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John Lavery „Mrs. Lavery beim Skizzieren“ (1910)

Dublin - John Lavery gehört zu den bekanntesten irischen Malern. Bedeutung erlangten vor allem seine Portraits, doch auch seine Landschaften und Darstellungen militärischer Sujets sind von einigem Rang. Stilistisch neigte er zu einem lyrischen Naturalismus, der jedoch Einflüsse seines Freundes James Mc Neill Whistler aufnahm.
Lavery ließ sich 1856 in Belfast gebären. In den 1870er Jahren studierte er zunächst an der Haldane Academy in Glasgow, anschließend kurz an Heatherley's School of Art in London, bevor er 1881 nach Paris ging und sich an der vielleicht bedeutendsten Talentschmiede, der Académie Julian, einschrieb, wo er in den Wintersemestern lernte; in den Sommermonaten befaßte er sich in der Gegend um Glasgow ausführlich mit Freilichtmalerei.

1885 ließ er sich in Glasgow nieder, sein Themenschwerpunkt verlagerte sich von der Landschaftsmalerei hin zu Darstellungen der gehobenen städtischen Mittelschicht. Er wurde einer der führenden Köpfe der naturalistischen Künstlergruppe „Glasgow Boys“. 1888 wurde er ausgewählt, um den Besuch von Königin Victoria bei der Glasgow International Exhibition festzuhalten, womit seine Karriere als Portraitmaler gesichert war. Die Werke jener Periode sind oft kraftvoll und einfach, doch immer wieder auch von einer stilvollen Eleganz geprägt.
1896 zog er nach London, wo er sich mit Whistler anfreundete, dessen Einfluß sich fortan in seinen Werken niederschlug. Später wurde er Vizepräsident der zuerst von Whistler, dann von Rodin geleiteten „Internationalen Gesellschaft“, welche sich mit der Durchführung internationaler Kunstausstellungen befaßte. Er reiste viel und verfügte über etliche Auslandskontakte, es ist auch zu lesen, seine Werke seien in Berlin, Rom und Paris weit beliebter gewesen als in London. 1903 erstand er ein Haus in Marokko, wo er vor allem im Winter viel Zeit verbrachte.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges begann er, sich mit der Darstellung von Feldlagern, Munitionsfabriken und Marinebasen zu befassen, es handelt sich um sehr ernsthafte Bilder von rauhem Pinselstrich, die von genauer Beobachtungsgabe zeugen. 1917 wurde er zum „Offiziellen Kriegskünstler“ ernannt und der Marine zugeteilt, u.a. mußte er 1918 die Kapitulation der deutschen Flotte festhalten. 
Nach dem Krieg wurde er zum Ritter geschlagen und 1921 zum Vollmitglied der Royal Academy ernannt, begann jedoch im selben Jahr, sich gemeinsam mit seiner Frau im irischen Freiheitskampf zu engagieren. Die beiden überließen während der Verhandlungen zum Englisch-Irischen Vertrag ihre Londoner Wohnung der irischen Abordnung. Nach der Ermordung des irischen Unabhängigkeitskämpfers Michael Collins widmete er diesem das Gemälde „Michael Collins, Love of Ireland“. In den 1930er Jahren kehrte er folgerichtig in seine irische Heimat zurück, wo er sehr geehrt wurde; er starb 1941 in der Grafschaft Kilkenny.

John Lavery – viktorianische Portraits und irischer Freiheitskampf https://art-depesche.de/images/Mrs_Lavery_sketching.jpg Ruedi Strese