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Akseli Gallen-Kallela „Die Verteidigung des Sampo“ (1895)

Berlin - Was Sibelius für die Musik war, war Akseli Gallen-Kallela für die Bildende Kunst: der bedeutendste Protagonist der finnischen Nationalromantik. Als Architekt, Möbeldesigner und Maler hinterließ er ein umfangreiches und vielschichtiges Werk, welches in seiner Hauptschaffensphase mit starken Bezügen zu Symbolismus und Jugendstil aufwartete.

Geboren wurde er 1865 als Axel Waldemar Gallen in Pori an der Westküste des Großfürstentums Finnland in einer zur Oberschicht gehörenden schwedischsprachigen Familie (eine vielleicht nicht ganz unbedeutende Parallele zu Sibelius). Im Alter von elf Jahren kam er auf das schwedische Gymnasium in Helsinki. Nach dem Tod seines Vaters, der einer Künstlerkarriere ablehnend gegenübergestanden hatte im Jahr 1879 begann er, an abendlichen Zeichenkursen der finnischen Kunstgesellschaft teilzunehmen. Bereits 1881 verließ er die Schule, um sich ganz der Kunst zu widmen; er lernte zunächst bei dem Genremaler Adolf von Becker.

1884 zog er nach Paris und begann ein Kunststudium an der Académie Julian, dabei lernte er u.a. den schwedischen Schriftsteller August Strindberg und den realistischen Maler Albert Edelfelt kennen. In jenen Jahren, die er teils in Finnland, teils in Paris verbrachte, malte er naturalistisch geprägte Szenen des Landlebens („Alte Frau mit Katze“, 1885) sowie des finnischen Alltags, doch auch Porträts, Akte („Demaskiert“, 1888) und französische Café- und Straßenszenen.

1890 heiratete er Mary Helena Slöör. Auf der Hochzeitsreise nach Karelien begann er mit den Vorbereitungen zu seinen Illustrationen für das finnische Nationalepos Kalevala, welches auf der Grundlage mündlich überlieferter finnische Mythen von Elias Lonnröt verfaßt worden war; die erste Ausgabe war 1835 erschienen und inspirierte auch den mit Gallen befreundeten Sibelius in seinem Schaffen.

Zu dieser Zeit widmete der leidenschaftliche Patriot sich vermehrt der finnischen Landschaft, die teilweise mythisch aufgeladen war („Der große schwarze Specht“, 1892). Elemente des Symbolismus und Jugendstils fanden in sein Werk Eingang, wobei Gallen persönlich unter dem Einfluß von okkulten Lehren wie der Theosophie stand („Symposium“, 1894). 1895 waren Werke Gallens neben denen Munchs in Berlin zu sehen. Seine bekanntesten Gemälde, die sich finnischen Mythen widmeten, entstanden in den Folgejahren: „Die Verteidigung des Sampo“ (1895), „Joukahainens Rache“ und „Lemminkäinens Mutter“ (1897) sowie „Kullervos Fluch“ (1899).

Für den finnischen Pavillon der Pariser Weltausstellung 1900 malte er Wandbilder mit patriotischen Motiven, der finnische Held Ilmarinen pflügte ein Feld voller in den Farben der russischen Fremdmacht gehaltener Schlangen; auch in den nächsten Jahren engagierte er sich politisch. 1905 im passiven Widerstand gegen die russische Herrschaft, 1906 half er dem oppositionellen russischen Literaten Maxim Gorki bei der Flucht. 1907 nahm er offiziell die fennisierte Fassung seines Namens, Akseli Gallen-Kallela, an.

1909 ging er für einige Zeit nach Britisch-Ostafrika (heute Kenia), sein dortiges umfangreiches Schaffen widmet sich afrikanischen Themen und ist von expressionistischen Anleihen geprägt. Zwischen 1911 und 1913 entwarf und errichtete er in der Nähe von Helsinki ein eigenes Atelier. Am 6. Dezember 1917 erlangte Finnland seine Unabhängigkeit, im folgenden finnischen Bürgerkrieg schloß er sich General Mannerheim an und wurde eine der wichtigsten Symbolfiguren der antikommunistischen Kräfte.
In den Jahren nach dem Bürgerkrieg, welcher mit dem Sieg der Weißen geendet hatte, befaßte er sich weiterhin mit dem Kalevala, dabei ließ er sich von avantgardistischen Strömungen wie dem Kubismus beeinflussen („Schmuck-Kalevala“, 1921). Von 1923 bis 1926 lebte er mit seiner Familie in den USA, auch dort befaßte er sich indes vorrangig mit finnischen Motiven. 1928 gestaltete er die Fresken für das Nationalmuseum in Stockholm, diese waren Reproduktionen der Arbeiten für die Pariser Weltausstellung von 1900. Er starb 1931 in Stockholm an den Folgen einer Lungenentzündung.

Akseli Gallen-Kallela: finnische Nationalromantik https://art-depesche.de/images/Gallen-Kallela_The_defence_of_the_Sampo.png Ruedi Strese