1893-95 lebte er in Krakau, wo er sich vergeblich um eine Professur an der Krakauer Akademie der Schönen Künste bemühte. Darauf ging er erneut nach Italien; die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er, durchaus noch schöpferisch, in einer Nervenheilanstalt in Rom, wo er 1901 starb.

Verweise:
http://www.porta-polonica.de/de/Atlas-der-Erinnerungsorte/aleksander-gierymski
http://www.pinakoteka.zascianek.pl/Gierymski_A/Index.htm

Aleksander Gierymski: von der Münchener Akademie zum Realismus https://art-depesche.de/images/Aleksander_Gierymski_Trumna_chopska.jpg Ruedi Strese