static-aside-menu-toggler
gkSearch
Johann Peter Hasenclever „Das Lesekabinett“ (1843)

Berlin - Johann Peter Hasenclever entstammte der zwischen Klassizismus, Romantik und Realismus angesiedelten Düsseldorfer Malerschule. Allerdings fügte er sich nicht in eine der dortigen Hauptströmungen ein; weder den religiösen Nazarenern noch der romantischen Landschaftsmalerei läßt er sich zuordnen. Stattdessen pflegte er die Genremalerei in einer ganz eigener Weise: an den niederländischen Meistern des Goldenen Zeitalters angelehnt, doch mit sozialkritisch-satirischer Zuspitzung. 
Er war ein Jahrgang 1810 aus dem bergischen Remscheid, der Vater war Werkzeugschmied. Als er 15 Jahre alt war wurde sein Lehrer, den er auch nebst Gattin abbildete, auf sein Talent als Zeichner aufmerksam und setzte sich für dessen Förderung ein.

Mit 17 Jahren konnte er bereits an der von Wilhelm von Schadow geleiteten Düsseldorfer Kunstakademie studieren – von Schadow indes war von Hasenclevers Talent wenig überzeugt, weshalb dieser der Akademie nach zwei Jahren wieder den Rücken zukehrte. 1836 allerdings versuchte er am selben Ausbildungsort einen neuen Anlauf, diesmal bei Theodor Hildebrandt. Dieser wagte sich in damals und dort weitgehend unbekanntes Terrain, indem er, inspiriert von Vetretetern des Goldenen Zeitalters der niederländischen Malerei gewöhnliche Alltagsszenen zum Sujet machte und somit erheblich dazu beitrug, diese „Genremalerei“ in Deutschland als eigenständiges Genre zu etablieren. 
1838 zog Hasenclever nach München um, dort illustrierte er mit über zwanzig Gemälden die „Jobsiade“ Carl Arnold Kortums, eine satirische Geschichte über das Leben eines Bummelstudenten. Diese Arbeiten wurden sein erster bedeutender Erfolg. Auch der kunstsinnige Bayernkönig Ludwig I. erstand eines dieser Gemälde; somit konnte Hasenclever bei seiner Rückkehr nach Düsseldorf als anerkannter Maler gelten. 

1843 wurde er zum Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. In dieser Zeit hatte er sich vom einfachen Abbild des Alltags zu einer ironisch-sozialkritischen Darstellung hin entwickelt und seine Technik auf ein hohes Niveau gebracht. Politisch engagierte er sich in der revolutionär-demokratischen Bewegung, die heute als „Vormärz“ bekannt ist, zudem schloß er sich der freien Künstlervereinigung Crignic an, welche die Keimzelle des ab 1848 bis heute bestehenden Düsseldorfer „Malkasten“ wurde. 

Hasenclever wurde nicht alt, er verstarb bereits 1853 in Düsseldorf. Kunstgeschichtlich ist er von Bedeutung, indem er eine bisweilen satirische Ausprägung der Genremalerei mitbegründete und zum Vorläufer humoristischer Zeichenkunst avancierte. Gottfried Keller schätzte ihn als „Hofmaler des Weins, der Urbanität und des Humors“, auch Karl Marx zählte zu seinen Bewunderern – dies, neben seinem revolutionären Einsatz, mag Teil der Erklärung sein, daß die Kunstgeschichte der DDR ihm einen recht hohen Stellenwert beimaß.

Johann Peter Hasenclever – Genremalerei aus der Düsseldorfer Malerschule https://art-depesche.de/images/Johann_Peter_Hasenclever_Lesekabinett_1843.jpg Ruedi Strese