static-aside-menu-toggler
gkSearch
Mikalojus Konstantinas Čiurlionis „Märchenschloß“ (1909)

Berlin - Mikalojus Konstantinas Čiurlionis gehört zu den wenigen litauischen Künstlern, die es zu Weltgeltung gebracht haben. Zu Recht, denn in seiner kurzen Lebensspanne hat er, der gleichzeitig als Komponist tätig war, ein malerisches Werk geschaffen, welches starke Bezüge zur Musik aufweist und mit zarten und mystischen Stimmungen zu fesseln vermag. Zudem gehört zu den Wegbereitern der abstrakten Malerei.

Gebären ließ er sich 1875 in Varėna im Südosten Litauens. In der kinderreichen Familie wurde polnisch gesprochen, die Mutter war deutscher Abkunft. Durch den Vater, einen Organisten, kam er früh mit Musik in Berührung. Ab 1894 studierte er Klavier und Komposition an der Musikakademie, wo er 1899 sein Diplom erhielt.

Als fertig ausgebildeter Komponist begann er, sich zusehends für die Malerei zu interessieren und nahm 1902 in Warschau den ersten Malunterricht. Von 1904 bis 1906 studierte er an der Warschauer Akademie der Bildenden Kunst. Er beschäftigte sich mit kunstphilosophischen Fragestellungen und bemühte sich um eine Zusammenführung von Musik und Malerei.

In beiden Richtungen war er schöpferisch tätig und brachte Bedeutendes hervor, er gab Konzerte und beteiligte sich an Ausstellungen. 1907 zog er nach Vilnius um, wo er sich auf die litauische Kunstszene zubewegte und auch an deren Ausstellungen teilnahm. In diesem und dem folgenden Jahr schuf er seine eigenwilligen, von litauischer Volkskunst inspirierten Märchenillustrationen.

1908 wechselte er erneut den Wohnort; er ließ sich in Sankt Petersburg nieder, wo er unter anderem Alexandre Benois und Léon Bakst kennenlernte. Sergej Diaghilew hätte ihn gerne als Bühnenbildner für sein Russisches Ballett gewonnen, doch litt Čiurlionis unter zunehmenden psychischen und gesundheitlichen Problemen. Klinische Behandlungen blieben erfolglos. Er starb 1911, erst 35 Jahre alt, geisteskrank an einer Lungenentzündung.

Sein Leben verbrachte er über weite Strecken in Armut, weshalb viele seiner Arbeiten lediglich mit Pastellkreiden und Tempera ausgeführt sind. Er schuf hintergründige und zauberhafte, bisweilen auch unheilvolle Phantasiewelten ganz eigener Art, welche dem Symbolismus zugerechnet werden können, jedoch bisweilen schon in den abstrakten Bereich gehen, so daß bisweilen darüber gestritten wird, ob nun er oder Kandinsky als eigentlicher Schöpfer der abstrakten Malerei anzusehen sei. In der litauischen Stadt Kaunas gibt es ein eigenes Museum, welches die Werke dieses hierzulande leider kaum bekannten, doch absolut faszinierenden Künstlers zeigt.

Verweise: 
http://ciurlionis.licejus.lt/index_en.html
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Unsorted_paintings_by_Mikalojus_Konstantinas_%C4%8Ciurlionis?uselang=de

Der litauische Maler Čiurlionis – mystischer Wegbereiter der Moderne https://art-depesche.de/images/Pilis.Pasaka.jpg Ruedi Strese