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Jan Toorop „Die Dame in Weiß“ (1886)

Berlin - Jan Toorop war sicher einer der interessantesten Künstler der anbrechenden Moderne in Holland. Überaus vielseitig, sowohl was die verwendeten Medien und Techniken als auch die Stilrichtungen anging, blieb er der Kunstwelt jedoch hauptsächlich wegen seiner dem Symbolismus und Jugendstil zuzurechnenden Arbeiten im Gedächtnis.

Sein vollständiger Name war Johannes Theodorus Toorop. Als solcher wurde er 1858 geboren, und zwar auf der Insel Java, einer der Hauptinseln des heute Indonesien genannten Landes, welches damals niederländische Kolonie war. Der Vater war Beamter der Kolonialmacht, seine Frau Britin. 1863 zog die Familie nach Bangka bei Sumatra um, doch ging Jan ab 1867 auf Java zur Schule und 1869 schließlich in die Niederlande, wo ihm eine bessere Bildung zuteil werden sollte.

In seiner Schulzeit in Leiden und später Winterswijk lag bereits ein Schwerpunkt auf seiner künstlerischen Ausbildung. 1875 ging er nach Den Haag, wo er von Herman Johannes van der Weele, einem Landschafts- und Tiermaler der Haager Schule, unterrichtet wurde; an dessen im Folgejahr gegründeter „Holländischer Zeichengesellschaft“ war Toorop von Anfang an beteiligt. Später ging er nach Delft, an der dortigen Polytechnischen Schule lernte er vorrangig bei Paul Tétar van Elven, welcher der akademischen Tradition zuzurechnen war.

Ab 1880 studierte er an der der Reichsakademie in Amsterdam, von 1882-86 in Brüssel. Er machte u.a. die Bekanntschaft der Symbolisten Fernand Khnopff und James Ensor und trat 1884/85 der von diesen und einigen anderen gegründeten Gruppe Société des Vingt bei. 1884 hatte er bereits im Pariser Salon der Unabhängigen ausstellen dürfen; seine Arbeiten jener Zeit zeigten sowohl impressionistische als auch symbolistische Einflüsse. 
1885 ging er zu einer Studienreise nach England, dort lernte er die Kunst der Präraffaeliten sowie James McNeill Whistlers kennen, außerdem eine Frau namens Annie Hall, die er im Jahr darauf heiratete, sie ist auf dem bekannten Bild „Die Dame in Weiß“ von 1886 zu sehen; Ähnlichkeiten zu Arbeiten Whistlers dürften kein Zufall sein. Auch pointillistischer Techniken nahm er sich an. Allerdings wurde 1887 zu einem traurigen Jahr, seine erste Tochter starb, zudem erblindete er für einige Zeit.

In den folgenden Jahren war Toorop viel in Holland, Belgien und England unterwegs und entwickelte einen ganz eigenen Stil des Symbolismus, der sich (so wie Gauguin oder van Gogh sich von japanischen Farbholzschnitten beeinflussen ließen) bei Elementen der indonesischen Volkskunst bediente.

1891 wurde dann seine zweite Tochter Annie Caroline, genannt Charley, geboren, welche später selbst eine nicht unwesentliche Malerin wurde, allerdings ganz anderer, eher naturalistischer Ausrichtung. Vor allem seine Zeichnungen und Kupferstiche ab 1893 waren eindeutig dem Jugendstil zuzurechnen, zu dessen neben Jan Thorn-Prikker bedeutendstem Vertreter in Holland er wurde. „Die drei Bräute“ von 1893 gilt als eines der symbolistischen Meisterwerke per se. Auch auf Ausstellungen der Wiener Sezession war er vertreten.

1905 konvertierte er zum Katholizismus und wandte sich vorübergehend wieder der pointillistischen Malweise zu, mit den Landschaften in diesem Stil beeinflußte er den jungen Piet Mondrian. Mystisch-religiöse Motive spielten zudem eine große Rolle.

Arbeiten aus den Jahren des Ersten Weltkrieges befassen sich mit durch den Krieg verursachten Zerstörungen und Leiden. 1916 zog er nach Den Haag, wo er in den nächsten Jahren trotz schwer geschädigter Gesundheit an einem Kreuzweg arbeitete, der 1919 geweiht werden konnte. Er war jedoch zunehmend gelähmt und saß ab 1920 im Rollstuhl. Dennoch war er in den Jahren bis zu seinem Tod in Den Haag 1928 schöpferisch tätig, zentrales Thema hierbei war der katholische Glaube.

Verweise:
http://www.jan-toorop.com/
http://www.wikiart.org/en/jan-toorop
http://jantoorop.com/

Jan Toorop, ein Wanderer zwischen Impressionismus und Jugendstil https://art-depesche.de/images/Toorop_Dame_in_wit_1.jpg Ruedi Strese