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Henri Evenepoel „Der Spanier in Paris“ (1899)

Berlin - Kurz waren das Leben und die künstlerische Karriere des belgischen Malers Henri Evenepoel, jedoch hat er in dieser Zeit ein nicht sehr umfangreiches, dafür recht gediegenes Werk, irgendwo im Spannungsfeld zwischen Postimpressionismus und Symbolismus, geschaffen.

Geboren wurde er 1872 in Nizza, war allerdings belgischer Abkunft. Er begann seine künstlerische Ausbildung an der kleinen Kunstschule von Sint-Josse-ten-Noode (räumlich in Brüssel gelegen, doch eigenständig verwaltet), danach wechselte er zur Académie Royale des Beaux-Arts in Brüssel, wo er von 1889 bis 1890 lernte. 
1892 ging er nach Paris und schrieb sich an der dortigen École des Beaux-Arts ein, 1893 wurde er zudem Schüler im Atelier des Symbolisten Gustave Moreau. Dadurch lernte er Georges Rouault, Albert Marquet, Edgar Maxence, Charles Milcendeau, Léon Printemps und Henri Matisse kennen. Insbesondere mit letzterem, einem der späteren Hauptprotagonisten des Fauvismus und Wegbereiter der Moderne, verband ihn eine recht enge, persönliche Freundschaft. 
Seine bevorzugten Sujets waren Parkszenen, Intérieurs und Portraits. 1894 nahm er mit eine Portrait seines Cousins am Salon des Artistes Français teil. 1895 beteiligte er sich erstmals am Salon du Champ-de-Mars, wo er bis zu seinem Tod regelmäßig ausstellen sollte. Seine erste Soloausstellung fand von Dezember 1897 bis Januar 1898 im Brussels Cercle Artistique statt. Im Mai 1898 ging er erneut nach Paris, wo sich erste Erfolge einstellten.

Er porträtierte vorrangig Freunde und Familienmitglieder, der Einfluß von Édouard Manet and James Abbott McNeill Whistler spielte eine große Rolle. Die Stadtszenen zeigen Affinitäten zu Henri de Toulouse-Lautrec. Eine gewisse Nähe bestand auch zu den Nabis.

Als eines seiner bedeutendsten Werke gilt „Der Spanier in Paris“ von 1899. Es zeigt einen seiner Freunde, den spanischen Maler Francisco Iturrino. Das Werk war im Genter Salon gezeigt worden und erntete überschwängliche Kritiken. Hier hatte der eigene Stil des Künstlers seine Vollendung gefunden. Die Figur ist ausdrucksstark und war gemalt worden, bevor es einen Hintergrund gab; dieser bleibt bewußt sehr spärlich. Die erdige Farbgebung, so liest man, ist durch Eindrücke einer Algerienreise inspiriert.

Als das Museum von Gent sich im Oktober 1899 zum Kauf des Bildes entschied, empfand Evenepoel dies als eine ungeheure Auszeichnung. Es hätte der Beginn einer großen Karriere werden können – allerdings erlag er kurz darauf, noch im Dezember des selben Jahres, dem Typhus, im Alter von gerade einmal 27 Jahren.

 

Verweise:

http://www.mskgent.be/de/sammlung/1900-drei-portrats/henri-evenepoel-der-spanier-in-paris
http://www.stephenongpin.com/EVENEPOEL-Henri-DesktopDefault.aspx?tabid=45&tabindex=44&artistid=196967
http://www.imamuseum.org/art/exhibitions/snapshot/highlights/henri-evenepoel

Henri Evenepoel – der Frühvollendete des belgischen Postimpressionismus https://art-depesche.de/images/Henri_Evenepoel_-_De_Spanjaard_in_Parijs.jpg Ruedi Strese