static-aside-menu-toggler
gkSearch
Camille Pissarro „Bauernhäuser, Eragny“ (1887)

Paris - Camille Pissarro war innerhalb der Gruppe der ursprünglichen französischen Impressionisten vielleicht jener, der ideologischen Erklärungen und avantgardistischen Theorien am stärksten zugeneigt war, nach Bernard Denvir „mehr Anarchist als Künstler“. So kam es, daß er sich für die Mitte der 1880er Jahre aufgekommene pointillistische Bewegung begeisterte. Es sollte jedoch nur eine Phase sein.

Der Impressionismus selbst konnte in jenen Jahren als einigermaßen etabliert gelten, der unbekümmerte Schwung seiner Jugendphase war verstärkter Professionalität im Kunstbetrieb gewichen. Monets Arbeiten gingen zusehends zu einer Auflösung der Dinge in den Lichteffekten, Cezanne experimentierte mit geometrischen Grundformen und nahm somit den Kubismus vorweg.

Zur gleichen Zeit begann der noch junge Georges Seurat, sich systematisch mit den Erkenntnissen der Lehre zur Farbwahrnehmung und additiven Farbmischung von James Clerk Maxwell, Ogden Nicholas Rood, Charles Henry und Eugène Chevreul auseinanderzusetzen und 1883/84 eine eigene Malweise zu entwickeln, die er zunächst als Chromoluminarismus (zu deutsch etwa „Farblichtmalerei“) bezeichnete, später als Divisionismus.

Sein bedeutendster Verkünder und Mitkämpfer wurde Paul Signac, der seinerseits den Namen „Pointillismus“ (wegen der verwandten Punktier- bzw. Tüpfeltechnik) prägte, auch der von dem Kunstkritiker Félix Fénéon eingeführte Begriff „Neoimpressionismus“ fand Verbreitung, obwohl sich, im Gegensatz zum klassischen Impressionismus, das für den Impressionismus typische Festhalten des flüchtigen Eindrucks in gewisser Weise der Technik unterordnet: aus einzelnen Tupfern von reiner Farbe sollte sich erst im Auge des Betrachters das Gesamtbild mit seiner Farbwirkung zusammensetzen.

Von diesen Theorien der jungen Generation beeindrucken ließ sich auch Camille Pissarro, zur Verärgerung des Kunsthändlers und Förderers des Impressionismus Paul Durand-Ruel, der seit einiger Zeit endlich begonnen hatte, impressionistische Bilder gut absetzen zu können. Pissarro arbeitete, der Lehre des Pointillismus entsprechend, mit reinen Farben in kurzen Pinselstrichen, die Vermischung ergab sich in der Wahrnehmung. 1886 nahm er, gemeinsam mit Seurat, Signac und seinem Sohn Lucien in einem gesonderten Raum an einer Ausstellung im Salon der Unabhängigen teil. Es hatte deutliche Vorbehalte seiner Kollegen, etwa von Edgar Degas gegeben, doch Pissarro hatte die Teilnahme der Pointillisten an dieser, der achten und letzten, Impressionisten-Ausstellung durchgesetzt. Die Kritiken waren recht wohlwollend, der kommerzielle Erfolg stellte sich indes nicht ein.

Bereits 1887 allerdings begann Pissarro die neue Malweise, die er zuvor so gelobt hatte, als zu zeitraubend zu empfinden und fühlte sich schließlich zusehends durch das pointillistische Dogma eingeengt, so daß er sich ab 1890 wieder seiner impressionistischen Wurzeln entsann, und nun endlich gelang ihm auch, mit Hilfe von Durand-Ruel, der Durchbruch auf dem Kunstmarkt. Die Werke aus seiner pointillistischen Phase (etwa 1885-89) wirken, trotz des nüchternen und vorgeblich wissenschaftlichen Ansatzes, dennoch recht lyrisch, die meisten zeigen Ausschnitte aus der Natur oder befassen sich mit Szenen aus dem Landleben.

Camille Pissarro – die pointillistische Phase https://art-depesche.de/images/Camille_Pissarro_-_Peasants_houses_Eragny_-_Google_Art_Project.jpg Ruedi Strese