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Ruedi Strese schwärmt für Kalle Løchen „Fra Kongshavn bad“ (Öl auf Leinwand, 1882)

Oslo - Vor 150 Jahren, genau: am 9. Mai 1865, begann das kurze und tragische Leben eines der bedeutendsten Maler Norwegens. An diesem Tag wurde Kalle Løchen als jüngstes von 10 Kindern in einem liberalen und kunstverständigen Elternhaus geboren.

Bereits früh soll er den Wunsch nach einer Laufbahn als Künstler geäußert haben. 1881 konnte er an der Königlichen Zeichen- und Kunstschule in Kristiania (dem heutigen Oslo) seine Ausbildung beginnen. In diesen und den folgenden Jahren hatte er überdies die Gelegenheit, bei verschiedenen namhaften Lehrern Unterricht zu nehmen, diese waren Wilhelm von Hanno, der Nationalromantiker Knud Bergslien sowie die Naturalisten Frits Thaulow und Christin Krohg, letzterer äußerte sich sehr anerkennend über das Talent seines Schülers.

Das oben zu sehende Ölgemälde schuf Løchen mit gerade 17 Jahren unter dem Eindruck eines Zeitschriftenartikels von Erik Werenskiold über die französischen Impressionisten. Die Wiedergabe des schimmernden Lichts scheint Hauptanliegen des Bildes zu sein. In der Folge widmete sich der Künstler weniger idyllischen Motiven, vornehmlich aus den ärmeren Gegenden der Hauptstadt.

1886 heiratete Løchen die drei Jahre ältere Schauspielerin Anna Brun, zog mit ihr nach Bergen und begann, trotz fehlender Ausbildung, selbst als Schauspieler an einem der namhaftesten Theater Norwegens tätig zu sein und konnte dort bald als Hamlet große Erfolge verbuchen, widmete sich jedoch weiterhin trotz eher geringen Erfolges der Malerei.

Im Herbst 1889 ging er mit seinem Freund Edvard Munch nach Paris, um sich dort erneut dem Malereistudium zuzuwenden, interessierte sich jedoch nach kurzer Zeit dort mehr für den Theaterbetrieb, über den er einige Artikel verfaßte. Die Freundschaft mit Munch war nicht reibungslos, allerdings drückte dieser auch noch viele Jahre später seine große Wertschätzung für ihn aus: „Kalle Løchen war unbedingt die größte künstlerische Begabung, die wir bei uns hatten. Was er als ganz junger Künstler schuf, war einzigartig und brillant. Er war erst 18 Jahre alt, als er „Das Atelier der Malschule“ in Modum malte - und heute ist es merkwürdig modern, es erinnert an Cézanne, ein großartiges Bild!“

Nachdem er 1890 nach Bergen zurückgekehrt war, spielte er in der Erstaufführung des lange verbotenen Dramas „Gespenster“ von Henrik Ibsen die Hauptrolle, erneut mit großem Erfolg. Im Frühjahr 1892 starb jedoch seine Frau, seine Töchter wurden von ihm getrennt und er fiel in tiefe Depressionen, welche schließlich am 20. November 1893 in seinem Suizid mündeten, am selben Tag, an dem er eigentlich seine neue Verlobte hatte heiraten wollen. Der Intendant des Carl-Johan-Theaters, wo er in einem Stück nach Zolas „Thérèse Raquin“ den Selbstmörder Laurent spielte, hatte ein Telegramm erhalten „Herr Olaf Hanson! Leben Sie wohl. Ich bin tot. Ihr Kalle Løchen.“ Man fand seine Leiche und seinen Revolver im Wald im Südosten Kristianias. Es gibt eine, allerdings nicht wirklich bewiesene, Theorie, nach welcher Edvard Munchs kurz darauf in Berlin präsentierte „Schrei"-Bilder sich auf Løchens Tod beziehen. Einige seiner wichtigsten Bilder sind heute in der norwegischen Nationalgalerie in Oslo zu besichtigen.

 

Hinweis:

https://www.youtube.com/watch?v=q4RrmwMArEI

Norwegens „größte künstlerische Begabung“ - Zum 150. Geburtstag Kalle Løchens https://art-depesche.de/images/Fra_Kongshavn_bad.jpg Ruedi Strese