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Antonio Smith „Rio Cachapoal“

Berlin - Der Chilene Antonio Smith zählt in seiner Heimat zu den größten Künstlern des 19. Jahrhunderts. Er wirkte als Karikaturist, Druckgraphiker und Kunstlehrer; seinen Rang erlangte er jedoch durch majestätische Landschaftsgemälde.

Er wurde 1832 in Santiago de Chile geboren und entstammte führenden Kreisen; sein Vater Jorge war schottischer Abstammung und Konsul in Santiago, seine Mutter, Carmen, war die Tochter des Führers der chilenischen Unabhängigkeitsbewegung, Antonio José de Irisarri, und Schwester des Dichters Hermógenes Irisarri. 
Sein Berufswunsch stand, wie in so vielen Fällen, im Gegensatz zu den Vorstellungen seiner Familie. Vom eigenen Geld kaufte er sich Malutensilien, doch wurden diese weggeworfen, denn für ihn hatte man die Rolle des Rechtsanwalts ausgesucht. Allerdings bestand er so entschieden auf seinem eigenen Lebensentwurf, daß die Familie 1849 nachgab und ihm ein Studium an der vom Präsidenten Manuel Bulnes neu gegründeten „Academia de Pintura“ gestattete.
Sein erster Lehrer dort war ein akademischer Maler italienischer Abstammung namens Alejandro Ciccarelli, welcher sich mit mythologischen Themen befaßte und für die von Smith bevorzugten Landschaften wenig Verständnis hatte, weshalb sich dieser 1851 von der Akademie abwandte, um auf eigene Faust weiterzumalen. 1853 trat er in die Armee ein. Dort blieb er bis 1858, anschließend betätigte er sich als Karikaturist der Tageszeitung „El Correo Literario“, womit er sich bei führenden Figuren des Zeitgeschehens unbeliebt machte.

Nach der fehlgeschlagenen liberalen Revolution von 1859 wurde es für ihn zusehends schwierig, so daß er 1861 nach Frankreich ging, um seine künstlerische Ausbildung fortzusetzen. Dort konnte er einige Erfolge erzielen, ging jedoch aus finanziellen Gründen dann für einige Zeit in die USA, wo er Unterstützung seines wohlhabenden Großvaters suchte, und später nach Italien; in Florenz verbrachte er ein Jahr als Schüler des ungarischstämmigen Landschaftsmalers Carlo Marco (Károly Markó dem Jüngeren). Sein epischer, stimmungsvoller Stil orientierte sich nun recht klar an der europäischen Romantik.

1866 (nach anderen Angaben 1863) kam er nach einer langen Reise wieder nach Chile, wo politische Reformen sich anbahnten. An der Akademie hatte sich jedoch wenig geändert, immer noch bestimmte Ciccarelli das Geschehen, so daß Smith in Folge ein eigenes Atelier eröffnete. 1869 ging Ciccarelli; mit dem neuen Leiter, dem Deutschen Ernst Kirchbach, kam Smith deutlich besser aus und es kam zu einer Zusammenarbeit, bei der er zahlreichen Malern ergänzend zur akademischen Ausbildung Unterricht gab, darunter Pedro Lira, Onofre Jarpa und Alberto Orrego Luco. 
Smith war als Lehrer sehr geschätzt, in seiner Arbeit als Maler soll er jedoch sehr inkonsistent und stimmungsabhängig gewesen sein, was dazu führte, daß zahlreiche Arbeiten unvollendet blieben. Er konnte zahlreiche Auszeichnungen erringen und starb 1877 in Santiago: noch jung, doch als angesehener Künstler.

Antonio Smith – romantische Landschaften aus Chile https://art-depesche.de/images/Rio_cachapoal2.jpg Ruedi Strese