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Paris - 1874 fand in Paris die erste Gruppenausstellung der Impressionisten statt. Vertreten war, neben Claude Monet, Auguste Renoir, Paul Cézanne u.a. auch ein Maler namens Edgar Degas (1834-1917). Dieses Umfeld führte dazu, daß Degas oft zu den Impressionisten gezählt wird, was der Sache jedoch insgesamt alles andere als gerecht wird.

Wenn auch gewiß Teile seines Werkes impressionistische Einflüsse erkennen lassen, so setzte er auf durchdachte Komposition, wo der Impressionismus typischerweise den Moment festhalten wollte. Die Pleinairmalerei war ihm nichts, stattdessen zog er das Atelier vor. „Es hat nie eine weniger spontane Kunst gegeben als die meine.“ „Was ich mache, ist das Resultat des Nachdenkens und des Studiums der großen Meister. Von Inspiration, Spontaneität, Temperament [...] weiß ich nichts“, so der Künstler selbst.

Der für viele seiner Zeitgenossen typischen Auflösung der Formen, dem Verschwimmen von Objekt und Hintergrund standen bei Degas klare Konturen gegenüber. Statt auf der Landschaftsmalerei lag bei Degas der Schwerpunkt auf der Darstellung von Alltagsszenen, von Pferden und von Frauen, speziell Tänzerinnen.

Degas war überaus vielseitig und nahm nicht nur Anregungen aus verschiedensten Epochen bzw. Stilen auf, sondern experimentierte gerne mit Techniken. So versuchte er sich an verschiedenen graphischen Techniken, schulte sich an klassischer Historienmalerei und wandte sich später, als seine Sehkraft zunehmend beeinträchtigt war, der Plastik zu, in welcher er als bedeutender Neuerer gilt. Als Höhepunkt seines Schaffens gelten jedoch vielfach seine Pastelle.

Das Pastell kann als uneheliches Kind von Malerei und Zeichnung verstanden werden. Pigmente werden, meist durch Pastellkreiden oder Pastellstifte, auf Papier aufgetragen, welches rauh sein muß, um genügend Haftung zu bieten. Dennoch sind Pastelle sehr empfindlich und werden üblicherweise fixiert.

Degas brachte es in der Pastellmalerei zu höchster Meisterschaft. Je nach Bedarf trug er dünn auf und ließ sogar das Hintergrundmaterial als Bildelement wirken oder nutzte Zwischenfixierungen bei kräftigem Farbauftrag. Dafür soll er ein speziell von dem Maler und Chemiker Luigi Chialiva (1841-1914) für ihn entwickeltes Fixativ benutzt haben. Auf das in der Pastellmalerei übliche Verwischen der verschiedenen Farben an den Übergängen verzichtete er weitgehend, um eine stärkere Farbwirkung zu erzielen.

Mit besonderer Sorgfalt widmete er sich der jedoch Oberfläche der Frauenkörper. Hier wurden die Pigmente nicht nur zur Abbildung genutzt, die Figuren wurden auf das Papier gebracht und ihre Flächen anschließend nahezu plastisch, wie reale Haut behandelt - man könnte sagen: geschminkt. Zu diesem Zweck, zum Erreichen feinster Nuancen experimentierte Degas viel. Er wusch Kreide und ließ sie wieder trocknen, mischte sie mit Soda und Glyzerin, um eine „Pastell-Seife“ zu erhalten, blies Wasserdampf über die Bilder, um eine aquarellartige Wirkung zu erzielen oder bei stärkerer Bedampfung eine Verdickung der Farben zu erreichen, wodurch sie sich cremeartig verreiben ließen. So, wie es den Impressionisten gelang, mit ihrer Konzentration auf Lichteffekte eine neue Sicht auf die Natur erreichen, revolutionierte Degas mit der Oberflächenbehandlung im Sinne einer Stofflichkeit die Frauendarstellung.

Kosmetik auf rauhem Papier - Die Pastelle Edgar Degas’ https://art-depesche.de/images/Degas_Bei_der_Modistin.jpg Ruedi Strese