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Marsden Hartley „Blueberry Highway, Dogtown“ (1931)

Berlin - Der US-amerikanische Maler Marsden Hartley begann mit Landschaften im impressionistischen Stil. Bekannt ist er heute aber vor allem als einer der bedeutendsten Vertreter der klassischen Moderne jenseits des großen Teiches.

Geboren wurde er 1877 als Edmund Hartley in der Kleinstadt Lewiston im Neuenglandstaat Maine als jüngstes und einzig männliches von neun Kindern. Seine Mutter starb, als er erst acht Jahre alt war. Vier Jahre später heiratete sein Vater erneut, die Frau hieß Martha Marsden, und ihren Familiennamen sollte er später als Vornamen wählen. Mit 13 Jahren malte er als Gehilfe eines lokalen Naturforschers heimische Blumen und Kleingetier der Gegend. 1890 zog die Familie nach Cleveland in Ohio, ließ ihn jedoch in Maine zurück, wo er in einer Schuhfabrik arbeitete, diese Zeit stellte für ihn eine große Härte dar. Die biographischen Angaben in den verschiedenen Schriften zu jenen Jahren sind zum Teil allerdings etwas widersprüchlich, dies sei am Rande vermerkt.
Er folgte seiner Familie 1892 nach Cleveland, wo er ab 1896 die Cleveland School of Art besuchte. Ab 1898(99?) studierte er dank eines Stipendiums in New York bei William Merritt Chase, einem der großartigsten Vertreter des amerikanischen Impressionismus. Von 1900-1904 lernte er weiter an der National Academy of Design, wo er der Meisterklasse von Chase angehörte. Seine besondere Bewunderung galt allerdings Albert Pinkham Ryder, Vertreter eines sehr eigenen, stimmungsvollen Stils in Nähe zum Tonalismus, den er oft in seinem Atelier in Greenwich Village besuchte. Durch die Nähe zu Ryder sowie die Schriften Walt Whitmans und der Transzendentalisten Henry David Thoreau und Ralph Waldo Emerson gelangte Hartley zu einer Auffassung von der Kunst als spiritueller Aufgabe.
1908 zog er auf eine verlassene Farm bei Lovell in Maine. Die dort entstandenen Gemälde betrachtete er selbst als seine ersten reifen Arbeiten, und stellte diese 1909 erstmals in der Galerie des Kunstfotografen Alfred Stieglitz aus, den die (post)impressionistischen Landschaften schwer beeindruckten; der Kontakt der beiden sollte bis zum Lebensende währen. Stieglitz brachte Hartley die europäische Moderne nahe; Picasso, Cézanne und Matisse sollen ihn nachhaltig beeindruckt haben.
1912 ging Hartley nach Paris, wo er den Kubismus für sich entdeckte, 1913 zog es ihn nach Deutschland. Der entschiedene Bewunderer Preußens freundete sich mit Franz Marc und Wassily Kandinsky an, was zu einer Teilnahme an Ausstellungen des Blauen Reiters führte. Die Arbeiten aus jener Zeit ließen sich als persönliche und mystisch aufgeladene Kreuzung aus deutschem Expressionismus und orphischem Kubismus beschreiben. 

Alfred Stieglitz zeigte viele der Arbeiten in seiner New Yorker „Galerie 291“, sie gelten heute als Meilensteine der amerikanischen Moderne. Das Kriegsgeschehen zwang Hartley dazu, in die USA zurückzukehren, wo er sich wieder in Maine niederließ und sich erneut der Landschaft zuwandte, die er nun in kräftigen Farben und ausdrucksstark, ja zwingend, auf die Leinwand brachte, wobei ihm der Brückenschlag zwischen lokal verwurzelter Tradition und Moderne auf beeindruckende Weise glückte. Er starb 1943 in Ellsworth (Maine). Die Berliner Neue Nationalgalerie zeigte übrigens 2014 erstmals eine Ausstellung mit Werken aus seiner Berliner Zeit.

Marsden Hartley – vom späten Impressionismus zur klassischen Moderne https://art-depesche.de/images/Blueberry_Highway_Dogtown_by_Marsden_Hartley_1931_High_Museum_of_Art.jpg Ruedi Strese