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Mary Cassatt „Mutter und Kind“ (Öl auf Leinwand, etwa 1902)

Berlin - Mary Cassatt war die erste amerikanische Vertreterin des Impressionismus. Ob sie auch die erste Vertreterin des amerikanischen Impressionismus war, ist eine andere Frage, da sie vorrangig in Frankreich wirkte. Auf jeden Fall trug sie früh und entschieden dazu bei, den Impressionismus in den USA bekannt zu machen.

Geboren wurde sie 1845 (auch 1844 taucht in der Literatur auf) in Pittsburgh, Pennsylvania. Die Familie, aus welcher sie stammt, war im 17. Jahrhundert aus Frankreich in die USA eingewandert, insofern wurde sie später im Grund ein Reimport. Bereits in jungen Jahren lebte sie mit ihrer Familie in verschiedenen Orten Europas und begann, sich für bildende Kunst zu interessieren. Gleichwohl ihr Vater wenig begeistert war, entschied sie sich für eine Künstlerkarriere und begann 1861 ein Studium an der Pennsylvania Academy of Fine Arts in Philadelphia, welches bis 1865 währte.

Anschließend beschäftigte sie sich autodidaktisch mit dem Studium alter Meister. 1866 ging sie nach Paris, wo sie für einige Zeit bei dem akademischen Maler Jean-Léon Gérôme lernte (an der Kunsthochschule waren Frauen damals noch nicht zugelassen); überdies kopierte sie auf eigene Faust bekannte Werke im Louvre. 1866 schloß sie sich der Malschule von Charles Chaplin an, auch bei Thomas Couture bildete sie sich fort. 1868 wurde erstmals eines ihrer Werke im Pariser Salon angenommen, welches damals noch am romantischen Stil orientiert war. Von der Ausbildung durch ihre Lehrer hatte sie bald genug, setzte allerdings ihre privaten Studien in den Museen fort. Zu Beginn des deutsch-französischen Krieges kehrte sie vorerst in die USA zurück.

1871 ging sie aber bereits wieder nach Europa, 1872 (nach anderen Angaben 1874) ließ sie sich endgültig in Frankreich nieder. 1874 durfte sie in Paris wieder im Salon ausstellen und beeindruckte  Edgar Degas, der sie überzeugte, sich den Unabhängigen (welche später die Impressionisten wurden) anzuschließen. Mit Degas war sie eng befreundet, stand ihm mehrfach Modell, auch künstlerisch übte er einen großen Einfluß auf sie aus.

1877 gelangten durch Vermittlung Mary Cassatts die, so wird angenommen, ersten impressionistischen Bilder in die USA, es handelte sich um Werke Degas' und Monets. Von 1879 an beteiligte sie sich an den Gruppenausstellungen der Impressionisten, bis zur letzten im Jahr 1886. Sie malte vorrangig Frauen, nicht zuletzt Mütter mit Kindern, hier tritt der Einfluß Degas' klar zutage. In den 1880er Jahren wandte sie sich der Grafik zu, was zu einem umfangreichen Schaffen führte. In den 1890er Jahren schließlich ließ sie sich von japanischen Farbholzschnitten beeindrucken, ihre diesen nachempfundenen Werke gelten weithin als bedeutendster Teil ihres Werks.
Bei der Chicagoer Weltausstellung 1893 trug sie zur Dekoration des Kolumbianischen Pavillons bei, 1894 erwarb sie Schloß Beaufresne an der Oise, nicht weit von Paris, dieses wurde zu einem bedeutenden Künstlertreff. 1904 wurde sie zum Ritter der französischen Ehrenlegion. Bis etwa 1910 blieb sie sehr kreativ, neuen Strömungen wie Kubismus, Fauvismus und Postimpressionismus konnte sie nichts abgewinnen. 1914 verlor Mary Cassatt ihre Sehfähigkeit fast gänzlich, womit ihre Karriere als Malerin ein Ende fand; sie starb 1926 auf ihrem Schloß.

Mary Cassatt – Amerikas erster Beitrag zum Impressionismus https://art-depesche.de/images/Mary_Cassatt_1902_Reine_Lefebre_and_Margot_before_a_Window.jpg Ruedi Strese