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Hermann Wislicenus: zentrales Triptychon mit der Apotheose der Reichsgründung im Kaisersaal der Kaiserpfalz zu Goslar

Berlin - Der Historienmaler Hermann Wislicenus gehörte zu den Größen der akademischen Malerei der  Gründerzeit, ist allerdings im Kontrast dazu heutzutage dem Namen nach vergleichsweise unbekannt. Von einigem Rang sind vor allem seine gewaltigen Wandbilder des Kaisersaals der Kaiserpfalz in Goslar.

1825 im thüringischen Eisenach geboren, studierte er ab 1844 an der Dresdner Kunstakademie und wurde später Schüler Eduard Bendemanns, eines Vertreters der romantischen Düsseldorfer Malerschule aus dem Umfeld Wilhelm von Schadows, danach lernte er bei Julius Schnorr, dem neben Friedrich Overbeck führenden Kopf der romantisch-religiösen Nazarener. Sein erstes Bild „Überfluß und Elend“ wurde 1853 von der Dresdner Galerie gekauft.

Im selben Jahr ermöglichte ihm ein Stipendium die Reise nach Italien, wo er bis 1857 weiterstudierte und sich, obgleich selbst Protestant, in Rom Peter von Cornelius, gleichfalls einem bedeutenden Vertreter der Nazarener anschloß.

Nachdem er nach Deutschland zurückgekehrt war, eröffnete er ein großes Atelier in Weimar, wo er bis 1868 mit großem Erfolg tätig war; dann erhielt er allerdings eine Professur an der Akademie in Düsseldorf. Nebenbei konnte er dennoch herausragende Werke schaffen, welche sich historischer und mythischer Motive bedienten. Als die Düsseldorfer Akademie jedoch 1872 in Flammen aufging, wurde ein Großteil der Werke einschließlich sämtlicher Studien Wislicenus' vernichtet; einige der wichtigsten Gemälde, darunter „Germania auf der Wacht am Rhein“ wurden in Folge erneut gemalt.

Nach der Gründung des Kaiserreiches wurde begonnen, die Kaiserpfalz in Goslar zu restaurieren. Dazu sollte auch die Ausmalung des Kaisersaals mit Wandgemälden aus der Geschichte der deutschen Kaiser gehören, einen dazu ins Leben gerufenen Wettbewerb gewann Wislicenus 1877, obgleich er die Presse zu großen Teilen gegen sich hatte, da er unter anderem auch den Gang nach Canossa als eines der weniger ruhmreichen Kapitel dieser Geschichte mit darstellen wollte, was auf starke Ablehnung stieß. In einem kleinen Sockelbild sollte er diese Szene dennoch abbilden.

Bis 1897 (auch von 1890 ist zu lesen) währten die Arbeiten; die Bilder stellen das Kaisertum der Hohenzollern in die Tradition der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Auf dem Hauptbild der insgesamt 68 Ölgemälde ist die Apotheose der Reichsgründung von 1871 auf einem gewaltigen Triptychon zu sehen. Dargestellt wird nicht die Kaiserproklamation in Versailles, sondern eine mythische Überhöhung, bei welcher Kaiser Wilhelm I. und Bismarck hoch zu Rosse sitzen.
Weitere Szenen sind unter anderem die Krönung Heinrichs II. und seiner Gattin durch Papst Benedikt VIII. im Jahre 1014, die Rückkehr Heinrichs III. aus Italien mit dem gefangenen Papst Gregor VI. oder Friedrich Barbarossa während des Dritten Kreuzzuges in Kleinasien. Auf einem Bild Friedrichs II., hat Wislicenus, der den vielfach als Mann der Wissenschaft und Kultur geltenden Staufer bewunderte, sich selbst mit dargestellt. Er starb 1899 in Berlin, begraben ist er auf dem Friedhof in Wilmersdorf.
Hermann Wislicenus – ein bedeutender Historienmaler der Gründerzeit https://art-depesche.de/images/Apotheose.jpg Ruedi Strese